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Der VfB Stuttgart kassierte gegen Werder Bremen die fünfte Niederlage in Folge © getty

Nach der Enttäuschung gegen Bremen suchen die Stuttgarter nach Erklärungen für die vielen Fehler. Doch die Suche endet erfolglos.

Aus Stuttgart berichtet Rainer Nachtwey

Stuttgart - Die Stuttgarter Spieler gingen langsam in Richtung Fans, doch statt aufmunterndem Beifall empfing die Truppe um Kapitän Serdar Tasci nur ein gellendes Pfeifkonzert.

So verharrten sie ohne Regung nur wenige Sekunden vor der Kurve, ehe sie schnurstracks und mit gesenkten Köpfen Richtung Kabine schlichen.

Dabei hatte die Partie gegen Bremen unter dem Motto "Flagge zeigen für den VfB" gestanden.

Zahlreiche Fahnen in den Vereinsfarben und dem Wappen waren vom ortsansässigen Automobilhersteller an die Fans verteilt worden.

"Die Fans sind natürlich enttäuscht"

"Die Fans sind natürlich enttäuscht, das ist doch normal", zeigte VfB-Manager Fredi Bobic nach dem 1:4 gegen Werder Bremen (Bericht) Verständnis für die Reaktionen der Zuschauer.

Wenig später wählte er dann drastischere Worte.

"Gibt es Fragen oder sind wir alle tot?", fragte er in Richtung der Journalisten.

Was die Anhänger vor allem in Rage brachte, waren die individuellen Fehler ihrer Mannschaft, die die Bremer zum Toreschießen geradezu einluden, und die letzte halbe Stunde, in der nach dem 1:3 kein Aufbäumen zu erkennen war.

Keine Anfeuerung am Schluss

Nachdem die Fans noch zu Beginn der zweiten Hälfte "Wir wollen Euch kämpfen sehen" und später noch "Vorstand raus" skandiert hatten, verzichteten sie zum Schluss auf jegliche Rufe.

"Wir haben uns am Ende abschießen lassen. Wir sind eine Mannschaft und müssen uns gegenseitig helfen. Aber wir machen Fehler, die uns das Genick brechen", analysierte Tasci und bemängelte vor allem das fehlende Selbstvertrauen.

Gegen Bremen setzte es die vierte Niederlage für die Schwaben im vierten Rückrundenspiel, insgesamt die fünfte Pleite in Folge.

Eine ähnlich schlechte Bilanz hatte es zuletzt vor 26 Jahren gegeben mit sieben verlorenen Spielen am Stück. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Gentner: "Haben kein Wort dafür"

Entsprechend groß ist die Krise beim VfB.

"Nennen Sie es wie sie wollen, wir haben kein Wort dafür", meinte Christian Gentner auf den Negativtrend angesprochen.

"Wir müssen die Kurve kriegen. Uns ist allen klar, dass es so nicht weitergehen kann."

Doch wie sie aus der Krise rauskommen wollen, das wussten die Akteure selbst nicht.

"Es gibt im Fußball keine Patentrezepte: Man kann jetzt nicht ganz locker den Hebel umlegen. Wir müssen hart arbeiten und brauchen Erfolgserlebnisse", sagte Bobic bei LIGA total!.

Sicherheit fehlt

Georg Niedermeier meinte zu SPORT1: "Wir sind eine gute Mannschaft, aber wenn wir unsere Chancen nicht nutzen und dann vom Gegner welche zulassen, bringt uns das aus dem Konzept."

Und dann sagte der Verteidiger noch einen aufschlussreichen Satz: "Wir müssen vielleicht ein Stück weit einfacher spielen."

Vielleicht? Sicher ist sich bei den Schwaben derzeit keiner.

Nach der guten Anfangsphase wurde die Unsicherheit im Defensivverbund deutlich, vor allem bei den Gegentoren.

"Wir waren bis zum 1:2 die klar bessere Mannschaft", meinte Vedad Ibisevic, kritisierte dann aber heftig seine Mitspieler: "Fehler können passieren, aber nicht jedes Spiel."

Blick geht nach unten

Nach dem Abrutschen auf Platz 15 geht der Blick der Stuttgarter nach unten, auch wenn Martin Harnik noch nicht von Abstiegskampf sprechen wollte.

"Wir müssen von Glück sprechen, dass die hinter uns nicht punkten", sagte Tasci und richtete das Augenmerk schon auf das kommende Wochenende, wenn es im Derby gegen den Tabellen-16. Hoffenheim geht.

"Das wird es ein ganz wichtiges Spiel für uns. Da können wir die hinter uns auf Distanz halten."

Bremen denkt nicht an Europa

Während es für den VfB "utopisch ist, über Europapokalplätze zu sprechen" (Gentner), verschwenden auch die Bremer keinen Gedanken daran.

"Das hat uns in den letzten Wochen auch nicht geholfen", meinte Torschütze Aaron Hunt. Vielmehr wolle er sich nur auf den nächsten Gegner konzentrieren.

Dabei liegt Werder nach dem zweiten Sieg in Folge nur drei Punkte hinter den fünftplatzierten Hamburgern.

Schaaf zufrieden

Bremens Coach zeigte sich nach der Partie entsprechend zufrieden.

"Die Erfolge sind die Bestätigung für unsere Arbeit der letzten Wochen", sagte das Werder-Urgestein, der wie die Stuttgarter mit zwei Niederlagen in die Rückrunde gestartet war:

"Und jeder Erfolg bringt uns mehr Selbstvertrauen."

Selbstvertrauen, das den Stuttgartern völlig abhanden gekommen ist.