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Ivica Olic (M.) feierte für den Hamburger SV sein Comeback nach einer Rotsperre © imago

In der Woche zuvor noch das Gespött der Liga, findet der HSV abermals die richtige Antwort - und ist wieder voll im Titelrennen.

Von Martin Hoffmann

München - Fußball-Verteidiger sind in der öffentlichen Wahrnehmung ein bisschen wie Busfahrer oder Bahnangestellte: Die meisten Menschen nehmen von ihrer Arbeit kaum Notiz - außer, wenn dabei etwas schiefgeht.

Beim Bundesliga-Debüt von Hamburgs Michael Gravgaard ist exorbitant viel schiefgelaufen. Darum haben sich gegen Bielefeld auch einige Augen mehr auf ihn gerichtet als üblich.

Doch wer aus irgendeinem Grund schadenfroh auf eine weitere Pannenshow des Dänen gewartet hat, der wurde enttäuscht.

Nachdem er in Karlsruhe alle drei Gegentore mitverschuldet hatte, erfüllte Gravgaard beim 2:0-Sieg gegen die Arminia unspektakulär seine Pflicht, so wie auch seine ganze Mannschaft (zum Spielbericht: HSV rückt Hertha auf die Pelle).

Nehmerqualitäten bestätigt

"Das letzte unglückliche Spiel von mir habe ich schnell abgehakt", versicherte er hinterher - womit er sich bestens in eine Mannschaft einfügt, die gegen Bielefeld ihren Ruf als "Hamburger Stehauf-Verein" bestätigt hat.

Zum fünften Mal hatten die Hanseaten in der Woche zuvor verloren. Und zum fünften Mal war die Antwort darauf ein Sieg.

Das sind Nehmerqualitäten, die Hamburg im Titelkampf gut zu Gesicht stehen. In dem ist der HSV jetzt als Dritter mit nur einem Punkt Abstand zu Tabellenführer Hertha wieder voll da.

Eine wohlige Rolle

Und man merkte den in der Vorwoche so verspotteten Hamburgern hinterher an, dass sie sich in der Rolle als Titelaspirant durchaus wohlfühlen.

"Natürlich", antwortete etwa Gravgaard ohne zu Zögern auf die Reporterfrage, ob er mit dem HSV gerne Meister werden würde: "Das kann ich für alle aus Erfahrung sagen."

Und Mittelfeldmann Piotr Trochowski, Schütze des 1:0, ergänzte: "Man kann in diesem Jahr viel erreichen, wenn man eine gute Rückrunde spielt und nicht viele Fehler macht."

Mit etwas Glück

Die hat der HSV gegen die Arminia vermieden - wenn ihm auch ein wenig das Glück zu Hilfe kam.

Das Glück etwa, dass sich Bielefelds Keeper Dennis Eilhoff bei Trochowskis Freistoßtor verschätzte. Und auch das Glück, dass Artur Wichniarek die Chance, per Elfmeter auszugleichen, mit einem laschen Flachschuss leichtfertig vergab.

Stattdessen folgte kurz darauf das 2:0 durch Paolo Guerrero, dem die bis dahin tapfer kämpfende Arminia nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Nur leise Kritik von Jol

Und so hatte HSV-Coach Martin Jol hinterher auch nur leise Kritik an seinen Männern zu üben: "Wenn wir etwas zielstrebiger gespielt hätten, hätten wir heute nicht zittern müssen."

Er hätte auch "bei diesem Spielverlauf mehr Tore von meinem Team" erwartet.

Im Nachhinein muss er sich wohl aber eher über etwas anderes ärgern: Nämlich dass sein Team sich in der Woche zuvor um die Chance gebracht hat, jetzt an der Tabellenspitze zu stehen.

Arminia vor "Abstiegskampf pur"

Prinzipiell war auch Jols Bielefelder Kollege Michael Frontzeck mit der Leistung seines Teams zufrieden.

"Ein ordentliches Auswärtsspiel" machte er aus, allerdings war ihm klar, dass in Hamburg nur dann etwas drin gewesen wäre, "wenn bei uns alles hundertprozentig passt".

So allerdings ist Bielefelds kleine Serie von zuletzt vier Spielen ohne Niederlage in Folge gerissen - und nach dem Sieg von Bochum und den Punktgewinnen von Cottbus und Karlsruhe hat die Arminia nun nur noch einen Punkt Vorsprung auf die Klubs auf den Abstiegsrängen.

Das steigert die Brisanz des nächsten Spiels gegen Bochum: Dort ist dann, wie Frontzeck weiß, "Abstiegskampf pur" angesagt.

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