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Logan Bailly (r.) trägt den Namen seiner Tochter Destiny auf dem Unterarm tätowiert © getty

Mönchengladbachs neuer Schlussmann Logan Bailly liefert in Bremen eine Weltklasse-Partie ab. Werder versteht die Welt nicht mehr.

Von Martin van de Flierdt

München/Bremen - Markus Schmidt hätte Werder Bremen einen ruhigen Samstagnachmittag bescheren können.

Tat er aber nicht.

Denn der Schiedsrichter aus Stuttgart übersah in der 40. Minute des Bremer Bundesligaspiels gegen den Tabellenletzten Mönchengladbach ein Handspiel des neuen Borussen-Torhüters Logan Bailly (Porträt) außerhalb des Strafraums.

Der Belgier entging somit der fälligen roten Karte und sorgte in der Folge mit nicht weniger als acht unglaublichen Paraden dafür, dass seine Mannschaft mit einem glücklichen 1:1 (0:0) im Gepäck die Heimreise antreten durfte.

"Er hat weltklasse gehalten"

"Er hat weltklasse gehalten", urteilte Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer ohne jede Übertreibung über den Mann, den Sportdirektor Max Eberl als den "echten Typen" preist, der der Borussia gefehlt habe.

"Er hat Reflexe, die einfach sensationell sind", staunte auch Nationalspieler Marko Marin.

Der 23 Jahre alte Schlussmann selbst, im Winter für 2,3 Millionen Euro bis 2013 vom KRC Genk verpflichtet, gab sich hingegen bescheiden.

"Ich bin nach Gladbach gekommen, um der Borussia (Teamseite) zu helfen, den Klassenerhalt in der Bundesliga zu schaffen. Das ist ganz einfach mein Job", sagte er.

"Bislang haben wir noch nichts erreicht und noch viele schwierige Spiele vor der Brust."

Nur Pizarro überwindet Bailly

Seinen großen Anteil am Mönchengladbacher Punktgewinn ließ sich schon allein an der Spielstatistik ablesen: 62 Ballkontakte hatte Bailly, mehr als jeder seiner Mannschaftskameraden auf dem Feld.

Von den 35 Bremer Torschüssen fand nur ein Kopfball von Claudio Pizarro den Weg ins Netz (77.).

Als Werder (Teamseite) noch den vermeintlichen Durchbruch feierte, drückte Michael Bradley den Ball nach einem Marin-Freistoß mit der Brust zum 1:1 ins Netz (79.).

Es war der erste Abschluss der Niederrheiner in der zweiten Halbzeit, insgesamt kamen nur deren sechs zusammen.

Entscheidende Details fehlen

Entsprechend frustriert waren die Bremer darüber, dass ihnen auch im dritten Spiel des Jahres kein Erfolg vergönnt war.

"Wir waren in der entscheidenden Situation nicht griffig genug", meinte Per Mertesacker in Anspielung auf den Freistoß Marins, der zuvor unberührt durch Werders Strafraum gesegelt war. "Bis auf die Torausbeute ist der Rest einwandfrei gewesen."

Diese beiden Kleinigkeiten ziehen sich allerdings als Grundübel schon durch die gesamte Saison des Tabellenzehnten.

"Das Tor war wie vernagelt", sagte Torsten Frings entnervt. "Dann machen wir endlich eins und bekommen hinten wieder ein blödes Gegentor wie schon das ganze Jahr."

Es sei offenbar so, dass Werder in diesem Jahr nur Mittelmaß darstelle: "Da brauchen wir uns nicht in die Tasche zu lügen."

Das Prinzip Hoffnung

Sein Trainer sah das Resultat bei allen sichtbaren spielerischen Fortschritten nüchtern. "Es geht darum, ob wir das Ergebnis liefern oder nicht", befand Thomas Schaaf. "Wir haben die Chancen gehabt und eben nicht nutzen können. Deshalb brauchen wir uns nicht zu beschweren."

Den Lohn in Form eines Erfolgserlebnisses müsse sich die Mannschaft nun eben im nächsten Spiel holen. Am Mittwoch empfangen die Bremer im UEFA-Cup mit dem AC Mailand allerdings ein anderes Kaliber.

Auch bei der Borussia herrscht nach dem Remis, das sie in der Tabelle nicht wirklich voran bringt, das Prinzip Hoffnung. "Diesen Punkt haben wir im Abstiegskampf gebraucht, zumindest für die Moral", meinte Bailly.

Meyers Wertschöpfung

"Wenn wir jetzt unser nächstes Heimspiel gegen Hannover gewinnen, kann er noch einmal sehr wertvoll sein", orakelte Trainer Meyer.

Bei nun acht Mönchengladbacher Partien in Folge ohne Sieg und der dürftigen Vorstellung in Bremen sind daran zwar durchaus Zweifel angebracht.

Doch mit einem Bailly in dieser Form dürfte zumindest hinten nicht viel anbrennen.

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