Der Rauswurf von Coach Kurz und Manager Müller in Hoffenheim ist nur das nächste Kapitel einer von Beginn an verkorksten Saison.

Eine graue Maus wollten sie nie werden bei 1899 Hoffenheim.

Die Gefahr bestand ja durchaus in den Jahren seit der sensationellen Herbstmeisterschaft 2008. Platz elf schien fest gebucht für die Kraichgauer, die doch so gerne aufgestiegen wären in die Elite der deutschen (Traditions-) Klubs.

Stattdessen: gepflegte Langeweile.

Zumindest das Problem haben sie in in dieser Saison nicht mehr. Als Tabellenvorletzter hat das Projekt von SAP-Gründer Dietmar Hopp vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, vom direkten Klassenerhalt wagt längst niemand mehr zu träumen.

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Mit der Doppel-Entlassung von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller sorgt der ehemalige Emporkömmling nun für die nächste Negativschlagzeile.

Kurz ist bereits der dritte Trainer, der in dieser verkorksten Saison gehen muss. Mit den Vorgängern Frank Kramer (aktueller Status: Trainer beim Tabellenletzten Greuther Fürth) und Markus Babbel (Status: Internetloser Innenstadtbewohner) bekäme er eine ordentliche Skat-Runde zusammen.

Ob es sinnvoll ist, dem ohnehin wackligen Team-Gebilde schon wieder einen neuen Übungsleiter vorzusetzen, müssen die Hoffenheimer mit sich selbst ausmachen. Die Zahlen sprechen aber auch nicht für den früheren FCK-Coach Kurz: In zehn Spielen unter seiner Regie holte die Mannschaft magere zwei Siege und zwei Unentschieden.

Auch ihm gelang es nicht, die rätselhaften Zusammenbrüche des Teams nach Gegentoren abzustellen. Die verworrene Beziehung zum streitbaren Torhüter Tim Wiese hat in der Außendarstellung auch nicht den Eindruck erweckt, als hätte die sportliche Führung alles im Griff.

Angesichts der Transferpolitik stand das sowieso schon länger infrage. 19 (!) Spieler holte die TSG seit Juli 2012. Zunächst unter Trainer-Manager Babbel. Müller, seit September im Amt, war mit sechs Wintertransfers - unter ihnen die kuriose Verpflichtung des Torhüters Heurelho Gomes - aber auch nicht gerade sparsam.

Babbel hatte noch am Sonntag in der "Bild am Sonntag" angemerkt, Müller hätte früher kommen müssen. Jetzt ist er zumindest früher gegangen, werden Spötter sagen.

Die sportliche Leitung liegt nun bei Markus Gisdol. Der langjährige Assistent von Ralf Rangnick kennt sich aus mit der speziellen Gemengelage in Hoffenheim. In der offiziellen Mitteilung zu seiner Amtsübernahme war aber die wahre Bombe versteckt, an diesem wieder mal aufregenden Tag in der Provinz.

Gisdol übernehme "die TSG mit sofortiger Wirkung und wurde von der Vereinsführung mit dem beschlossenen Neuaufbau über die laufende Saison hinaus betraut", schreibt der Klub.

Im Abstiegskampf klingt das sieben Spieltage vor Saisonende verdächtig nach Kapitulation, heißt es doch im Klartext: Wirklich erwarten tun sie den Klassenerhalt vom neuen Trainer nicht mehr. Er soll nur schon mal Zeit bekommen, die Mannschaft kennenzulernen, um danach das Projekt Wiederaufstieg anzugehen.

Auf dass sie in Hoffenheim vielleicht irgendwann mal wieder zumindest eine graue Maus in der Bundesliga sein dürfen.

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