Das Spiel gegen Bremen ist das 1000. Spiel für den Bayern-Coach. Das Kind der Bundesliga blickt zufrieden auf die Jahre zurück.

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Vom FC Bayern berichtet Reinhard Franke

München - Als Jupp Heynckes am Freitag zum Pressetalk vor die Reporter trat, wirkte er, als ob er gerade von einem langen Waldspaziergang mit seinem Schäferhund "Cando" kommt.

Entspannt saß er auf dem Podium und freute sich offenbar auf die Fragen der Runde.

Nichts zu spüren vom Stress der letzten Wochen mit den vielen Spielen seiner Mannschaft und langen Reisen durch Europa, ja, nicht mal die bei Heynckes sonst etwas angespannt zuckenden Mundwinkel waren zu sehen.

Heynckes, ein Kind der Bundesliga, hatte offenbar richtig Lust zu plaudern. Der Grund lag ja auch auf der Hand.

Am Samstag beim Heimspiel gegen Werder Bremen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) kann er etwas ganz besonderes feiern: Sein 1000. Bundesligaspiel.

Zuerst aber tat er so, als ob ihm das alles gar nichts angehe. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich beschäftige mich damit nicht wirklich"

"Ich beschäftige mich damit nicht so wirklich. Es geht ja Schlag auf Schlag weiter, Samstag kommt Bremen, dann der BVB und anschließend Arsenal", sagte Heynckes.

Doch dann kam die erste Frage und Heynckes Augen leuchteten, als er über seine Anfangszeit sprechen durfte. "Als Spieler und Trainer gab es große Momente. Das erste Jahr mit Borussia Mönchengladbach war mein schönstes Fußballjahr", meinte er und lachte.

Damals habe er einen 160 Mark-Vertrag bei Borussia gehabt und "wir haben einfach aus Spaß, Freude und Emotionen Fußball gespielt."

Einzigartige Karriere

Der 67-Jährige kann stolz sein auf eine einzigartige Karriere: 369 Einsätze als Spieler für Borussia Mönchengladbach (1965-1967 und 1970-1978) und Hannover 96 (1967-1970).

Als Trainer stand "Don Jupp" 630 Mal an der Seitenlinie: Mönchengladbach (1979-1987), FC Bayern (1987-1991), Eintracht Frankfurt (1994/1995), FC Schalke (2003/2004), Gladbach (2006/2007), Bayern (2009), Leverkusen (2009-2011) und seit 2011 wieder beim Rekordmeister.

Gegen Bremen also nun das 1000. Spiel. Wie er Otto Rehhagel als alleinigem Rekordhalter mit 1033 Spielen einholen wolle, wurde Heynckes gefragt.

"Ich habe ja viel mehr Spiele, denn ich war ja noch im Ausland tätig." Seine Jahre bei Teneriffa, Bilbao und Real Madrid bleiben für ihn "unvergessen."

Erinnerungen an die Fohlen-Ära

Beim Blick zurück auf seine Laufbahn kam Heynckes am Freitag aus der Plauderlaune fast gar nicht raus. "Als wir mit Gladbach 1964 aufgestiegen sind, wurde die Fohlen-Elf kreiert. Da habe ich in einer großen Mannschaft gespielt und wir waren in Deutschland in aller Munde."

Das Größte sei für Heynckes die erste Deutsche Meisterschaft 1971 mit den Fohlen gewesen. "Es gab weitere schöne Augenblicke wie das UEFA-Cup-Finale mit Gladbach oder 1984 das DFB-Pokal-Endspiel in Frankfurt gegen die Bayern", berichtete Heynckes.

Apropos Bayern. Die erste Meisterschaft mit den Münchnern war für "Don Jupp" "pure Emotion und Glücksgefühle." Die Bayern waren aber nicht seine Nummer eins.

"Mein Klub war und ist Borussia Mönchengladbach."

Erfolgreiche und schöne Zeit

Insgesamt könne er auf eine erfolgreiche und schöne Zeit zurückblicken, erzählte er. "Ich wollte als Junge Profi werden und auch Nationalspieler, ich habe alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe."

Und Heynckes zog Vergleiche zu früher. "Die Medien haben sich natürlich verändert", fuhr Heynckes mit einem verschmitzten Lächeln fort.

"Damals gab es zwei, drei Journalisten, die im Mannschaftsbus mitgefahren sind und auch abends im Hotel mit dabei waren."

Und weiter: "Damals gab es einen Journalisten, einen Freund von Hennes Weisweiler, wenn der alles geschrieben hätte, was er gewusst hat, dann hätte er den Pulitzer-Preis bekommen."

Natürlich habe sich der Fußball an sich verändert, so Heynckes, "schneller, rasanter, athletischer" sei er geworden und "die Spieler sind professioneller als damals und arbeiten mehr."

Natürlich wollte Heynckes die Aktualität nicht ganz außer Acht lassen.

Respekt vor Werder

Vor den Bremern, dem Gegner am Samstag, hat Heynckes höchsten Respekt: "Es gab Zeiten, da war das ein Schlager. Das ist eine Mannschaft, die im kreativen Spiel sehr stark ist."

Man müsse den Schalter nach dem Arsenal-Spiel umlegen, meinte der Bayern-Coach. Eine hohe Meinung hat er zudem von Bremens Coach Thomas Schaaf.

"Thomas ist einer der Trainer, die in den letzten 10,12 Jahren Bundesliga-Geschichte geschrieben haben."

Schaaf steht in der Spielerangliste übrigens auch weit vorne. Mit 730 Partien als Spieler und Trainer, die er allesamt für Werder bestritt, ist er auf Rang sechs klassiert.

Lob für Schaaf

Schaaf sei ein "sympathischer Kollege, einer der besten Trainer der Liga." Momentan sei Bremen noch im Umbruch, aber mit Schaaf werde Bremen "wieder nach Europa gehen."

Der Werder-Coach gab das Lob zurück: Die Leistung von Heynckes sei außergewöhnlich, sagte Schaaf. Er wünschte Heynckes, "dass noch viele Spiele dazukommen".

Ob Franck Ribery am Samstag schonen werde, weil der Franzose gegen Dortmund im Pokal gesperrt sei, wurde Heynckes gefragt. "Franck ist unfassbar gut und spielt selbstverständlich", sagte Heynckes mit Nachdruck in der Stimme.

Auch Arjen Robben wird in der Startelf stehen. Von Differenzen will Heynckes nichts hören: "Arjen ist ehrgeizig und körperlich gut drauf. Das Verhältnis war ganz normal."

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