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Bastian Schweinsteiger hat bislang 98 Länderspiele bestritten © getty

Selbst wenn Bayern an Ostern Meister wird, gibt es keine Party. Schweinsteiger findet das nicht schlimm, er will noch mehr.

Vom FC Bayern berichtet Thorsten Mesch

München - Bastian Schweinsteiger wirkte entspannt und ausgeruht, als er am Donnerstagmittag den Presseraum an der Säbener Straße betrat.

"Es fühlt sich gut an", sagte der Mittelfeldspieler des FC Bayern auf die Frage, wie es denn sei, schon am 27. Spieltag vorzeitig Deutscher Meister werden zu können.

Sollte Borussia Dortmund beim VfB Stuttgart (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) nicht gewinnen und die Münchner anschließend den Hamburger SV (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) schlagen, wäre die 23. Meisterschaft perfekt.

Schale erst nach Augsburg-Spiel

Die Meisterschale wird allerdings erst am vorletzten Spieltag nach der Partie gegen Augsburg überreicht, und auch mit der Meister-Party wird es am Samstag nichts.

"Es wird keine Feier geben, schließlich spielen wir schon am Dienstag gegen Juventus Turin", sagte Schweinsteiger mit Blick auf das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den italienischen Meister (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Das Spiel sei am Dienstag "viel zu wichtig", als dass es am Samstag eine große Sause geben könne.

Schweinsteiger rechnet mit BVB-Sieg

Ohnehin sei es schwierig, über eine mögliche Feier überhaupt nachzudenken, wenn man dabei vom Ergebnis der Konkurrenz abhängig sei. "Wir haben es nicht selbst in der Hand?, betonte Schweinsteiger: "Ich rechne mit einem Sieg des BVB in Stuttgart."

Sollte es dennoch mit dem ersten von drei angepeilten Titeln klappen, wird es am Samstag wohl eine der trockensten Meisterfeiern in der 50-jährigen Geschichte der Bundesliga geben.

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Kein Schluck aus Weißbier-Glas

Floss in der Vergangenheit das Weißbier aus Drei-Liter-Gläsern auch in die Kehlen der Bayern-Profis, wird es dieses Mal wohl bei der obligatorischen Bierdusche bleiben.

Ob er sich wenigstens ein kleines Weißbier genehmigen werde, wollte jemand in der Presserunde wissen. "Vielleicht kann man ja etwas Alkoholfreies machen", meinte der Vize-Kapitän schmunzelnd.

In Enthaltsamkeit üben

Die Bayern-Bosse hatten bereits angekündigt, dass sich die Spieler für den Fall des Titelgewinns in Enthaltsamkeit üben müssten. Nicht einmal ein Essen werde es geben, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Er würde sich zwar "freuen, wenn die Schale erstmals im Osternest liegen würde", schrieb Rummenigge in seinem Vorwort im aktuellen "Bayern-Magazin", aber das seien "ungelegte Eier mit einigen Unbekannten."

Bis zur echten Meister-Sause nach dem Augsburg-Spiel gelte: "Vorfreude ist die schönste Freude."

Motto von Rosenmüller

Feier-Motto für die Bayern-Fans sei, "frei nach Marcus H. Rosenmüller: Wer früher Meister wird, hält länger durch."

Ein langer Atem wäre für die Bayern-Spieler von Vorteil, schließlich tanzen sie noch auf drei Hochzeiten. Das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League wird mit jedem Sieg greifbarer.

"Wir wollen nach mehr greifen", sagt Schweinsteiger, "wir wollen in der Bundesliga alle Spiele gewinnen, und von der Qualität her sollten wir es auch."

Blick fürs große Ganze

Münchener "Mia san mia" in seiner reinsten Form, aber mit dem Blick für das große Ganze: ?Wir haben eine überragende Ausgangslage, aber wir dürfen nicht denken, dass wir schon etwas erreicht hätten?, sagte Schweinsteiger - und klang dabei genau wie Matthias Sammer.

"Wir haben seit vorigem Sommer grandios gearbeitet um dort zu sein, wo wir jetzt sind und dürfen jetzt bitte nicht anfangen, Denkfehler zu machen", hatte der Sportvorstand in der "Bild" gemahnt und den Bayern-Spielern ein Feier-Verbot für den Samstag erteilt.

Sammer tritt auf Party-Bremse

"Natürlich wäre es ein unglaublicher Moment, den wir uns allerdings nur sehr kurz gönnen dürfen", trat Sammer auf die Party-Bremse.

Er hätte "keinen Respekt" vor Spielern, die diese Ansage missachteten, betonte er. Gut so, meinte Schweinsteiger: "Das ist normal, das muss auch so sein."

Dabei weiß Sammer, der als Spieler und Trainer Meister wurde, genau, wie sich der Titel-Triumph anfühlt.

Shaqiri trifft Fink wieder

Auch Xherdan Shaqiri kennt dieses Gefühl, der Schweizer gewann mit dem FC Basel die Meisterschaft - ebenfalls vorzeitig. "Die Liga ist eine andere, aber mental ist es ähnlich", meinte Shaqiri, der am Samstag seinen Ex-Trainer Thorsten Fink wiedertrifft.

"Der HSV ist eine unbequeme Mannschaft und ein bisschen wie eine Wundertüte", beschrieb Shaqiri Finks Team.

Schweizer Gelassenheit

Dass er nicht feiern darf, nimmt er mit der typischen Schweizer Gelassenheit. "Wenn die Bosse das sagen, wird es so sein", sagte der Mittelfeldmann.

Nicht nur die Bosse, sondern auch Trainer Jupp Heynckes nahm die Spieler ins Gebet. Heynckes habe "auf eine besondere Art und Weise mit der Mannschaft gesprochen", sagte Schweinsteiger.

Dortmund-Spiel als Vorbild

Was Heynckes genau gesagt hatte, verriet er zwar nicht, gab aber die Marschrichtung für die kommenden Wochen vor: "Wir müssen Fahrt aufnehmen und versuchen, Spiele wie in London oder gegen Dortmund abzuliefern", forderte Schweinsteiger.

Wenn dies am Samstag und am Dienstag in Turin gelingt, darf in München am Ende vielleicht sogar dreimal kräftig gefeiert werden.