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Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer zeigte am Freitag zweimal auf den Punkt © getty

Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne pfiff nur den neuen Regeln entsprechend. Trotzdem sorgt das für Diskussionsstoff in der Liga.

Von Daniel Rathjen

München - Der Pfiff bzw. die Pfiffe des Bundesliga-Wochenendes gab es schon beim Auftakt am Freitag: Die beiden von FIFA-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer verhängten Foulelfmeter in München sorgten für heftige Diskussionen.

Viele befürchten nach den zwei umstrittenen Entscheidungen beim 2:2 zwischen dem FC Bayern und dem Hamburger SV jetzt eine Strafstoß-Inflation, sollten die Unparteiischen die DFL-Vorgaben weiterhin so konsequent umsetzen.

Grund: Jegliches Zerren und Halten im Strafraum wird rigoros abgepfiffen. In der 16. Minute hatte Kinhöfer nach einem Klammergriff des Hamburgers Joris Mathijsen gegen Bastian Schweinsteiger auf Strafstoß für die Münchner entschieden.

In der 57. Minute pfiff er nach einer Attacke von Christian Lell, der HSV-Stürmer Ivica Olic mit dem Ellbogen nach unten gedrückt hatte, einen weiteren Elfmeter.

Die beiden Szenen waren für Kinhöfer "ganz klar. Die Spieler werden sich daran gewöhnen. Das ist eine reine Erziehungssache. Nach vier, fünf Spielen wird es nicht mehr wie beim Griechisch-Römisch zugehen".

Kritik von Jol und Magath

Hamburgs Trainer Martin Jol ("Das waren keine Elfmeter") kritisierte die Entscheidungen jedoch und bekommt unter anderem Zuspruch von Felix Magath.

"Das Problem ist, dass die Vorgaben nur in der Bundesliga gelten. Auf internationaler Ebene wird wieder anders gepfiffen", sagte Wolfsburgs Trainer im DSF-Doppelpass:

Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL, stimmt zu: "Ich habe ein wenig den Eindruck, dass man mit dieser Regelauslegung die Latte doch sehr hoch gelegt hat. Das würde hinterher dazu führen, dass man wieder über den Videobeweis spricht, denn nur dann sieht man tatsächlich, wer gehalten oder gezogen hat. Ob man diese hohe Latte die ganze Saison durchzieht, dahinter mache ich mal ein Fragezeichen."

Hoeneß outet sich als "Elfer-Fan"

Der neue Bayern-Coach Jürgen Klinsmann wollte Kinhöfer hingegen keinen Vorwurf machen. "Das muss man so nehmen, wie es jetzt ist. Es ist Vorgabe der Liga an die Schiedsrichter, rigoroser zu Werke zu gehen. Das hat Thorsten Kinhöfer gemacht, das ist vollkommen in Ordnung", meinte der ehemalige Bundestrainer.

Manager Uli Hoeneß ist sogar "ein großer Fan dieser Elfer. Ich hoffe, dass es mal fünf in einem Spiel gibt, dann hört das mit dem Halten endlich auf".

Auch Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell meinte, "dass Kinhöfer zu 100 Prozent richtig entschieden hat". Amerell kündigte sogar Konsequenzen für die Referees an, "sollten sie sich nicht an die Vorgaben halten". Das würde sich auf die Einsätze auswirken.

Lahm bleibt cool

Münchens Abwehrspieler Philipp Lahm nimmt die Diskussion indes gelassen hin. "Wir als Spieler müssen uns erst umstellen, weil das vorher nicht so streng gepfiffen wurde. Aber das werden wir machen, vielleicht fallen demnächst dadurch ein paar mehr Kopfballtore."

DFB ermittelt gegen Wome

Bei den übrigen Bundesliga-Spielen hatte es keinen Elfmeter gegeben. Dafür hatte der Kölner Pierre Wome beim 1:2 in Wolfsburg für Aufregung gesorgt.

Der Abwehrspieler sprang VfL-Angreifer Ashkan Dejagah in den Rücken und schlug ihm den Ellenbogen auf den Hinterkopf. Dejagah erlitt eine Schädelprellung.

Schiedsrichter Felix Brych (München) sah die Szene nicht. Der Kontrollausschuss des DFB nahm deshalb aufgrund der TV-Bilder Ermittlungen auf.

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