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Tim Wiese stand sechs Mal im Tor der deutschen Nationalmannschaft © imago

Der Keeper darf wieder mit der Mannschaft trainieren, die Rückholaktion soll vor allem die Nerven der Beteiligten beruhigen.

Von Reinhard Franke

München - Ein Blick auf die Tabelle genügt, um zu erkennen, dass sich die Erstligazeit von 1899 Hoffenheim wohl dem Ende entgegen neigt.

Der abstiegsbedrohte Klub rangiert weiter auf dem vorletzten Tabellenplatz und kann von Glück sagen, dass der FC Augsburg als Sechzehnter am Wochenende sein Spiel zu Hause gegen Hannover 0:2 verlor, sonst wäre die Lage bei 1899 noch trostloser. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt nun weiter vier Punkte und zumindest die zarte Hoffnung auf eine Rettung lebt so weiter in den Köpfen der Spieler. (695147DIASHOW: Der 27. Spieltag)

Rückkehr ins Mannschaftstraining

Wie ernst die Lage in Hoffenheim ist, zeigt auch die Begnadigung von Tim Wiese.

Der Keeper ist nach drei Wochen Verbannung zurück und darf seit Ostermontag wieder am Mannschaftstraining teilnehmen.

Für die letzten sieben Spiele will man bei 1899 nun sämtliche Nebengeräusche ausschalten, der Ärger um Wiese war in den letzten Wochen zum Dauerthema geworden.

Am Samstag bei der 0:3-Klatsche auf Schalke (Bericht) wurde nochmal deutlich, wie groß dieser Störfaktor war.

"Ohne Wiese habt ihr keine Chance", verhöhnten die Fans der "Königsblauen" die Kurz-Truppe.

Friedenspfeife geraucht

Vor Beginn der Rückrunde war er "zum eigenen Schutz" aus dem Team genommen worden, Anfang März dann "aus disziplinarischen Gründen" auch aus dem Kader.

Zuletzt hatten auch einige Spieler offen die Rückkehr Wieses gefordert.

Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller rauchten deshalb nun die Friedenspfeife mit dem Keeper.

Die Rückkehr in den Kreis der Kollegen sei jetzt "das Ergebnis eines Dialogs zwischen dem Torhüter und der sportlichen Leitung des Vereins", teilten die Kraichgauer mit.

Wiese wollte noch nicht

Zudem verriet der Verein, Wiese sei die Rückkehr ins Teamtraining bereits vor einer Woche angeboten worden, er habe jedoch die individuellen Einheiten, "die mir sehr gut getan haben"', bis zum Ende durchziehen wollen.

Dieses Statement rückt zwar den Umgang des Klubs mit Wiese in ein positives Licht, stellt den Schlussmann aber gleichzeitig als Ego-Shooter dar, der lieber alleine trainiert.

Zumindest erklärte der 31-Jährige selbst, er habe "die Maßnahme des Vereins akzeptiert, die Situation angenommen und mich mit dem Einzeltraining arrangiert. Nun möchte ich meinen Beitrag leisten und das Team im Kampf um den Klassenerhalt so gut ich es kann unterstützen."

Zukunft in Hoffenheim fraglich

Ob er die Mannschaft allerdings auch auf dem Feld unterstützen kann, ist mehr als fraglich.

Zwischen den Pfosten wird wohl weiterhin Heurelho Gomes stehen, Wiese hat in Hoffenheim wohl keine Zukunft mehr.

Der gebürtige Bergisch Gladbacher hat für den Fall des Abstiegs des Tabellen-17. angeblich eine Ausstiegsklausel.

Nach SPORT1-Informationen soll er im Sommer den Verein verlassen.

"Wie es nach der Saison weitergeht, können wir nicht sagen, aber das ist zurzeit auch kein vorrangiges Thema", erklärt Müller: "Wir werden das zur gegebenen Zeit, intern und in aller Ruhe miteinander besprechen."

Lebenswichtiges Duell mit Düsseldorf

"Die Mannschaft hat den Jungen mit offenen Armen empfangen", berichtete Trainer Marco Kurz nach dem Training. Viel zu tun hatte Wiese in seiner ersten Übungseinheit mit seinen Kollegen aber noch nicht, da noch nicht auf richtige Tore geschossen wurde.

Tore werden am Freitag gegen den Tabellen-15. aus Düsseldorf aber zwingend notwendig sein. Gegen die Fortuna zählt nur ein Sieg, wie Kurz betont.

"Wir haben jetzt die Möglichkeit, drei Punkte daheim zu holen, die für uns lebenswichtig sein werden, um noch mal richtig Tuchfühlung zu kriegen", sagte Kurz und fügte an: "Wenn wir uns die erste Liga verdienen wollen, müssen wir in diesem Spiel besser sein und gewinnen."

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