vergrößernverkleinern
Andreas Müller (l.) und Marco Kurz gewannen 1997 den UEFA-Cup © getty

1899 zieht im Abstiegskampf die Reißleine. Der Manager und der Trainer müssen gehen. Gisdol übernimmt den Trainerjob.

München - 1899 Hoffenheim hat im Abstiegskampf die Notbremse gezogen und wagt sieben Spieltage vor dem Saisonende den kompletten Neuanfang.

Der Bundesligist entließ am Dienstag sowohl Trainer Marco Kurz als auch Manager Andreas Müller.

"Marco Kurz, sein Co-Trainer Günter Gorenzel und ich sind beurlaubt, das ist richtig", bestätigte Müller SPORT1.

"Ich hatte heute morgen das Gespräch mit Präsident Peter Hofmann und den Geschäftsführern Frank Briel und Alexander Waldi."

Und Müller fügte schockiert an: "Ich möchte weiter dazu nichts sagen, bin gerade am Packen."

Kurz wollte sich auf SPORT1-Nachfrage überhaupt nicht zu seiner Entlassung äußern und betonte: "Es gibt nichts zu kommentieren."

Rosen soll auf Müller folgen

Sein Nachfolger wird Markus Gisdol, bis Dezember Assistent von Huub Stevens bei Schalke 04 (Bericht). Müllers Nachfolge soll zumindest vorübergehend der bisherige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Alexander Rosen, übernehmen.

Den beiden Schalker "Euro-Fightern" Kurz und Müller wurde damit ausgerechnet eine Niederlage bei ihrem Ex-Klub zum Verhängnis. Ihre Bilanz war auch schon vor dem 0:3 auf Schalke erschreckend gewesen.

Hoffenheim im Dauertief

Müller, der am 18. September den vakanten Managerposten übernahm, um den damaligen Trainer Markus Babbel zu entlasten, bekam die Probleme nicht in den Griff.

Unter dem im Winter gekommenen Kurz rutschte Hoffenheim vom Relegationsplatz auf den direkten Abstiegsrang ab. Statt wie im Januar drei Punkte Vorsprung auf Rang 17 hat die TSG nun vier Zähler Rückstand auf Platz 16.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kritik im Fall Wiese

Vor allem in der Personalie Tim Wiese gab Hoffenheim ein schwaches Bild ab. Der ehemalige Nationaltorhüter war im Winter aus dem Team genommen worden, weil er angeblich geschützt werden sollte.

Anfang März wurde er aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader genommen, erst am Montag durfte er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Gisdol ist bei 1899 kein Unbekannter. Er war von Hoffenheims Ex-Trainer Ralf Rangnick als Coach der 2. Mannschaft verpflichtet worden und betreute diese von 2009 bis März 2011.

Gisdol musste mit Stevens gehen

Dann folgte er Rangnick nach Schalke, wo er auch unter Stevens Co-Trainer blieb. Bei dessen Entlassung galt Gisdol kurzzeitig auch als Kandidat auf den Posten des Chefcoachs, musste aber im Zuge der Amtsvergabe an Jens Keller gleich mitgehen.

Der 43-Jährige, angeblich vom früheren Hockey-Nationaltrainer und heutigen Direktor Sport und Nachwuchsförderung Bernhard Peters gefördert, war schon im Winter einer von drei TSG-Kandidaten in der Endauswahl.

Pleitenserie in Lautern

Damals entschieden sich die Kraichgauer aber für Kurz, obwohl dieser bei seiner letzten Station beim 1. FC Kaiserslautern vor seiner Entlassung zehn Spiele nacheinander ohne Sieg geblieben war.

Müller boxte seinen alten Spezi durch - eine Entscheidung, die ihn nun selbst zu Fall brachte.

Gisdol wird nach Klub-Angaben auch "mit dem beschlossenen Neuaufbau über die laufende Saison hinaus betraut" und demnach auch einen für die Zweite Liga gültigen Vertrag erhalten.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel