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Auf der Suche nach dem Maulwurf: Gladbach hat vier Punkte Rückstand auf Platz 15 © getty

Gladbach steckt im Abstiegskampf und auch sonst kriselt es. Die Frage, wer Interna publik gemacht hat, erhitzt die Gemüter.

Von Thorsten Mesch

Düsseldorf/Mönchengladbach - Tabellenletzter, vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz, und die "Maulwurf-Affäre" - in Mönchengladbach sind gleich mehrere Brandherde zu löschen.

In einem Schreiben hatte ein Teil des Teams, zu denen unter anderem Oliver Neuville und Patrick Paauwe gehören sollen, ihr "Befremden" darüber geäußert, wie einige Spieler von Trainer Hans Meyer ausgemustert worden waren.

Dieser "Protest", ein Akt der Solidarität zu den ehemaligen Kollegen und dem entlassenen Physiotherapeuten Michael Risse, wurde schon im Winter-Trainingslager auf Gran Canaria an die Vereinsführung gerichtet, wurde jedoch erst jetzt publik. (Zum Artikel)

Nun suchen die Borussia-Verantwortlichen nach dem "Maulwurf". "Irgendwann wird die Quelle herauskommen. Und dann gibt es die Konsequenz, nämlich die fristlose Kündigung", kündigte Sportdirektor Max Eberl im "kicker" an.

Keine Beeinträchtigung im Team

Eberl betonte jedoch, das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer sei davon in "keinster Weise beeinträchtigt". Es werde "keine Verhöre" geben, denn die volle Konzentration gelte dem Kampf um den Klassenerhalt.

Einer der von Meyer ausgemusterten Spieler, Sascha Rösler, erklärte dem DSF: "Ich wusste von dem Brief. Der ist aber, glaube ich, schon sechs Wochen alt."

"Wir wurden einfach abserviert"

Es gehe in dem Schreiben "nicht ausschließlich um Hans Meyer, sondern um die generelle Art und Weise, wie mit den Spielern umgegangen wird und vor allem auch mit Michael Risse, der sich acht Jahre für den Verein aufgeopfert hat und dann einfach rausgeschmissen wurde", so Rösler, der mittlerweile bei 1860 München in der Zweiten Liga spielt.

"Wir Spieler wurden zum Teil auch einfach abserviert und uns wurde gesagt, wir dürften nicht mehr mittrainieren. Aber es ist auch nicht so, dass uns der Kopf abgerissen wurde. Dennoch geht man bei einem Verein, der funktioniert, mit den Spielern, die auch was für den Verein geleistet haben, vielleicht nicht so um."

Meyer spricht von Idiotie

Meyer wird ein recht rustikaler Umgang mit einigen Spielern nachgesagt. Zwischen dem Coach und Marko Marin, der unter Meyer häufiger auf der Bank sitzt, aber zuletzt wieder zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, knistert es. Er verstehe manchmal die Ironie des Trainers nicht, klagte Marin.

Meyer selbst räumt ein, durch den Protestbrief der Spieler überrascht worden zu sein. "Ich habe unterschätzt, dass jemand auf die idiotische Idee kommt, nach zwei Spielen, in denen man sieht, dass es besser wird, so etwas nach draußen zu bringen", sagte der Trainer.

Die Form des Briefes sei nicht ernst zu nehmen gewesen, erst recht in einem Trainingslager, in dem man sich zusammensetzen und Dinge klären könnte. "Eigentlich brauchen wir für Bremen einen klaren Kopf", meinte Meyer.

Netzers heftige Kritik

Für den ehemaligen Gladbacher Meisterspieler Günter Netzer ist der Brief "eine Bankrotterklärung. Ich würde nie auf die Idee kommen, als Mannschaft einen Brief ans Präsidium zu schreiben - wenn der Präsident doch nebenan wohnt und ich mit ihm darüber sprechen kann", erklärte Netzer im DSF.

Marcell Jansen, letzter Topstar der Borussia, sieht die Lage bei Ex-Klub ebenfalls mit Bedenken. "Ich mache mir Sorgen um meinen Heimatverein", sagte der HSV-Profi dem Hamburger "Abendblatt".

Die Hoffnung ist noch da

Hoffnungsträger beim Bundesliga-Schlusslicht ist Rainer Bonhof. Der ehemalige Profi und Trainer ist als Vizepräsident zu den "Fohlen" zurückgekehrt. Mit Hans Meyer habe er "zwar noch keinen Rotkäppchensekt getrunken. Aber das holen wir Ende Mai nach. Da haben wir wahrscheinlich etwas zu feiern", sagte Bonhof bei seinem ersten Auftritt in neuer Funktion.

Wenn im Mai die Bundesliga endet, wollen die Gladbacher den Klassenerhalt feiern.

"Die Weichen umstellen"

Vor zehn Jahren klappte das nicht. Bonhof hatte den Trainerposten übernommen, stieg mit der Borussia ab und musste nach drei Spieltagen in der Zweiten Liga gehen.

"Damals hat das Chaos regiert", sagte Bonhof dem "Express", heute stimmen die Rahmenbedingungen, wir müssen nur ein paar Weichen umstellen." Am Samstag kann die Borussia, die schon beim 1:1 gegen Hoffenheim zeigte, dass sie den Kampf längst nicht aufgegeben hat, in Bremen damit anfangen.

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