vergrößernverkleinern
Fred Rutten (l.) hat bei Schalke weiter das Vertrauen, Andreas Müller nur bedingt © getty

Schalke gleicht einem Pulverfass. Der Coach steht aber noch nicht zur Disposition. Beim Manager bleibt ein Treueschwur dagegen aus.

Von Martin Volkmar und Thorsten Mesch

München/Gelsenkirchen - Nach der Pleite im Derby gegen den VfL Bochum gleicht Schalke 04 einem Pulverfass.

Einmal mehr hatten die Spieler ihre Nerven nicht im Griff.

Rafinha und Jefferson Farfan leisteten sich in der Schlussphase klare Tätlichkeiten, die aber vermutlich nicht geahndet werden.

Die Fans forderten nach der Pleite erneut lautstark den Rauswurf von Andreas Müller und Fred Rutten.

Tönnies lässt viel Platz für Spekulationen

Und die Vereinsführung stellte sich lediglich hinter den Trainer, ließ beim wortlos flüchtenden Müller aber viel Platz für Spekulationen.

Präsident Josef Schnusenberg verweigerte jeglichen Kommentar, von Geschäftsführer Peter Peters gab es ebenfalls keine Rückendeckung für seinen Vorstandskollegen Müller.

"Ich habe dazu eine Meinung, aber ich bin nicht zuständig", verwies Peters stattdessen auf den Aufsichtsrat.

Dessen Vorsitzender Clemens Tönnies meinte: "Ich bin weder mit dem Verlauf der Saison noch mit dem Spiel in Bochum zufrieden. Wir treffen jedoch keine Entscheidungen aus der Hüfte heraus."

Mit etwas Abstand dagegen könnte die Trennung vom stark angeschlagenen Müller bekanntgegeben werden ? allerspätestens nach einer weiteren Niederlage im nächsten Derby am Freitag gegen Borussia Dortmund.

Müller: "Spieler haben den Klub hängen gelassen"

Müller selbdt beendete am Sonntag sein langes Schweigen und übte harte Kritik an der Mannschaft. "Ich sage es ganz deutlich: Die Spieler haben den Klub hängen gelassen", erklärte er. (zum Nachbericht )

"Die Situation ist für Schalke sehr schwierig. Wir können sie nur gemeinsam meistern: Mannschaft, Trainer und Vorstand", meinte Müller weiter.

Zudem stärkte er den umstrittenen Rutten, den die aufgebrachten Anhänger in Bochum mit Bierbechern bewarfen: "Dieser Trainer tut alles für die Mannschaft und arbeitet hart, professionell und intensiv."

Rutten nicht zur Disposition

So sieht es offenbar auch der Rest der Vereinsspitze. "Es wird keine personellen Konsequenzen geben. Der Trainer steht definitiv nicht zur Disposition", sagte Peters.

"Ich habe noch von keinem Vorstandsmitglied zu keinem Zeitpunkt etwas anderes gehört."

Der Geschäftsführer zeigte aber Verständnis für die lautstarken Proteste des angesichts der Talfahrt in dieser Saison verbitterten Anhangs.

"Ich verstehe die Leute, die jetzt ihren Unmut äußern. Die Fans kommen Woche für Woche mit großen Hoffnungen ins Stadion, das geht mir genauso", meinte er.

"Wir müssen sicherlich darüber nachdenken, was wir gesehen haben. Das ist für Schalke 04 eine sehr schwere Stunde."

Ermittlungen gegen Farfan möglich

Noch schwerer könnte es für die Königsblauen werden, wenn sie in den nächsten Wochen auf Farfan verzichten müssen.

Der DFB-Kontrollausschuss überprüft Schritte gegen den Stürmer, der in der 85. Minute Daniel Imhof ins Gesicht gegriffen hatte.

Schiedsrichter Knut Kircher hatte die Aktion nicht gesehen, im Gegensatz zum Ellbogeneinsatz von Rafinha gegen Stanislav Sestak fünf Minuten zuvor.

Der Unparteiische entschied da auf Weiterspielen und gestand das später als Fehler ein: "Es hätte Strafstoß für Bochum und Gelb oder Rot für Rafinha geben müssen."

Keine Sperre gegen Rafinha, aber Geldstrafe von Schalke

Da es sich aber um eine Tatsachenentscheidung Kirchers handelt, droht Rafinha keine nachträgliche Sperre.

Schalke-Manager Müller ist aber mit seiner Geduld am Ende und belegte den Brasilianer mit einer Geldstrafe.

"Ich fordere Aggressivität auf dem Platz, aber auch professionelles Verhalten", erklärte Müller. "Rafinha muss sein Verhalten auf dem Platz jetzt endgültig verändern.?

Unter sportlichen Aspekten gilt das allerdings auch für den Rest der Mannschaft.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel