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Jerome Boateng wechselte 2011 von Manchester City zum FC Bayern © getty

Vor den Spielen gegen Hamburg und Turin gibt sich Boateng bei SPORT1 selbstbewusst. Er will zudem bei der WM den Titel holen.

Von Thorsten Mesch

München - Von 2007 bis 2010 trug Jerome Boateng das Trikot des Hamburger SV.

Obwohl der Abwehrspieler mit dem FC Bayern gegen seinen EX-Klub (Sa., ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) frühzeitig Meister werden könnte, ist die Partie für ihn nicht besonders.

Der 24-Jährige begreift das Spiel eher als eine Art Vorbereitung auf die beiden Duelle gegen Juventus Turin im Champions-League-Viertelfinale.

"Es wäre wichtig und gut für uns, dass wir vor dem Hinspiel gegen Juventus Turin ein gutes Spiel machen und ein gutes Ergebnis holen", sagte Boateng zu SPORT1.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Interview spricht der Nationalspieler über das Spiel gegen den HSV, das Aufeinandertreffen mit Juve, den Rat seines Bruders und die Situation in der Nationalmannschaft.

SPORT1: Herr Boateng, Sie waren drei Jahre beim HSV. Ist es eine besondere Motivation, gegen Ihren Ex-Klub mit dem FC Bayern zum ersten Mal in Ihrer Karriere Deutscher Meister werden zu können?

Jerome Boateng: Das Spiel an sich ist kein besonderes für mich. Wir müssen erst einmal abwarten, was die Dortmunder in Stuttgart machen und konzentrieren uns auf uns. Es wäre wichtig und gut für uns, dass wir vor dem Hinspiel gegen Juventus Turin ein gutes Spiel machen und ein gutes Ergebnis holen.

SPORT1: Juventus gilt als sehr unangenehmer Gegner. Wie bewerten Sie die Chancen in der Champions League?

Boateng: Wenn man Juventus in dieser Saison beobachtet hat, konnte man sehen, dass sie sehr souverän weitergekommen sind. Sie haben ein starkes Team, da stimmt es einfach in der Mannschaft. Sie sind taktisch sehr gut aufgestellt und es werden zwei schwere Spiele. Aber wenn wir das zeigen, was wir können und an unsere Grenzen gehen, dann kann es nur einen Sieger geben.

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SPORT1: Holen Sie sich noch Tipps von Ihrem Bruder Kevin-Prince, der Juve aus der Serie A ganz genau kennt?

Boateng: Mal sehen, das kommt in den nächsten Tagen sicherlich noch.

SPORT1: Sie sind in dieser Saison bei Bayern in den meisten Spielen zum Einsatz gekommen, in der Nationalmannschaft waren Sie aber zuletzt nicht erste Wahl und standen in der Kritik. Hatten Sie deshalb vielleicht gegen Kasachstan eine zusätzliche Motivation?

Boateng: Extra-Motivation brauche ich nicht. Man muss auch berücksichtigen, dass ich im Verein eine Zeit gesperrt war (nach der Roten Karte im Champions-League gegen Borissow am 5. Dezember, Anm. d. R.). Was von außen hineingetragen wird, ist mir relativ egal. Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen.

SPORT1: In der Nationalmannschaft wurden Sie zuletzt häufig als Außenverteidiger eingesetzt. Wie war es, gegen Kasachstan auf Ihrer Lieblingsposition im Zentrum zu spielen?

Boateng: Gut, ich habe mich wohl gefühlt, es hat mir Spaß gemacht. Ich denke, das hat man auch im Spiel gesehen.

SPORT1: Wie schätzen Sie Ihre Situation im DFB-Team ein?

Boateng: Keine Ahnung, da müssen Sie den Trainer fragen. Ich denke, ich habe meine Sache gegen Kasachstan gut gemacht. Der Trainer hat mir gesagt, dass ich gut trainiert habe und ich habe gezeigt, dass ich gut spielen kann.

SPORT1: Auch wenn Kasachstan vielleicht nicht der Maßstab ist, welche Bedeutung hat der Sieg für Sie persönlich?

Boateng: Er war wichtig für die Mannschaft, nicht für mich. Ich weiß, was ich kann. In der ersten Halbzeit haben wir schnell nach vorne gespielt und schöne Tore gemacht. Was wir uns ankreiden müssen, ist die Chancenverwertung und dass wir einen Gang zurückgeschaltet haben. Wir waren unkonzentriert und haben wichtige Zweikämpfe verloren. Das darf uns so nicht passieren. Wenn du zurückschaltest, darfst du trotzdem dem Gegner nicht solche Torchancen ermöglichen.

SPORT1: Waren Sie überrascht über Oliver Bierhoffs Aussage vor dem Spiel, es sei ja "eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit", in Brasilien Weltmeister zu werden, und das große Echo darauf?

Boateng: Ich verstehe schon, was Oliver Bierhoff meint, aber wir als Spieler, und er sicherlich auch, wir haben alle das Ziel, natürlich den Titel zu holen. Aber man muss immer ein bisschen aufpassen. Zuletzt vor der EM und jetzt vor der WM werden die Erwartungen immer sehr hochgeschraubt. Es ist nicht so, dass wir das einzige starke Team sind, da gibt es auch noch andere. Wie man bei der EM gesehen hat, entscheidet manchmal auch die Tagesform.

SPORT1: Waren Bierhoffs Worte als ein Wegnehmen von Druck oder eher als Motivation gemeint?

Boateng: Ich glaube beides. Um den Zuschauern und Außenstehenden zu zeigen, dass wir zwar eine super Entwicklung genommen haben, aber dass man nicht überpacen soll. Für uns ist es natürlich eine Motivation.