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Christian Streich ist seit Dezember 2011 Trainer der Freiburger Bundesligamannschaft © getty

Die starke Saison des SC Freiburg bleibt in der Bundesliga nicht unbemerkt. Rosenthal geht, Kruse und andere könnten folgen.

Freiburg/München - Als er den Trainerpreis des deutschen Fußballs erhielt, stand Christian Streich lächelnd auf der Bühne - doch die Sorgenfalten beim Coach des SC Freiburg sind zuletzt tiefer geworden.

Jan Rosenthal hat mit seinem ablösefreien Wechsel zum Liga-Rivalen Eintracht Frankfurt den Anfang gemacht, Max Kruse dürfte seinem Beispiel in Kürze folgen und sich Borussia Mönchengladbach anschließen.

Statt Euphorie droht den Breisgauern nun vor dem Spiel gegen eben jene Gladbacher (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) mitten in der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte der Ausverkauf.

"Der Kreislauf im Fußball"

"Der FC Bayern holt Spieler von Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach von uns und wir vom FC St. Pauli. So ist nun einmal der Kreislauf im Fußball. Dennoch werden wir nächste Saison eine schlagkräftige Truppe haben, auch wenn man als SC Freiburg nicht das Glück hat, jedes Jahr einen Papiss Cisse zu verpflichten", sagte SC-Sportdirektor Dirk Dufner bei "Sky".

Im Fall Kruse sollen den Freiburgern aufgrund einer Ausstiegsklausel zudem die Hände gebunden sein.

Weitere Abgänge drohen

Die Profis des SC sind ligaweit heiß begehrt. Mit Daniel Caligiuri soll ein weiterer Leistungsträger eine Klausel in seinem Vertrag haben. Der Mittelfeldrenner, der bei mehreren Bundesliga-Klubs auf der Wunschliste stehen soll, will sich offenbar in zwei Wochen zu seiner Zukunft äußern.

Im Gespräch mit SPORT1 hält er sich bedeckt: "Ich freue mich, dass es Anfragen gibt, aber ich freue mich auch, dass ich für den SC Freiburg spielen darf. Alles andere wird sich zeigen", sagte Caligiuri.

Doch er ist nicht der einzige begehrte Freiburger. Eintracht Frankfurt soll nach der Rosenthal-Verpflichtung auch Interesse an Johannes Flum haben.

Jungprofis wie Oliver Sorg oder Matthias Ginter dürften mit ihren Leistungen zudem ebenso das Interesse anderer Klubs geweckt haben wie U-21-Nationaltorwart Oliver Baumann.

Finanzieller Gewinn winkt

In Freiburg versucht man, die Situation trotzdem relativ gelassen zu nehmen.

"Ohne die Ausstiegsklauseln wären Kruse und Caligiuri nicht da", sagte Dufner. "Beide haben uns wirklich geholfen. Und wenn sie gehen sollten, bekämen wir immer noch relativ viel Geld."

Kruse war zu Saisonbeginn für 500.000 Euro vom Zweitligisten FC St. Pauli in den Breisgau gewechselt. Sollte die Ausstiegsklausel tatsächlich bei den kolpotierten 2,5 Millionen Euro liegen, hätten die Freiburger zumindest einen satten Gewinn eingefahren.

Streich will Ersatz

Nicht ganz so locker nimmt hingegen Trainer Streich die Entwicklung. Die Ursache für zuletzt zwei Niederlagen mit zehn Gegentore sieht Streich auch in der Unruhe im Umfeld.

Nach dem Spiel in Dortmund beklagte sich der 47-Jährige erregt über einen "Viehmarkt", auf dem man die Ausstiegsklauseln seiner Profis jede Woche in den Zeitungen lesen könne, und schimpfte über "Händler und Zwischenhändler".

Sollten sich die drohenden Abgänge bewahrheiten, will er auf jeden Fall Ersatz haben. "Wenn der Fall eintreten würde, dass Spieler gehen, dann muss man schauen. Und es muss passen, du musst ein oder zwei Spieler bekommen, die relativ schnell Bundesliga spielen können - am besten gleich", sagte Streich im Gespräch mit SPORT1.

Kapitän Schuster besorgt

Auch die Spieler beschäftigen sich mit den eher negativen Begleiterscheinungen des Erfolgs.

"Natürlich sprechen auch wir Spieler über dieses Thema. Ich glaube aber nicht, dass die Wechselgeschichten im Kopf bewusst eine Rolle spielen", sagte Kapitän Julian Schuster der "Badischen Zeitung".

Doch auch der 27-Jährige teilt die Sorgen seines Trainer: "Wir haben hier in Freiburg etwas Tolles aufgebaut. Auch ich fände es ärgerlich, wenn das auseinanderbrechen würde."

Klub-Geschichte macht Hoffnung

Doch im "Ausbildungs-Verein" Freiburg hat man mittlerweile Routine darin, Spieler abzugeben und kostengünstig zu ersetzen. In der Vergangenheit hat der Klub mit solchen Transfers nicht nur schlechte Erfahrungen gemacht.

Im vergangenen Jahr gaben die Breisgauer in der Winterpause als Tabellenletzter Top-Torjäger Papiss Demba Cisse an Newcastle United ab und hielten am Ende mit den nachgerückten Jugendspielern doch noch die Klasse.