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Matthias Sammer gewann 2002 als Trainer mit Borussia Dortmund die Meisterschaft © imago

Im Fall des vorzeitigen Titelgewinns werde es keine große Party geben, erklärt der Sportvorstand vor dem Spiel gegen den HSV.

Von Thorsten Mesch

München - Am Wochenende könnte der FC Bayern am Samstag als frühester Meister in die Geschichte der Bundesliga eingehen.

Wenn Borussia Dortmund am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) beim VfB Stuttgart nicht gewinnt und die Münchner anschließend (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) den Hamburger SV schlagen, wären die Bayern zum 23. Mal Deutscher Meister.

Mit diesem Szenario will sich FCB-Sportvorstand Matthias Sammer aber noch gar nicht beschäftigen.

"Wenn wir gegen den HSV spielen, kennen wir das Ergebnis. Aber es spielt in der Vorbereitung keine Rolle", sagt Sammer der "Bild".

"Dürfen nicht sentimental sein"

Den Titel schon nach 27. Spieltagen zu gewinnen, das hat es bisher noch nicht gegeben. Doch das lässt Sammer relativ kalt.

"Natürlich wäre es ein unglaublicher Moment, den wir uns allerdings nur sehr kurz gönnen dürfen. Es wäre ein schönes Gefühl, aber das darf nicht dazu führen, sentimental zu sein", fordert der 45-Jährige, der selbst als Spieler (Stuttgart und Dortmund) und Trainer (Dortmund) Meister wurde.

Eine große Meisterfeier würde also erst einmal ausbleiben, schließlich steht bereits am Dienstag das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Juventus Turin auf dem Programm.

Feierverbot auch von Rummenigge

Die Mannschaft sei "sehr klar, sehr fokussiert" und werde diese Ansage, die es zuletzt auch von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gab, akzeptieren, sagte der 45-Jährige.

Rummenigge wiederholte im aktuellen Bayern-Magazin sein Feier-Verbot: "Es wird nicht einmal ein Essen geben. Denn ab dem Schlusspfiff gilt unsere Konzentration nur noch dem schweren und hochinteressanten Spiel gegen Turin."

Es werde schwer, schrieb er weiter, Juventus sei "wieder mit Abstand Italiens beste Mannschaft". Doch Bayern habe "eine gute Chance".

Duell mit Juventus vor Augen

Auch Sammer warnt vor dem italienischen Meister: "Die Mannschaft ist kompakt, schlau und wird geführt von erfahrenen Leuten."

Von den Juve-Profis hat er eine sehr hohe Meinung.

"Sie sind in der Regel schön anzuschauende Spieler, schwarze Haare, treue Augen, die dich anschauen - und sie sind Schlitzohren", sagt Sammer, ergänzt jedoch auch: "Aber sind nicht besser als wir. Wir sind besser, aber wir müssen ein paar Punkte beachten, um sie zu schlagen."

"Dann gehen wir nach Hause - nichts weiter"

Zunächst jedoch gelte es, die Aufgabe am Samstag zu lösen. "Unsere Aufgabe ist, gegen den HSV zu gewinnen", weiß Sammer.

Unabhängig vom Ausgang der Meisterschaft beginne direkt nach der Partie die Vorbereitung auf den Dienstag. Die Mannschaft werde anschließend gemeinsam im Stadion essen, denn man müsse sofort mit der Regeneration beginnen.

"Dann gehen wir nach Hause - nichts weiter."

Sportvorstand hebt den Zeigefinger

Nichts zu feiern für die Bayern also, und wenn doch einer auf die Idee kommen sollte, den Titel kräftig zu begießen, gibt es aufs Dach. "Davor hätte ich keinen Respekt", sagt Sammer.

Der Sportvorstand hat offenbar Sorge, dass sich die Spieler um den Lohn ihrer eigenen Arbeit bringen könnten.

"Wir haben seit vorigem Sommer grandios gearbeitet um dort zu sein, wo wir jetzt sind." Man dürfe "jetzt bitte nicht anfangen, Denkfehler zu machen."

Sammer hebt den Zeigefinger - wieder einmal.

"Zwei bis drei Prozent haben gefehlt"

Die Leistungen der Mannschaft seien zuletzt zu unbeständig gewesen, auch wenn die Ergebnisse, abgesehen vom 0:2 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Arsenal gut gewesen seien.

Seit dem 1:0-Sieg DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Dortmund "haben zwei bis drei Prozent gefehlt von dem Spiel, das uns bis dahin ausgezeichnet hatte", erklärt Sammer und nimmt die erfahrenen Bayern-Profis um Kapitän Philipp Lahm und seinen Vize Bastian Schweinsteiger in die Pflicht, dies zu ändern.

Führungsspieler in der Pflicht

"Die Führungsspieler müssen das Heft wieder sehr deutlich in die Hand nehmen", fordert Sammer: "Wir brauchen spätestens ab heute eine absolute Kompromisslosigkeit." Es sei eine Frage der Reife, in so einer Situation richtig zu agieren.

Zwischen den Zeilen wird deutlich: Ein Titel allein wäre für den FC Bayern in dieser Saison nicht genug, das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League ist das Ziel.

Kein Wort über Guardiola und Kaderplanung

Was danach kommt, darüber will Sammer noch keine Worte verlieren. Auch nicht über ein Treffen mit Pep Guardiola, der in der kommenden Saison die Nachfolge von Trainer Jupp Heynckes antritt.

Die "Bild" berichtet, Sammer und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hätten sich in Barcelona mit Guardiola getroffen. Bei dem Treffen soll auch über die Planung des neuen Kaders gesprochen worden sein. Der FC Bayern gab dazu keine Stellungnahme ab.

"Bis zum letzten Spieltag dieser Saison werden Sie von mir nichts über unseren neuen Trainer hören, und auch nichts über Spieler, die angeblich gehen oder kommen sollen", sagt Sammer: "Es geht um das Hier und Jetzt!"

Und das heißt: Sieg am Samstag gegen den HSV. Ob der schon zum ersten Titel reicht, hängt allerdings vom BVB ab.

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