vergrößernverkleinern
Seit 2005 Geschäftsführer von Borussia Dortmund: Hans-Joachim Watzke © getty

Wie viele Werksvereine verträgt die Bundesliga? Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen erhitzen die Gemüter der Traditionalisten.

Aus Düsseldorf berichtet Frank Hellmann

Düsseldorf - Aus seiner Abneigung gegen Werksvereine wie den VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen oder Kunstprodukte a la 1899 Hoffenheim hat Hans-Joachim Watzke nie einen Hehl gemacht.

Seine Fehde mit Dietmar Hopp hat der Geschäftsführer von Borussia Dortmund zwar mittlerweile ausgestanden.

Aber auf einer Podiumsdiskussion beim Spobis-Kongress in Düsseldorf ritt er nun dennoch eine neue Attacke gegen den vom SAP-Begründer alimentierten Klub aus dem Kraichgau.

"Dietmar Hopp ist komplett in Ordnung, aber die Bundesliga braucht Hoffenheim nicht zwingend", sagte Watzke.

Traditionsklubs "rocken die Liga"

Es wäre der falsche Ansatz, Sozialneid zu schüren. Aber es sei "nun einmal Fakt, dass die Traditionsklubs die Menschen bewegen", sagte der BVB-Boss: "Vereine wie der 1. FC Köln, der 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt rocken die Liga - dafür muss es endlich ein Äquivalent geben."

Hoffenheim gehöre bei der Verteilung der Fernsehgelder bestraft, so Watzkes Vorschlag. Er erneuerte sein Anliegen, einen Teil der Fernsehgelder nach aktuellen Zuschauerzahlen, mitreisenden Auswärtsfans und bundesweiten Sympathisanten zu verteilen, wie es in den Niederlanden praktiziert werde.

"Wir können in der Liga nicht noch mehr Vereine mit 25.000 Zuschauern und 500 Auswärtsfans vertragen ? dann ist es bald mit der schönen Auslands-Roadshow vorbei", meinte Watzke.

Leere Plätze in Sinsheim

Ein Hinweis darauf, dass die in Sachen Auslandsvermarktung sehr rege Deutsche Fußball-Liga (DFL) gern auf die vollen Tribünen in Dortmund, Gelsenkirchen oder München verweist. In Sinsheim sind dagegen zuletzt häufig tausende von Plätzen leer geblieben.

Watzkes Tenor: Bei einem Abstieg werde Hoffenheim kaum einer vermissen. Der BVB-Chef erhielt auffällig viel Beifall aus dem Plenum.

Es ist ja auch eine brisante Thematik: Kann die Liga noch mehr Werksvereine vertragen, als den VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen, die als 100-prozentige Konzerntöchter nur deshalb von der 50+1-Regel ausgeklammert sind, weil ihre Mütter (VW und Bayer) seit mehr als 20 Jahren den Fußball fördern?

Kritik auch von Bruchhagen

Ein klares "Nein" kam auch vom früheren DFL-Geschäftsführer Heribert Bruchhagen.

"Weil Manfred Schneider bei Bayer oder Martin Winterkorn bei VW eine Liebe zum Fußball besitzen und die Bundesliga zum Pläsir am Wochenende nutzen, sind diese Vereine so potent. Hoffenheim ist im weitesten Sinne auch ein Werksklub", sagte der Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt.

Einmal in Fahrt legte Bruchhagen nach: "Und wenn Audi in Ingolstadt richtig ernst macht, drücken sie Nürnberg raus. Und Mateschitz wird Leipzig nach oben hieven."

Der Frankfurter beschreibt die Wirklichkeit so: "Vereine wie Frankfurt werden zurückgeschoben, weil Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim mitspielen."

"Rasenschach Leipzig?"

Und Watzke, der Leverkusen noch eher duldet als Wolfsburg, fragte: "Was wollen wir noch mit Rasenschach Leipzig?" Der besagte Verein heißt zwar RasenBallsport Leipzig, aber dahinter steht bekanntlich der Brausegigant Red Bull.

Eines steht fest: Bei den Traditionalisten Watzke oder Bruchhagen stößt auch dieser Klub auf Ablehnung. Es lässt sich ja auch vortrefflich darüber streiten, was dem Produkt Bundesliga schadet oder nützt.

Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser etwa rechnete vor, dass die Zuwendungen aus der Bayer AG für die Fußball-Tochter exakt 25,2 Millionen Euro betragen würden. Bruchhagen griff Holzhäuser dafür scharf an.

"Haben keine Chance mehr"

"Auch Leverkusen ist in der Lage, Sebastian Rode oder Sebastian Jung zu locken. Obwohl wir in traditionellen Einnahmesäulen ? beim Marketing, bei den Zuschauern - mindestens gleichauf liegen, haben wir keine Chance mehr diese Spieler zu halten", sagte der Eintracht-Boss.

Der VfL Wolfsburg ist ihm aber noch ein größerer Dorn im Auge:

"Unseren Spielern Patrick Ochs und Marco Russ haben sie das Dreifache geboten. Aber wenn sie in Frankfurt spielen, bringen sie 356 Anhänger mit."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel