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Berlins Stürmer Raffael (r.) erzielt das 1:0, Inamoto kann nichts tun © getty

Hertha BSC Berlin legte einen zehn Jahre alten "Fluch" ab und besiegte mit Eintracht Frankfurt einen direkten Konkurrenten.

Von Christian Stüwe

München - Das Duell zwischen Eintracht Frankfurt und Hertha BSC war nicht nur einfach der Auftakt in eine neue Saison, sondern auch eine Standortbestimmung zweier ambitionierter Mannschaften aus dem gehobenen Mittelfeld.

Frankfurt wurde in der vergangenen Saison Neunter, die Hertha Zehnter. Beide haben ähnliche Voraussetzungen und würden am Ende nun gerne noch ein Stück weiter oben landen.

So gesehen kann der 2:0 (1:0)-Sieg der Hertha in Frankfurt als ein sehr positives Signal für die kommende Saison gesehen werden.

"Der Sieg ist sehr wichtig für die Stimmung und die Moral in der Mannschaft", erklärte denn auch Hertha-Trainer Lucien Favre.

Und die Laune scheint bei der "Alten Dame" tatsächlich gut zu sein. "Das wichtigste ist, dass wir als Team aufgetreten sind und gekämpft haben", freute sich Patrick Ebert.

Dabei übte sich gerade Ebert mit seinem Lob auf das Kollektiv in Bescheidenheit. Denn er war es, der gemeinsam mit dem sehr präsenten Stürmer Marko Pantelic aus der Mannschaft herausragte.

Pantelic mit zwei Vorlagen

Das 1:0 legte Pantelic noch Raffael (43.) auf, beim 2:0 bediente er Ebert (60.) mustergültig. "Wir verstehen uns gut", erklärte Ebert sein Verhältnis zu Pantelic: "Mal legt er mir auf, mal ich ihm. So war das schon in der Vorbereitung und ich hoffe, dass es so weitergeht."

Bei der Hertha, die in den vergangenen Jahren oft irgendwie farblos blieb, scheint nun ein echtes Team zu entstehen. Dazu passt, dass ein fast zehn Jahre währender "Fluch" abgelegt wurde.

"Das macht uns glücklich"

Seit dem 5:2 gegen Hansa Rostock im August 1999 konnte der Hauptstadt-Klub kein Auftaktspiel mehr gewinnen. Noch in der vergangenen Saison ging der Auftakt an gleicher Stelle bei Eintracht Frankfurt verloren.

"Ein Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt, dann mal wieder ein Auftaktsieg in eine neue Saison - das macht uns glücklich", freute sich Ebert.

Das Fundament für eine gute Saison scheint gelegt. "Es war ja erst der Auftakt", wiegelte Favre zwar ab. Dennoch: Die Hertha hinterließ einen starken ersten Eindruck.

Ideenlose Frankfurter

Ganz im Gegensatz zu Eintracht Frankfurt. Die Hessen starteten in der vergangenen Saison mit dem Auftaktsieg gegen die Hertha in die erfolgreichste Saison seit dem Wiederaufstieg.

Am Sonntag präsentierten sich die Frankfurter ideenlos, ohne Chance gegen die Hertha.

"Wir haben verdient verloren, weil wir heute nicht gut gespielt haben", erkannte Trainer Friedhelm Funkel dies ohne Umschweife an: "Die Hertha war uns heute in allen Belangen überlegen."

"Hochzufrieden" mit Platz 9

Nach der guten vergangenen Saison wurde in Frankfurt viel über Zielsetzungen diskutiert. Hierbei waren es immer Funkel und der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, die die Euphorie zu bremsen versuchten.

Nun fühlt sich das Frankfurter Führungsduo bestätigt. "Man muss erstmal abwarten, wie wir in die Saison kommen und wo wir stehen. Wir wären hochzufrieden, wenn wir wieder dort landen würden, wo wir letztes Jahr waren", erklärte Bruchhagen bereits in der Halbzeit.

"Ich weiß genau, was meine Mannschaft leisten kann", sagte Funkel: "Und an schlechten Tagen verliert man eben so ein Spiel."

Doch Funkel und Bruchhagen verlieren die Ruhe nicht so schnell. "Nächste Woche sieht es vielleicht schon anders aus", hoffte der Trainer.

Während der Sieg der Hertha Mut macht, ist die Frankfurter Aufbruchstimmung erst einmal verflogen. Denn auch wenn es immer nur um drei Punkte geht, liegt hier die besondere Bedeutung eines Auftaktspiels.

Es werden Weichen gestellt. Gerade in den Köpfen der Spieler.

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