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Matthias Sammer (l.) ist seit Saisonbeginn Sport-Vorstand beim FC Bayern © getty

Den Sport-Vorstand nerven die "Nebengeräusche" beim Rekordmeister. Auch Trainer Jupp Heynckes erntet indirekt Kritik.

Von Jan Reinold

München - Man kann Matthias Sammer sicher nicht vorwerfen, dass er immer nur mit dem Strom schwimmt.

Wenn er das tun würde, hätte er in dieser Saison auch nicht viel zu tun.

Nachdem sich der FC Bayern München am Sonntag der lästigen Pflichtaufgabe 1899 Hoffenheim ziemlich souverän entledigt und beim 1:0-Arbeitssieg (Bericht) weitere Rekordmarken geknackt hatte, sah der Sport-Vorstand des so souveränen Bundesliga-Spitzenreiters deshalb wieder einmal die Zeit gekommen, sich gegen den Trend zu stellen und auf den Tisch zu hauen.

"Das muss uns alle nicht interessieren. Wir sind in einer so exzellenten Situation, dass wir auf Nebengeräusche gar nicht reagieren brauchen", befand Sammer am Sonntagabend in der Sendung "Blickpunkt Sport" des "Bayerischen Rundfunks":

Sammer: "Die sollen reden, wir gewinnen"

Die "Nebengeräusche" waren in dem Fall zum einen die Spekulationen um die Pläne des künftigen Trainers Pep Guardiola.

Vor allem ging es aber um die jüngsten Plagiatsvorwürfe aus Dortmund, die Bayern-Trainer Jupp Heynckes noch am Freitag mit einer herben Replik an die Adresse von BVB-Coach Jürgen Klopp gekontert hatte. (Heynckes kontert Klopp: Keine Größe)

Was da einer "irgendwo schräg nördlich" mache, spiele keine Rolle, empfahl Sammer: "Wir reagieren auf die Dortmunder, dabei müssen wir nichts anderes tun, als in der Spur zu bleiben."

Sammer nannte bei seiner Grundsatzrede keine Adressaten, aber vor allem Heynckes dürfte sich angesprochen fühlen.

Heynckes reagiert auf Klopp

Der 67-Jährige hatte zwar am Sonntag die tags zuvor von Klopp via Radio übermittelte Entschuldigung akzeptiert.

Mit seinen markigen Worten vom Freitag aber hatte er die Debatte erst richtig ins Rollen gebracht.

Dass ausgerechnet er dann nach dem Hoffenheim-Spiel die Medien für die Ausmaße der "China-Affäre" verwantortlich machen wollte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Sammer fordert mehr Disziplin

Sammer dürfte das nicht entgangen sein, die ganze Debatte ging ihm gewaltig gegen den Strich.

"Wir brauchen in der aktuellen Verfassung über gar nichts reden", stellte er klar: "In der Hinrunde hätte jemand erzählen können, was er will. Jetzt reagieren wir zu viel. Das tut uns nicht gut und dementsprechend müssen wir uns als Verein disziplinieren."

Man kann sich nun über Sammer und den Zeitpunkt seiner Kritik wundern, schließlich ziehen die Bayern in der Liga weiter einsam ihre Kreise, ein Schwächeln ist bei weitem nicht zu erkennen.

Durch den Pokalsieg über den BVB hat der Rekordmeister zudem nach Lesart von Präsident Uli Hoeneß die "Vormachtstellung zurück", und auch in der Champions League steht man nach dem 3:1-Sieg beim FC Arsenal vor dem Einzug ins Viertelfinale.

Kahn lobt Sammer: Er wittert Gefahren

"Ein bisschen mehr Demut würde uns gut zu Gesicht stehen", erklärte Sammer nun.

Dass er, die "Nervensäge" und der "Mini-Hoeneß" ("Abendzeitung"), den Mund aufmacht, wo doch alles nahezu reibungslos läuft, entspricht genau seinem Auftrag.

Für Oliver Kahn jedenfalls ist die Amtsführung seines früheren Nationalmannschaftskollegen ein Grund für die Stabilität der Bayern in dieser Saison.

Sammer sei einer, "der mit seiner erfolgsbesessenen Art zusammen mit Jupp Heynckes nie zufrieden ist und Gefahren wittert", sagte Kahn dem "kicker".

Wie reagiert Heynckes?

Abzuwarten bleibt, ob Sammer mit seinen jüngsten Äußerungen nicht eine neue Debatte in Gang gesetzt hat.

Der nächste öffentliche Auftritt von Heynckes, der mit Sammer bereits im Herbst des vergangenen Jahres einen "Kleinkrieg" (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge) ausgetragen hatte, kommt bestimmt.

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