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Christian Streich (r., mit Kruse) ist seit Dezember 2011 Trainer in Freiburg © imago

Trainer Streich kriisiert die Spielerberater. Der Geschäftsführer des Beraterverbandes lässt dies bei SPORT1 nicht gelten.

Von Christian Stüwe

München - Christian Streich ist ein Fußballromantiker.

Der Freiburger Trainer liebt Offensivfußball, Teamgeist und die Ruhe im Breisgau.

Auf Spielerberater könnte Streich in seiner Fußballwelt aber offenbar gut verzichten.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Unsere Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt. In den großen Zeitungen stehen die Ausstiegsklauseln mit Beträgen", hatte der 47-Jährige am vergangenen Samstag nach der Niederlage in Dortmund bei LIGA total! beklagt: Jetzt kommen diese üblen Mechanismen, die dann da sind, von Händlern und Zwischenhändlern."

Bei den Spielerberatern stoßen diese Aussagen auf Widerstand.

"Auf dem Viehmarkt wie auf dem Fußballmarkt braucht man Leute, die kaufen und verkaufen", sagte Dr. Gregor Reiter, Geschäftsführer der "Deutsche Fußballspieler-Vermittler Vereinigung" (DFVV) im Gespräch mit SPORT1.

"Das ist ein Markt, den die Vereine mitgeprägt haben", erklärte Reiter: "Von daher sollten sie sich jetzt nicht beschweren."

Freiburg droht der Ausverkauf

Den Freiburgern droht der Verlust einiger Leistungsträger. Jan Rosenthal wechselt im kommenden Sommer ablösefrei zu Eintracht Frankfurt.

Max Kruse und Daniel Caligiuri sollen angeblich bei der halben Liga auf dem Wunschzettel stehen, beide sollen für zwei bis drei Millionen Euro zu haben sein.

Dass der Marktwert der Spieler in den Medien zu lesen war, ärgert Streich besonders. Seine Spieler liefen mit Preisschildern durch die Gegend, schimpfte der Coach.

"Das ist der Job der Berater"

Kruses Berater Jürgen Milewski weist die Kritik von sich. "Ich fühle mich nicht angesprochen", sagte der frühere Bundesliga-Profi zu SPORT1.

"Dass Berater Spieler anbieten, ist deren Job", erklärt DFVV-Geschäftsführer Reiter: "Die Vereine kommen ja auch auf die Berater zu, wenn sie Spieler verpflichten oder abgeben möchten."

Der Fluch der guten Tat?

Für den Chef der Spielerberater-Vereinigung leidet der SCF vielmehr unter dem Fluch der guten Tat.

"Die Freiburger spielen eine super Saison. Dort wird seit Jahren ein super Job gemacht. Dieser Erfolg wird auch außerhalb des Breisgaus wahrgenommen", sagte Reiter: "Spieler qualifizieren sich für höhere Aufgaben. Das ist vielleicht das Schicksal des SC Freiburg."

Doch Streich sieht die Früchte seiner Arbeit offenbar gefährdet. Zuletzt verloren die Freiburger gegen Wolfsburg und Dortmund und kassierten dabei jeweils fünf Tore.

"Wahnsinnige Unruhe" ärgert Streich

"Eine wahnsinnige Unruhe", hatte Streich bei seinem Klub ausgemacht und diese auch als Erklärung für die beiden jüngsten Pleiten herangezogen.

In Freiburg, wo es eigentlich wenig Ablenkung gibt, würde durch die Spekulationen die Konzentration auf das Wesentliche nachhaltig gestört.

Freiburg rückt in den Fokus

"Es sind viele Dinge nachteilig in Freiburg. Aber es hatte bisher den Vorteil, dass wir am Rande von Deutschland leben und auch fußballerisch nicht so richtig wahrgenommen wurden. Inzwischen sind auch wir durchleuchtet", sagte Streich

Durch die Erfolge der jungen Truppe rutscht Freiburg mehr und mehr ins Rampenlicht, die Gesetze des Fußballmarktes greifen auch im beschaulichen Breisgau.

Auch dem Fußballromantiker Streich wird nichts anderes übrig bleiben, als dies wohl oder übel zu akzeptieren.