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Trainer Jürgen Klinsmann leitet seit dem 29. Juni 2008 die Geschicke des FC Bayern © imago

Warum läuft es nicht rund beim Rekordmeister? Die Antwort: Eine entscheidende Sache fehlt. Sport1.de kennt die Brandherde.

Über den FC Bayern berichtetDaniel Rathjen

München - Es herrscht die totale Ernüchterung.

Vor dem Start der Rückrunde hatte der FC Bayern noch den großen Angriff auf die Tabellenspitze angekündigt.

Doch schon im dritten Spiel nach der Winterpause setzte es in Berlin (zum Spielbericht) die zweite Pleite.

Nach der 300. Bundesliga-Niederlage der Klub-Geschichte muss das Starensemble weiter auf die erste Tabellenführung unter Cheftrainer Jürgen Klinsmann warten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Beckenbauer: "Bayern nicht mehr der Titelfavorit"

Und Chefkritiker Franz Beckenbauer zweifelt, ob sich das so schnell ändern wird. "Bayern ist nicht mehr der Titelfavorit. Es gibt überhaupt keinen Favoriten mehr", sagte der FCB-Präsident der "Bild".

"So langt es weder in der Bundesliga noch in der Champions League gegen Sporting Lissabon zu irgendetwas."

Zwar dominierte der Rekordmeister die Partie in Berlin, doch am Ende stand man wie schon in Hamburg mit leeren Händen da. "Wir sind enttäuscht und verärgert, dass es mit der Tabellenführung nicht geklappt hat", meinte Klinsmann.

Uli Hoeneß hat daher ein einfaches Rezept, um die Wende zu schaffen: "Man muss halt im entscheidenden Moment die Tore machen. Aber das kommt schon wieder. Und wenn wir dreimal gewinnen, ist der Spuk vorbei."

Kritik an "Schweini"

Gleichzeitig weiß der Manager aber, dass das nicht so einfach ist. Eins der Hauptdefizite sieht er derzeit auf der rechten Seite und damit auch bei Bastian Schweinsteiger:

"Im Moment ist die Diskrepanz zwischen links und rechts sehr groß. Es kann nicht sein, dass der Gegner uns nach einer 1a- und einer 1b-Seite sortieren", erklärte er.

Superstar Franck Ribery, der erst in der zweiten Halbzeit zum gewohnten Niveau fand, zeigt sich verwundert über die Hartnäckigkeit der Rivalen: "Ich hätte nicht gedacht, dass es mit dem Titelgewinn so schwer wird."

Kritiker formieren sich

Gleichzeitig formieren sich wieder die Klinsmann-Kritiker: "Generell muss so eine Mannschaft wie Bayern so ein Spiel gegen Hertha gewinnen", sagt Ex-Bayern-Profi Thomas Berthold im DSF-Doppelpass.

"Ich erkenne bei Bayern ganz klar keine Handschrift des Trainers. Und am Ende des Tages wird auch ein Jürgen Klinsmann am Ergebnis gemessen", merkt er an.

Der ehemalige Münchner Meistercoach Udo Lattek (zur Kolumne) legt nach: "Ich habe das Gefühl, da gibt es einige Dinge, die auszuräumen sind. Ich bin zwar grundsätzlich ein Gegner der Rotation, aber wenn das Spiel nicht läuft, muss man eben auch mal reagieren."

Wenig Besserung

Die aktuelle Form der Münchner gibt keinen Anlass zu großer Hoffnung auf bessere Zeiten. In 20 Spielen gab es 28 Gegentore, mehr waren es zuletzt 1992! Da wurde Bayern am Ende Zehnter.

Das Entscheidende zudem: Es fehlt der Killerinstinkt, das berühmte Bayern-Sieger-Gen scheint abhanden gekommen zu sein.

Entweder scheitern Miroslav Klose und Co. am eigenen Unvermögen oder am kämpferisch starken Gegner. "Ich denke schon, dass die Mannschaft gemerkt hat, dass hier und da der letzte Funke gefehlt hat", analysierte Klinsmann.

Tatsächlich schwelt es in allen Mannschaftsteilen, Sport1.de deckt die Krisenherde auf:

Brennpunkt Tor:

Die Diskussionen um Michael Rensing ebben einfach nicht ab, weil ihm kleine Unsicherheiten sofort als grobe Patzer ausgelegt werden. Er versäumt es zu zeigen, was er kann.

Vor allem bei Hereingaben hat der Keeper Schwächen. Das wiederum verunsichert die Abwehr.

Brennpunkt Abwehr:

Martin Demichelis erlaubt sich Schnitzer, Lucio meckert, wenn es nicht läuft. Philipp Lahm agiert links sehr gut, würde aber lieber rechts spielen.

Dort dürfen jedoch Massimo Oddo und Christian Lell ran, die beide noch - vorsichtig formuliert - Steigerungspotenzial besitzen. Hamit Altintop ist für Klinsmann offenbar keine Alternative auf der Position.

Im Hintergrund scharrt der unzufriedene Daniel van Buyten mit den Hufen, der mit zunehmender Vehemenz Einsätze fordert.

Brennpunkt Mittelfeld:

Es läuft (zu) viel über Franck Ribery. Der französische Wirbelwind kann den Unterschied ausmachen. Aber wird er wie in Hamburg oder Berlin aus dem Spiel genommen, versanden die Bayern-Angriffe allzu oft (Problemfall Ribery).

Ze Roberto glänzt zwar, Mark van Bommel spielt solide, doch Bastian Schweinsteiger fehlt Durchsetzungskraft. Dennoch sind alle gesetzt.

Toni Kroos trat deshalb schon die Flucht nach Leverkusen an. Tim Borowski und Altintop lauern noch vergeblich auf eine richtige Chance.

Brennpunkt Angriff:

Luca Toni trifft nicht mehr nach Belieben, Miroslav Klose wandelt zwischen Weltklasse und Durchschnitt. Insgesamt wird deutlich: Die Münchner brauchen einfach zu viele Chancen, um ein Tor zu erzielen.

Landon Donovan (ausgeliehen von Los Angeles Galaxy) ist momentan Stürmer Nummer drei, hat aber bislang noch keine Argumente geliefert, warum ihn die Bayern im März für rund acht Millionen Euro verpflichten sollten.

Für Unruhe sorgt derweil weiterhin die Situation von Lukas Podolski, der im Sommer nach Köln zurückkehrt (Podolski: Enttäuscht, nicht überrascht).

Der Nationalstürmer ist nach Informationen von Sport1.de menschlich voll im Team integriert und hundertprozentig fit. Nur Klinsmann ignoriert den Linksfuß.

Die vielen Brandherde bringen Klinsmann ins Grübeln. "Es nervt langsam", sagt er. Kein Wunder...

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