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Javier Martinez ist mit 40 Millionen Euro der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte © getty

Der FCB-Star ist bei der WM-Quali nicht dabei und trainiert mit der Reserve. Trotz starker Leistungen braucht ihn Spanien nicht.

Von Hardy Heuer

München - Eigentlich gehört es zur Selbstverständlichkeit, dass ein Superstar des FC Bayern München bei WM-Qualifikationsspielen zur Nationalmannschaft fährt.

Für einen ist dies aber momentan nicht der Fall - und das auch noch ausgerechnet für den teuersten Neuzugang der Bundesliga-Geschichte.

40 Millionen Euro haben die Bayern im Sommer für Javier Martinez ausgegeben.

Im Verein wird er bereits voll anerkannt, wird mit Lob von Trainer und Spielern überhäuft. Auch die Kritiker verlieren nur gute Worte über den 24 Jahre alten Mittelfeldspieler.

Del Bosque verzichtet auf Martinez

Für die spanische Auswahl scheint es aber dennoch nicht zu reichen. Trainer Vicente del Bosque verzichtete auf eine Nominierung Martinez' für die Partien gegen Finnland und Frankreich.

"Javier Martinez spielt zwar bei Bayern, aber ich sehe, dass er absolut nicht in Topform ist", begründete del Bosque seine Maßnahme.

Eine Meinung, die der etwas grummelige 62-Jährige so ziemlich exklusiv hat.

"Bin del Bosque nicht böse"

Der Vernachlässigte selbst nimmt die Kritik gelassen. "Ich bin Vicente del Bosque überhaupt nicht böse", betonte Martinez in der Münchner "tz".

"Ich weiß, dass er das geäußert hat, um mich zu motivieren. Ihm habe ich wirklich alles zu verdanken, mit gerade mal 20 Jahren hat er mich ja zu einer WM mitgenommen."

Ein wenig Wehmut schwingt trotzem mit, wenn der Bayern-Star klarstellt: "Die Nationalmannschaft ist sehr, sehr wichtig für mich."

Heynckes spendet Trost

Völlig spurlos ging die Kritik dann doch nicht an Martinez vorbei. Aufbauende Worte holte er sich bei Bayern Trainer Jupp Heynckes: "Ich habe mit ihm darüber gesprochen und er hat mir geraten, einfach so weiterzumachen wie bisher. Er meinte, dass ich gute Leistungen zeige."

Der Lehrmeister selbst hat nur Lob für das Auftreten seines Schützlings übrig.

"Man muss nur hinsehen, wie er spielt", schwärmte Heynckes unlängst von seinem Juwel.

In der Tat ist der Spanier in einer sehr guten Verfassung, räumt im zentralen Mittelfeld rigoros ab und entlastet als Sechser die Defensive.

Auch deshalb hat der deutsche Rekordmeister bisher nur elf Gegentore zugelassen.

Training mit der zweiten Mannschaft

Momentan kann Martinez im Training allerdings nur glänzen, schließlich sind seine Konkurrenten zum Großteil Spieler aus der zweiten Mannschaft.

"Ich bin da, um den anderen zu helfen", betonte er vor kurzem im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Momentan sind das anstatt der Stars wie Bastian Schweinsteiger und Franck Ribery Talente wie Kevin Friesenbichler oder Emre Can.

Martinez' Marktwert ist fast zehnmal so hoch wie der des gesamten Reserve-Teams.

Die Bayern-Prominenz ist ausgeflogen.

Große Konkurrenz

Wie auch die Spanier, die anscheinend auf einen Martinez nicht angewiesen sind. Und das, obwohl er für Bayerns Berater Paul Breitner "der Beste nach Xavi und Iniesta" ist.

Doch genau darin liegt das Problem. Die beiden Edeltechniker vom FC Barcelona sind eine Institution im Kader von del Bosque. Auch wenn Martinez mit einer Passquote von 94 Prozent auf den Spuren der beiden Superstars weilt, kommt er an ihnen nicht annähernd vorbei.

Zudem hat del Bosque mit Sergio Busquets (FC Barcelona) und Xabi Alonso (Real Madrid) zwei weitere Weltklasse-Spieler in seinen Reihen für die umkämpfte Sechser-Position.

Starke 61,3 Prozent gewonnene Zweikämpfe reichen bei solch überragenden Kotrahenten nicht aus - wie die überragende Quote von 75 Prozent bei Duellen in der Luft.

Del Bosque macht Hoffnung

Da ist dann eben auch für einen 40-Millionen-Mann vom FC Bayern kein Platz.

"Wenn ich sehe, dass er seinen Rhythmus erreicht, wird er für uns sehr wichtig sein", machte ihm del Bosque allerdings Hoffnung auf eine Nominierung in naher Zukunft.

Bis dahin muss sich Bayerns Mittelfeld-Stabilisator mit der undankbaren Rolle des Perspektivspielers zufrieden geben und seine Runden an der Säbener Straße mehr oder weniger einsam drehen.

Martinez ist sozusagen allein zu Haus.

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