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"Unter den ersten dreien landet der HSV sicherlich" - meint Legende Uwe Seeler © imago

Auch die Hamburger Legende sieht die Meisterschaft greifbar - und trauert bei Sport1.de Rafael van der Vaart keineswegs hinterher.

Von Christian Paschwitz

München - Beim Hamburger SV wächst langsam aber sicher der Traum vom Titel.

"Wir können Meister werden, gerade wenn die Bayern schwächeln", meinte Piotr Trochowski nach dem 2:0 über Arminia Bielefeld (Hamburger Stehauf-Verein).

In der Tat wirkt die Ausgangslage für die erste Meisterschaft seit 1983 so günstig wie nie.

Auch HSV-Legende Uwe Seeler traut das seinem Team mehr denn je zu.

"Die Mannschaft hat diese Qualität"

"Absolut, die Mannschaft hat diese Qualität", sagt er im Gespräch mit Sport1.de.

Der 72-Jährige sieht vor allem Keeper Frank Rost (Porträt) als Garant für den Höhenflug, während er Sommer-Abgang Rafael van der Vaart (Porträt) keineswegs nachtrauert.

Jol hofft auf Rückkehr des Landsmanns

Und dass, obwohl HSV-Coach Martin Jol kürzlich Spekulationen über eine Rückkehr des Niederländers aufkommen ließ, als er erklärte:

"Wenn Rafael die Entscheidung für sich trifft, Real Madrid wieder zu verlassen und nach Deutschland zurückzukommen, dann kann es für ihn nur einen Verein geben ? und das ist der HSV. Wir sind auf jeden Fall ganz dicht an ihm dran." (Van der Vaart zurück zum HSV?)

Für Jol könne sein Landsmann dann auf einer Stufe mit Kevin Keegan und Uwe Seeler stehen. (zur Vereinsseite)

Sport1.de fragte beim Ex-Präsidenten und DFB-Ehrenspielführer nach.

Sport1.de: Herr Seeler, wie groß ist die Sehnsucht bei Ihnen nach der Meisterschaft des HSV?

Uwe Seeler: Auch in mir herrscht im Moment natürlich ein ganz besonderes Gefühl. Die Situation freut mich wirklich sehr. Auch, weil wir neben der Meisterschaft auch noch im Pokal mitmischen. Die Chancen sind groß, dass der HSV auch da mal wieder ins Endspiel kommt, da drücke ich die Daumen. Aber meine These lautet, auch zur Meisterschaft: Erst im letzten Saisondrittel entscheidet sich, was Sache ist. Unter den ersten dreien wird der HSV aber sicherlich landen, davon bin ich überzeugt.

Sport1.de: Wenn das Team nicht einbricht...

Seeler: ...was ich nicht glaube. Das Potenzial ist so gut, dass man bis zum Schluss oben mitmischen kann. Trotzdem sollte man nur von Spiel zu Spiel denken. Ich glaube nämlich, dass die Bayern noch zulegen können.

Sport1de: Die Qualität für den Titel hat der HSV aber Ihrer Meinung nach?

Seeler: Absolut, ja. Diese Qualität hat die Mannschaft.

Sport1.de: Und dass die Mannschaft nach 20 Spieltagen erstmals wieder so gut dasteht wie in der Saison 1986/87...

Seeler: ?das ist schön und lässt natürlich Wünsche offen.

Sport1.de: Es ist in dieser Saison also so leicht wie fast nie, Meister zu werden?

Seeler: Es gibt bis jetzt keine allein dominierende Mannschaft. Das Neue ist, dass Bayern schwächelt und dass auch alle anderen Spitzenteams schlagbar sind. Gerade bei Bremen und Schalke hat man doch mehr erwartet. Aber zum Schluss braucht man eben noch ein Quäntchen Glück.

Sport1.de: Was macht den HSV denn so stark?

Seeler: Wir stehen in der Defensive gut, das ist nicht zuletzt auch das Verdienst von Torwart Frank Rost, der den Laden gut dicht macht. Die letzten Jahre haben wir kurz vor Schluss immer mal so ein Murmelding hinten reingekriegt, und die Spiele sind dann Unentschieden oder mit einer Niederlage ausgegangen. Und vorne haben wir endlich mal Leute, die auch aus einer halben Chance ein Tor machen. Auch das hatten wir vorher nicht so.

Sport1.de: Dazu kommt eine eindrucksvolle Heimbilanz.

Seeler: Die ist wirklich eindrucksvoll. Wenn wir jetzt nicht mehr so Punkte weggeben wie gegen Karlsruhe, dann wird's noch besser. Wenn man da 2:0 führt, muss man auch als Sieger vom Platz gehen.

Sport1.de: Hatten Sie diese Entwicklung eigentlich erwartet, zumal ja auch Rafael van der Vaart den HSV verlassen hatte?

Seeler: Man hat nach den ersten drei, vier Spielen schon gesehen, dass die Mannschaft davon gar nicht betroffen war. Im Gegenteil: Sie war noch erfolgreicher und besser.

Sport1.de: Trainer Martin Jol hat nun sinngemäß gesagt: Wenn van der Vaart bei Real Madrid keine Perspektive mehr sieht, dann muss der HSV doch seine erste Anlaufstelle sein für einen neuen Verein.

Seeler: Das sind für mich Luftschlösser. Wir fanden es alle schade, dass er den HSV verlassen hat. Aber er hatte es damals ja auch so gewollt.

Sport1.de: Würden Sie denn sagen: Wenn van der Vaart noch da wäre, dann würde es noch besser laufen beim HSV?

Seeler: Nein, das würde ich nicht sagen, und das wäre auch ungerecht.

Sport1.de: Demnach braucht der HSV van der Vaart also gar nicht?

Seeler: Die Mannschaft spielt erfolgreicher, sie spielt gut, und das ohne van der Vaart.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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