Thomas Berthold glaubt, dass die Plagiatsvorwürfe den BVB-Trainer Sympathien gekostet haben. Er spricht sich für Schaaf aus.

Hallo Fußball-Freunde,

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp ist nach der Niederlage im Pokal mit seinen Plagiatsvorwürfen gegen Jupp Heynckes und die Bayern über das Ziel hinausgeschossen.

Wenn man verloren hat, muss man Respekt vor dem Gegner haben. Größe zeigt man in der Niederlage, nicht wenn man gewinnt.

Das hat Klopp meiner Meinung nach einige Sympathien gekostet, er hat ein Eigentor geschossen.

Um etwas zu kopieren, müsste man erstmal eine Philosophie entwickeln. Welcher deutsche Verein hat denn heutzutage eine Spielphilosophie? In den 70er-Jahren haben die Bayern und Gladbach für einen gewissen Stil gestanden.

Man muss über ein Zeitfenster von zehn oder fünfzehn Jahren sprechen. Wer hatte da in Deutschland einen speziellen Spielstil?

Barcelona hält seit vielen Jahren an einer Philosophie fest, das ist der Unterschied. Die deutschen Klubs sind auf der Suche danach, der Stil ist jedoch stark geprägt von Trainern oder Sportdirektoren.

Wenn die dann gehen, ändert sich die Philosophie wieder komplett.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat nun im Volkswagen Doppelpass angekündigt, in der neuen Saison kräftig in die Mannschaft investieren zu wollen.

Die Borussia hat vor allem im Sturm Bedarf. Selbst wenn Robert Lewandowski bleiben sollte, braucht der BVB mindestens zwei neue Stürmer.

Man kann nicht in drei Wettbewerbe mit Lewandowski und Julian Schieber als Backup gehen. Was wäre gewesen, wenn sich Lewandowski verletzt hätte? Die Borussia braucht vorne Wucht. Man muss auch die Option haben, mal mit zwei Stürmern zu spielen.

Edin Dzeko wurde immer wieder mal genannt, aber wer soll den bezahlen? In Deutschland könnten wohl nur die Bayern Dzekos Gehalt aufbringen.

Die Frage ist, wieviel Geld Dortmund in die Hand nehmen will, wenn Herr Watzke von großen Investitionen spricht. Unter 20 Millionen Euro geht bei einem Topstürmer, der in Europa spielt, nichts.

Hannovers Mame Diouf könnte ein Kandidat sein. Aber ein richtig wuchtiger Stürmer ist er auch nicht. Ich bin gespannt, was da passiert.

Spannend wird es auch am Ende der Tabelle. Durch Augsburgs Sieg in Bremen müssen nun auch Wolfsburg, Werder und Düsseldorf auf der Hut sein.

Wenn der FCA am Freitag gegen Nürnberg gewinnen sollte und einer der Klubs davor verliert, dann wird es richtig eng.

Dass sich Augsburg so berappelt, hätte wohl keiner gedacht. In der Winterpause hat mein früherer Nationalmannschaftskollege Stefan Reuter den Managerposten übernommen.

Stefan hat sicherlich die nötige Ruhe reingebracht. Denn solche Klubs haben nur eine Chance, wenn im Umfeld Ruhe herrscht.

Deshalb wird es spannend zu sehen, ob auch in Wolfsburg, Bremen oder Düsseldorf die Ruhe bewahrt wird.

In Bremen ist ja zuletzt sogar schon Thomas Schaaf in die Kritik geraten. Aber er ist ein guter Trainer. In den letzten Jahren gab es einige unglückliche Transfers. Jetzt wurde die Mannschaft umgebaut und ist noch nicht gefestigt.

Momentan fehlt es in allen Mannschaftsteilen an Qualität. Das dauert vielleicht auch mal ein paar Jahre, in denen man kleinere Brötchen backen muss.

Aber an Schaafs Posten zu rütteln ist nicht richtig.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.