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Thorsten Fink spielte in der Bundesliga für den KSC und Bayern München © getty

Das historische Debakel bei den Bayern legt das Fehlen an Führungsspielern schonungslos offen. Der Trainer wird noch gestärkt.

Von Tobias Wiltschek

München - Die Ansage von Präsident Carl Jarchow nach dem 2:9 in München klang wie vor einer bevorstehenden Trainerentlassung: "Es ist ein großer Imageschaden entstanden, der auch nach zwei, drei guten Spielen nicht vergessen sein wird. Und wir werden unsere Schlüsse ziehen aus dem blamablen Ergebnis von München."

Doch diese Drohung ging nicht in Richtung Thorsten Finks, gemeint waren vielmehr die Spieler des HSV.

Denn dem Coach stärkte Jarchow demonstrativ den Rücken:"Der Trainer musss nicht gehen. Wir haben einstimmig entschieden, mit ihm weiterzumachen", berichtete der Klubboss am Sonntag Abend.

Ze Roberto vermisst Persönlichkeiten

Wichtige Schlüsse hatte Ze Roberto schon vor der Pleite in München gezogen.

"Es gibt viele Talente im Team, aber zu wenige Persönlichkeiten", kritisierte der Brasilianer im "Hamburger Abendblatt".

Der 38-Jährige spielte einst beim Hamburger SV und dem FC Bayern. 2011 zog es ihn aus der Bundesliga wieder zurück in die Heimat.

Matthäus pflichtet bei

Beim HSV kennt er sich aber immer noch gut aus. Denn genau der Mangel an Führungspersönlichkeiten wird als Grund für die historische 2:9-Niederlage (Bericht) beim Rekordmeister ausgemacht 695459(DIASHOW: Die großen Schützenfeste).

"Man hat keine Spieler gesehen, die versucht haben, die Katastrophe zu verhindern", erkannte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus bei "Sky".

Als sich spätestens mit dem 3:0 durch Claudio Pizarro nach einer halben Stunde eine derbe Klatsche anbahnte, war weit und breit kein Anführer bei den Rothosen in Sicht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Van der Vaart apathisch

Weder der bemitleidenswerte Torwart Rene Adler noch Kapitän Heiko Westermann waren in der Lage, das Team aufzurichten und mitzureißen. Von Rafael van der Vaart ganz zu schweigen.

Statt selbst die Initiative zu ergreifen, wirkte der 30 Jahre alte Mittelfeldstar aus den Niederlanden regelrecht apathisch und ließ das Debakel wehrlos über sich ergehen.

[kaltura id="0_a0qhg7ne" class="full_size" title="Hamburgs Volkszorn kocht"]

Große Worte, keine Taten

"Bei van der Vaart langt es auf dem absoluten Top-Niveau gegen eine Weltklasse-Mannschaft wie Bayern München nicht mehr", streicht SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold das Leistungsdefizit des alternden Regisseurs heraus (KOLUMNE: Bei van der Vaart langt's nicht mehr).

Dabei hatte der Vize-Weltmeister von 2010 vor dem Spiel in der Münchner Arena noch vollmundig grandiose Taten angekündigt. "Bayern kommt gerade recht", sagte er in der "Bild"-Zeitung. "Ich bin gut drauf, habe mich in Holland für sie warmgeschossen. Jetzt soll meine Tor-Serie in München weitergehen."

So laut er vor dem Spiel tönte, so still war es um ihn nach der deftigen Klatsche in der bayerischen Landeshauptstadt.

Grillfest für die Fans

Nach der Partie war von van der Vaart nichts zu hören. Westermann entschuldigte sich wenigstens öffentlich für die grauenhafte Vorstellung, und Adler lud die Fans im Namen des Vereins für den 20. April zu einer riesigen Grillparty ein.

"Wir hätten natürlich auch als Entschuldigung einen Betrag an die Fans zahlen können, doch davon bin ich kein Freund, das ist mir zu anonym", erklärte der Nationaltorwart.

Harte Aufbauarbeit

Auf Fink warten nun harte Wochen der Aufbauarbeit, die schon im kommenden Heimspiel gegen den SC Freiburg erstmals auf dem Prüfstand steht. Gegen die Breisgauer hat der HSV nicht nur die Möglichkeit der Wiedergutmachung, sondern könnte kurioserweise sogar wieder auf einen Europacup-Platz kletterrn.

"Ich glaube, dass wir da eine völlig andere Mannschaft sehen werden. Wir müssen jetzt alle anpacken und zeigen, dass das eine einmalige Sache war", sagte Fink.

Die Herren Westermann und van der Vaart dürften sich von dieser Ankündigung ganz besonders angesprochen fühlen.

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