Der Trainer erklärt die Gründe seines Verbleibs und räumt ein, dass sein Verbleib bei der Eintracht auf der Kippe stand.

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Von Frank Hellmann

Frankfurt - Die erste Ansage erfolgte mit einem verschmitzten Grinsen.

"Ich komme mir vor, als ob ich gerade neu angefangen hätte", rief Armin Veh aus, als der 52-jährige im Kellergeschoss der Frankfurter Arena auf die außerordentlich voll besetzten Holzstuhlreihen blickte.

Tatsächlich herrschte in den neonbeleuchteten Räumlichkeiten ein Auftrieb, der ein bisschen an die Vorstellung von Christoph Daum vor fast genau zwei Jahren erinnerte.

Doch aktuell war nicht der neue Notretter der Frankfurter Eintracht vorzustellen, sondern nur der nächste Teil der Vertragsverlängerung mit dem alten Cheftrainer zu erledigen.

Ein Drittel Wahrheit

Nach der schriftlichen Verkündung am Montag erfolgten am Dienstag die offiziellen Begründungen Verantwortlichen. Offenherzig gestand Veh, dass sein nunmehr bis 2014 besiegelter Verbleib mehr als auf der Kippe stand.

"Es ist ein Drittel Wahrheit drin, dass ich vor zwei Wochen schon abgesagt hatte. Aber jetzt ist der Verein der sportlichen Leitung entgegengekommen."

Die Tendenz sei gewesen, die Hessen zu verlassen, und das habe er auch Vorstandschef Heribert Bruchhagen mitgeteilt, als dieser ihm ein Investitionsvolumen von drei Millionen Euro für neue Spieler vorgestellt hatte. Vehs verärgerte Replik:

"Mit drei Millionen für Neuzugänge kriege ich das nicht gebacken."

Anfrage aus Schalke

Hinzu kam offensichtlich die Anfrage, nächste Spielzeit Trainer des FC Schalke 04 zu werden.

"Das ist aber nicht mehr mein Thema", erklärte Veh nun, der dem Vernehmen nach in Gelsenkirchen mindestens doppelt so viel wie in Frankfurt hätte verdienen können, wo ihm künftig ein Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro zugeschrieben wird.

"Ich habe gar nicht in den Vertrag reingeschaut", schob grinsend Veh ein, der die Detailverhandlungen dem Sportanwalt Christoph Schickhardt übertragen hatte.

Ausführlich erläuterte der zu heiteren Sprüchen und Scherzen aufgelegte Fußballlehrer, warum er sich vom dritten Jahr in der Main-Metropole hat überzeugen lassen.

Gefühl siegt über Verstand

Natürlich sei die Entscheidung vom Herzen gekommen ("Die Mannschaft ist ein bisschen mein Baby"), dennoch habe nicht Gefühl über Verstand gesiegt. Sondern schlussendlich das Geld.

"Jetzt dürfen wir deutlich mehr ausgeben als gedacht", gestand Veh ein. "Mir ist wichtig, dass wir die Mannschaft verstärken."

Er habe ein paar Tage überlegt, so der in der Bankenstadt ungemein beliebte Trainer, der das Wochenende in seiner alten Augsburger Heimat verbrachte, "und dann war das auch erledigt."

Sieben, acht, vielleicht sogar neun Millionen sollen allein in den Kader für Neuzugänge fließen, zudem die Personalkosten auf rund 31 Millionen Euro steigen.

Risikoreiche Politik

Zum einen ermöglichen das bessere Fernsehverträge und ein neuer Hauptsponsor (Fiat zahlt geschätzt 20 Millionen in drei Jahren), zum anderen segnet Bruchhagen eine risikoreiche Politik ab.

"Wir haben Fantasie und noch mehr Fantasie entwickelt. Wir mobilisieren alles, was zu mobilisieren ist", erklärte der Vorstandschef Bruchhagen und schob mit erhobener Stimme nach: "Wer von Visionen spricht, muss bereit sein, in Wahrheit Schulden zu machen."

Rosenthal erst der Anfang

Vereinfacht ausgedrückt: Um Veh mit einer sportlichen Perspektive zu halten, wandelt der Verein wirtschaftlich künftig auf einem schmalen Grat.

Die Verpflichtung des ablösefreien Freiburgers Jan Rosenthal dürfte erst der Anfang einer sommerlichen Transferoffensive ein, die zuvorderst Bruno Hübner in Schwung bringt.

Der mit Veh gut vertraute und bestens vernetzte Sportdirektor buhlt dem Vernehmen nach auch um die Breisgau entwickelten Johannes Flum und Daniel Caligiuri, um den Hoffenheimer Stürmer Kevin Volland und den Leverkusener Flügelmann Karim Bellarabi.

Hübner sieht sich als Verlierer

"Ich bin der einzige Verlierer", scherzte Hübner, "hole ich die Spieler nicht, habe ich Ärger mit dem Trainer; gebe ich zu viel Geld aus, bekomme ich Ärger mit dem Vorstand."

Und: "Die Spieler werden nicht nur von Eintracht Frankfurt umworben, sondern wir haben eine andere Kategorie der Mitbewerber."

Aber immerhin noch denselben Trainer.

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