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Arjen Robben (l.) steht bei Bayern München noch bis Juni 2015 unter Vertrag © getty

Will Bayern wie Barca spielen, müssten die beiden Top-Stars gehen. Hoeneß erhält von Beckenbauer Nachhilfeunterricht.

Von Jan Reinold und Andreas Kloo

München - Wenn es nach Uli Hoeneß geht, interessiert die Meinung von Franz Beckenbauer an der Säbener Straße niemand.

"Absolut null" sei der Einfluss des Ehrenpräsidenten des FC Bayern München, ließ Hoeneß zuletzt via "kicker" wissen.

Einen Franz Beckenbauer hält das trotzdem nicht davon ab, den Bayern und dem künftigen Trainer Pep Guardiola Ratschläge zu erteilen.

Robben und Ribery verkaufen?

Wenn Guardiola, der mit Barcelona 14 Titel in vier Jahren eingefahren hatte, mit dem deutschen Rekordmeister so spielen wolle, wie er das bei den Katalanen getan hatte, dann müsse man sich von der Flügelzange Arjen Robben und Franck Ribery trennen.

"Das Spiel des FC Bayern ist auf die Flügel ausgerichtet", begründete Beckenbauer am Mittwoch bei einem PR-Termin: "Wenn du einen Robben und einen Ribery hast, dann musst du ihnen erlauben, über außen zu dribbeln. Wenn du einem von beiden den Ball wegnimmst und sagst: 'Spiel direkt!', dann ist er nichts mehr wert. Dann musst du ihn verkaufen."

Robben sei "einer der besten Außenspieler der Welt", lobte Beckenbauer. Aber wenn man ihn und auch Ribery nicht mehr dribbeln lasse, sondern in ein Kurzpass-System wie in Barcelona zwänge, seien beide Ausnahmekönner nichts mehr wert.

"Dann sind es normale Spieler", urteilte der "Kaiser".

"Tor steht in der Mitte"

Beckenbauer empfahl Erfolgstrainer Guardiola daher, dass Spielsystem nach den Spielern zu "schneidern, die man hat, nicht umgekehrt."

Und die Kurzpass-Kultur der Katalanen sei eben nicht auf die Bayern übertragbar.

"So wie beim FC Barcelona kann er nicht spielen, weil der FC Bayern die Spieler nicht hat. Wer soll einen Messi spielen? Den gibt es nur einmal auf der Welt. Wer soll einen Xavi oder einen Iniesta spielen? Die gibt es beim FC Bayern nicht. Also müssen sie anders spielen", sagte Beckenbauer: "Man kann den FC Barcelona nicht kopieren."

Trotzdem aber erwartet Beckenbauer, dass die Bayern unter dem Wunschtrainer der Klubbosse wieder mehr durch das Zentrum spielen. "Denn das Tor", ließ Beckenbauer wissen, "steht immer noch in der Mitte."

Beckenbauer kritisiert FIFA-Kritiker Hoeneß

Abzuwarten bleibt, ob und wie Bayern-Präsident Hoeneß auf Beckenbauers Ratschläge reagiert.

Beckenbauer ließ es sich am Mittwoch nicht nehmen, Hoeneß nach dessen wiederholter Kritik an FIFA-Präsident Joseph S. Blatter eine Nachhilfestunde in Sachen FIFA zu geben.

Es gebe keinen besseren Präsidenten als Blatter, meinte Beckenbauer, der einst selbst Mitglied der Exekutive des Weltverbandes war.

"Uli Hoeneß kennt die Strukturen wenig. Die Vorwürfe, die man Sepp Blatter oder der FIFA manchmal macht, die sind nicht gerechtfertigt. Mir ist das zu viel Populismus", sagte der Weltmeister-Trainer von 1990 im Interview mit "Sky Sport News".

FIFA "etwas in Schieflage"

Hoeneß gehört seit längerer Zeit zu den schärfsten Kritikern von Blatter.

Der 77-jährige Schweizer, seit 1998 FIFA-Präsident, kämpft seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen.

Beckenbauer räumte ein, dass der Weltverband "etwas in Schieflage" sei, fand dafür aber eine einfache Erklärung.

"Wenn aus so vielen Ländern Menschen zusammenkommen, ist es schwer, unsaubere Machenschaften zu verhindern", sagte er.

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