SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold erklärt das HSV-Debakel in München mit Kollektivversagen und nennt die Hamburger Defizite.

Hallo Fußball-Freunde,

Wenn man so verliert wieder HSV in München , dann muss man - Rene Adler mal ausgenommen - von kollektivem Versagen sprechen.

Da hat gar nichts gestimmt. Fußballspielen hat auch mit Taktik und Zweikampfverhalten zu tun. Bei einem Spiel gegen ein Team wie Bayern München kann man den Gegenspieler nicht im Strafraum schön brav begleiten.

Da darf man sich am Ende nicht wundern, wenn einen eine Mannschaft mit so hoher individueller Qualität abschießt.

Ein solches Spiel mit neun Gegentoren muss man jetzt erst einmal aus dem Kopf kriegen.

Trainer Thorsten Fink ist aber zurecht darauf bedacht, nicht zum Rundumschlag auszuholen. Der HSV hat 38 Punkte und ist im Rennen ums internationale Geschäft trotz des Debakels in München nach wie vor voll dabei.

Die generellen Defizite des HSV sind dennoch nicht zu übersehen. In der Zentrale der Viererkette haben die Hamburger Probleme, schon vor dem Bayern-Spiel kassierten sie relativ viele Gegentore.

Dazu kommt, dass im Mittelfeld außer Rafael van der Vaart niemand Impulse setzt. Die starken Stürmer Son und Rudnevs werden so zu selten bedient.

Und wenn man ehrlich ist: auch bei van der Vaart langt es auf dem absoluten Top-Niveau gegen eine Weltklasse-Mannschaft wie Bayern München nicht mehr. Auch deshalb ist er nach Hamburg zurückgekehrt, weil er wusste: in England hat er keine Chance mehr.

Ein so großer Klub wie der HSV in dieser tollen Stadt muss aber andere Ambitionen hegen. Das Thema Internationales Geschäft muss jährlich auf der Agenda stehen. Finanziell können die Hamburger jedoch momentan keine großen Sprünge machen. Die Bilanz 2012 fiel mit einem Minus von sechs Millionen erneut negativ aus.

Bei Heung-Min Son stellt sich deshalb die Gretchenfrage: Verkaufen oder nicht? Für diesen hochtalentierten Stürmer könnte man bei einem Transfer nach England richtig viel Geld bekommen. Damit hätte man dann auch wieder neuen Spielraum, um die Mannschaft in der Breite zu verstärken.

Nicht gefallen haben mir die Aussagen von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach dem Spiel in Stuttgart.

Wenn Klopp verliert, ist er ja immer schlecht drauf. Jetzt hat er am Wochenende eigentlich gewonnen, umso weniger kann ich sein Gejammere über die harte Gangart der Stuttgarter nachvollziehen.

Dass es in einem solchen Spiel auch mal zu Zweikämpfen über der Grenze kommt, ist doch normal. Der VfB hat zu Hause nichts zu verschenken, sollen die sich tatenlos ergeben?

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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