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Der Hamburger SV feierte in Dortmund seinen dritten Auswärtssieg © getty

Dortmunds Siegesserie endet deutlich, Jürgen Klopp ist entsprechend frustriert. Der Hamburger SV ist hingegen im Stimmungshoch.

Von Mike Lukanz und Thorsten Langenbahn

München/Dortmund - Jürgen Klopp ist ja durchaus bekannt für seine treffenden Analysen. ( 673577 DIASHOW: Der 21. Spieltag )

Ein "scheiß Spiel" wollte der BVB-Trainer nach dem 1:4 gegen den Hamburger SV (Bericht) bei "Sky" ausgemacht haben und "am Ende ist alles gegen uns gelaufen", sagte er bei LIGA total!.

Sein Blick sprach dabei Bände, nichts war zu sehen vom breiten Grinsen, das Fans wie Journalisten seit zwei Jahren fast im Dauerzustand sehen.

In der Tat trug das Glück an diesem Samstagnachmittag nicht Schwarz-Gelb, was die formidable Leistung der Gäste nicht schmälern soll, die im Übrigen somit beide Spiele gegen Dortmund in dieser Saison für sich entschieden. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mit eigenen Waffen geschlagen

Das bärenstarke Hamburger Sturmduo Artjoms Rudnevs (19., 63.) und Heung-Min Son (27., 89.) besiegelte jeweils per Doppelpack die verdiente dritte Heimniederlage des Deutschen Meisters.

Denn zuvor hatte der HSV die Dortmunder mit deren eigenen Waffen geschlagen, war vom Anpfiff weg mit Leidenschaft in die Zweikämpfe gegangen und hatte das so spielstarke Mittelfeld permanent unter Druck gesetzt.

"Den Meister auswärts zu schlagen, macht auch nicht jeder", verpackte HSV-Trainer Thorsten Fink das Lob für seine Mannschaft etwas indirekt.

Für Fink war es ein besonderer Sieg, kam er doch vor 44 Jahren in Dortmund zur Welt.

Seelisch und körperlich müde

"Der Trainer ist persönlich dafür belohnt worden, dass er uns so offensiv eingestellt hat", sagte Dennis Aogo, der sich vor allem auf die "paar Bier" freute, die auf der Busfahrt zurück nach Hamburg getrunken werden. "Das ist kaum zu glauben, weil der BVB normalerweise zu Hause eine Macht ist."

Doch diese Macht war nach dem formidablen und kräftezehrenden Auswärtssieg vergangene Woche in Leverkusen sichtlich müde, körperlich wie seelisch, und fand auf das Pressing der Gäste keine Antwort.

Und vielleicht geisterte in einigen Köpfen auch schon das Champions-League-Achtelfinale bei Schachtjor Donezk am kommenden Mittwoch herum.

"Wir sollten am Mittwoch besser sein, und ich denke, das wird gelingen", meinte Klopp.

Und dennoch, das Spiel hätte durchaus eine andere Wendung nehmen können.

Wenn zum Beispiel Mario Götze nach sieben Minuten den Ball nicht freistehend neben, sondern ins Tor geschossen hätte.

Oder wenn Robert Lewandowski nicht völlig überzogen im Mittelfeld gegen Per Skjelbred durchgezogen und somit früh die berechtigte Rote Karte provoziert hätte (31.).

Titel endgültig verspielt

Oder wenn die Dortmunder Hintermannschaft wenige Minuten nach dem Platzverweis für Jeffrey Bruma (59., Notbremse) nicht gepennt und so Rudnevs' zweiten Treffer verhindert hätte.

Doch selbst das Fußballspiel des Meisters besteht nicht aus Konjunktiven, und so ist in Dortmund etwas Ernüchterung eingekehrt.

Die Meisterschaft, sofern noch jemand daran geglaubt hatte, ist nach der Niederlage und dem gleichzeitigen Sieg der Bayern gegen Schalke endgültig verspielt.

Rudnevs' zweiter Treffer der Knackpunkt

Der HSV war an diesem Tag einfach zu abgebrüht und schlug zu jeweils günstigen Zeitpunkten zu.

Entsprechend ausgelassen feierten die Spieler den unerwarteten Sieg. Aus der Kabine dröhte nach Spielende laute Musik, Doppeltorschütze Rudnevs tanzte halbnackt durch die Gänge.

Zum Tanzen war beim BVB niemand zumute. Die Rote Karte ausgerechnet für Lewandowski, um dessen angebliche Wechselabsichten gen München es in der vergangenen Woche so viel Wirbel gab, setzte dem Team zu.

"Das hat schon gegen die Moral gedonnert", resümierte Klopp: "Danach wurde es wild, alles wurde hektisch und als ungerecht empfunden. Aber das ist menschlich."

Son fühlt sich "geil"

So menschlich wie der Umstand, dass die Gäste den Platzverweis berechtigt fanden. "Aus meiner Sicht war es eine Rote Karte, der Schiri wollte sie nicht geben, da habe ich ein bisschen Theater gemacht", sagte Rafael van der Vaart:

"Es war ein heißes Spiel, da gehört es dazu."

Auf weitere Details wollte nach Spielende niemand eingehen, zu klar war die Niederlage, zu verdient schlussendlich der Sieg der Hanseaten.

Und dass nicht nur Jürgen Klopp in prägnanten Sätzen analysieren kann, bewies Son im Gespräch mit SPORT1: "Ich fühle mich geil."

Manche Dinge können auch mal unkommentiert stehenbleiben.