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Jakub Blaszczykowski (M.) ist auch Kapitän der polnischen Nationalmannschaft © imago

Dortmund ringt Leverkusen im wohl besten Spiel der Saison nieder. Die Werkself ärgert sich über den entscheidenden Lapsus.

Von Mike Lukanz und Thorsten Langenbahn

München/Leverkusen - Am Ende war es einfach die Prise Abgezocktheit, die Leverkusen fehlte.

Gerade erst hatte Bayer durch Reinartz' zweiten Treffer den Ausgleich erzielt, viel besser kann die junge Mannschaft vom Rhein eigentlich nicht mehr spielen.

Doch nur 63 Sekunden später folgte ein kapitaler Fehler von Philipp Wollscheid, den Borussia Dortmund durch Robert Lewandowski eiskalt ausnutzte.

"Scheiß Fehler", sagte Wollscheid zur Szene in der 64. Minute: "Da sollte man sich nicht zu schade sein, den Ball zu Aus zu schießen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Eines Spitzenspiels würdig

3:2 gewann der Deutsche Meister schließlich das Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen (Bericht), auch wenn die Begegnung eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hätte.

Denn das, was die beiden Mannschaften über knapp 93 Minuten auf dem Rasen boten, war wohl das beste Spiel der Saison.

"Wir haben gut gespielt, Dortmund dominiert und deshalb ist die Niederlage umso bitterer", sagte ein sichtlich geknickter Andre Schürrle im Gespräch mit SPORT1.

Lewandowski an allen Toren beteiligt

Dortmund führte nach neun Minuten bereits 2:0 und zeigte eine beeindruckende Abgeklärtheit im Ausnutzen von Torchancen. Reus (3.) und Blaszczykowski (9.) per Foulelfmeter brachten ihre Farben früh in Front und das, obwohl auch Bayer stark und temporeich begann. (670001DIASHOW: Der 20. Spieltag).

Aber die Mannschaft von Jürgen Klopp fing genau da an, wo sie in den Spielen gegen Bremen (5:0) und Nürnberg (3:0) aufgehört hatte. Mit temporeichem Offensivspiel, klugen Laufwegen und hoher Passsicherheit. Vor allem Torjäger Lewandowski war von der Leverkusener Innenverteidigung kaum in den Griff zu bekommen.

Der Pole bereitete das erste Tor von Reus mit einem feinen Pass in die Schnittstelle vor, das zweite holte er schließlich selbst heraus und beim dritten stand er schlicht da, wo ein Mittelstürmer stehen muss.

Leverkusener Offensivfeuerwerk

Selbst beim zweiten Elfmeter für Dortmund war es Lewandowski, der von Boenisch ? reichlich unnötig ? gefoult wurde. Dass Blaszczykowski in der 71. Minute seinen zweiten Anlauf vom Punkt vergab, passte lediglich in die Dramatik des Spiels.

Doch vor dem entscheidenden Treffer des Spiels hatte Leverkusen ein wahres Offensivfeuerwerk abgebrannt, Chancen für gleich mehrere Spiele und schließlich völlig verdient ausgeglichen.

"Müssen abgeklärter sein"

"Nach dem Ausgleich war eine Bombenstimmung im Stadion, da wollten wir einfach zu viel", sagte Leverkusens Torwart Bernd Leno bei LIGA total!

Denn in die Euphorie über die gelungene Aufholjagd fiel Wollscheids zu kurzer Rückpass und der dritte BVB-Treffer.

"Wir haben 60 Minuten die bessere Mannschaft und müssen einfach abgeklärter sein und mehr Tore machen", sagte Schürrle.

Statistik spricht klar für Leverkusen

Schon vor dem 2:2 hatte Bayer gleich mehrere hochkarätige Gelegenheiten, die aufgrund einer Mischung aus Unvermögen und den starken Reflexen von Mitchell Langerak im Tor des Gegners nicht verwertet wurden.

Und so sprachen selbst die Dortmunder nach Spielende unisono von einem "glücklichen" Sieg, was sicher auch nicht oft geschieht. 26:12 Torschüsse wies die Statistik nach Spielschluss für Leverkusen aus, dazu 12:4 Ecken, 13:4 Flanken und 57 Prozent Ballbesitz.

Wollscheid findet die passenden Worte

"Wir waren auf Augenhöhe", sagte Leverkusens Coach Sascha Lewandowski schließlich halb stolz, halb frustriert.

Es ist der Vorwurf, den sich die Leverkusener ankreiden müssen. Sie werden nur noch selten die Gelegenheit bekommen, in Spielen gegen Mannschaften eines Kalibers Borussia Dortmund so oft zum Torabschluss zu kommen.

Pechvogel Wollscheid fand schließlich das passende Fazit zum Spiel:

"Am Ende hat die Mannschaft gewonnen, die einen Fehler weniger gemacht hat."