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Seit 1999 Cheftrainer bei Werder Bremen: Thomas Schaaf © getty

Nach der bitteren Pleite gegen Augsburg steckt Werder im Abstiegskampf. Trainer Thomas Schaaf will das aber nicht wahrhaben.

Von Jan Reinold

München/Bremen - Von der sonst so gern gerühmten norddeutschen Gelassenheit war bei Thomas Schaaf nicht mehr viel zu spüren, genau genommen: Gar nichts.

Dünnhäutig und gefrustet gab sich der Trainer von Werder Bremen nach dem bitteren 0:1 (0.1) gegen Kellerkind FC Augsburg. Fragen beantwortete er knapp, nur mit Mühe konnte er seinen Ärger unterdrücken.

Nach der dritten Niederlage in Serie taumelt Werder der Abstiegszone entgegen, und Schaaf, der lange Zeit als unantastbar galt, gerät zunehmend unter Druck.

Schaaf: Eine Scheißfrage

Die Frage nach dem Abstieg, ließ Schaaf mit ungewohnter Wortwahl wissen, sei eine "Scheißfrage". Man arbeite in alle Richtungen, um die Leistung der Mannschaft zu verbessern. "Das ist manchmal unbefriedigend und frustierend, aber verzweifelt bin ich deswegen nicht", sagte der 51-Jährige.

Ähnlich, nur etwas gewählter, drückte sich auch Werders neuer Geschäftsführer Thomas Eichin aus: "Abstiegskampf hin oder her, das ist völlig unwichtig."

Das kann man so sehen - oder aber man kommt angesichts von nur noch sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang zu einer anderen Erkenntnis. Und das tat Abwehrchef Sokratis: "Ab sofort befinden wir uns im Abstiegskampf."

Publikum verliert die Geduld

Der Grieche vertritt diese Meinung an der Weser aber offenbar (noch) exklusiv, seine Mitspieler scheinen eher der Einschätzung Schaafs und Eichins zu folgen. Und das, obwohl Schaaf analysierte, die Mannschaft habe gegen Augsburg "die Dinge" nicht zu 100 Prozent, sondern nur "ansatzweise" umgesetzt: "Wir haben nicht entschlossen genug agiert."

So kann man gegen einen aggressiven und selbstbewussten Gegner wie Augsburg (Bericht) nur schwerlich gewinnen.

Schaaf reklamierte zwar einen Elfmeter nach einem vermeintlichen Foul im Strafraum an Nils Petersen in der Nachspielzeit. Pfiffe aber waren in Bremen nur von den Zuschauern zu hören. "Wenn wir verlieren, können wir nicht erwarten, dass wir Applaus kriegen", äußerte sich Schaaf verständnisvoll.

Simmung angespannt

Beim einstigen Dauerteilnehmer an der Champions League ist die Stimmung äußerst angespannt. Die Mannschaft, mit 28 Punkten und sage und schreibe bereits 48 Gegentoren auf Rang 13 abgerutscht, befindet sich im Umbruch.

Und die Zweifel mehren sich, dass Schaaf, der Werder seit fast 14 Jahren trainiert, den Klub wieder aus dem Mittelmaß zurück in die Bundesligaspitze führen kann.

Schaaf lässt Borowka-Kritik kalt

Nach dem deutlichen 1:6 in der Vorwoche in München war es Schaafs ehemaliger Mitspieler Uli Borowka, der sich als Erster aus der Deckung getraut und unverhohlen den Rücktritt seines einstigen Teamkollegen gefordert hatte.

Vor dem Spiel gegen Augsburg war Schaaf noch gelassen geblieben. Man lebe in Deutschland in einer Demokratie, jeder könne sich äußern, ließ er lapidar wissen: "Jeder muss sich darüber bewusst sein, was er sagt. So nehme ich das hin."(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Werder passiv und naiv

Seine Position dürfte er mit der Niederlage gegen Augsburg aber sicher nicht verbessert haben. Es müsse jetzt "Schluss mit reden" sein, forderte Bremens österreichischer Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic, der die Vorstellung gegen Augsburg "passiv" und "naiv" nannte.

Werder war bemüht, hatte bei einem Lattentreffer von Aaron Hunt (68.) und einem Pfostentreffer von Sokratis (87.) auch Pech, sicher. Aber ingesamt war es einfach "zu wenig", wie Eichin anmerkte.

Die Schuld daran aber trage die Mannschaft, nicht der Trainer. Denn, so Eichin weiter: "Einige Spieler haben einen sehr hohen Anspruch. Das müssen sie auf dem Platz einfach mal zeigen. Wir hatten ein Heimspiel, da musst du anders auftreten."

Augsburg glaubt an Klassenerhalt

Wie man es besser macht, zeigten die engagierten Augsburger. Der FCA spielte aggressiv, clever und schlug eiskalt zu. Das zu diesem Zeitpunkt überraschende Tor zum 1:0 von Tobias Werner (29.) zog Bremen früh den Zahn.

Zwölf Punkte aus den vergangenen sieben Spielen holten die nach der dürftigen Hinrunde schon abgeschlagenen bayrischen Schwaben, mit insgesamt 21 Punkten ist nun aber plötzlich sogar der direkte Klassenerhalt wieder möglich.

"Noch an Weihnachten hatte man uns totgesagt. Wenn wir aber die Effektivität der vergangenen Wochen beibehalten, ist Rang 15 noch möglich", sagte FCA-Coach Markus Weinzierl mit einem zufriedenen Lächeln.

FCA sieht sich gewappnet

Welches die Gründe für die nicht mehr für möglich gehaltene Trendwende sind, fasste Torschütze Werner zusammen. In der Hindrunde noch habe "der Feinschliff" gefehlt. In der Rückrunde sei der nun da.

"Wir sind selbstbewusst, wir sind dominant, wir gewinnen die Zweikämpfe. Nur so geht es im Abstiegskampf", erklärte der 27-Jährige das Phänomen.

All das war Bremen nicht. Abzuwarten bleibt nun, ob Schaaf seiner Mannschaft diese Tugenden wieder vermitteln kann.

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