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Arjen Robben (l.) wechselte 2009 von Real Madrid zum FC Bayern München © getty

Nach dem Ausfall des Bayern-Regisseurs ist eine Stelle im Münchner Mittelfeld vakant. Robben überzeugt mit starker Form.

Von Jakob Gajdzik, Christian Stüwe und Mathias Frohnapfel

München - Unter den bajuwarischen Gewinnern gab es einen Verlierer.

Toni Kroos konnte den kollektiven Jubel seiner Bayern-Kollegen nach dem souveränen 2:0-Sieg im Viertelfinal-Hinspiel gegen Juventus Turin (NACHBERICHT: Bayern zum Küssen schön) nicht teilen.

Dazu verlief sein eigener Abend zu schwarz. Im Duell mit dem Turiner Stephan Lichtsteiner zog sich der Nationalspieler einen doppelten Muskelbündelriss im Adduktorenbereich zu und wird wohl den Rest der Saison zugucken müssen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das ist gerade in Hinsicht auf die kommenden Wochen sehr bitter. Ich werde mich davon aber nicht unterkriegen lassen und versuchen, das Team so gut wie möglich zu unterstützen", schrieb der 23-Jährige auf seiner "facebook"-Seite.

Auch Jupp Heynckes zeigte sich von Kroos' Ausfall betrübt.

"Das ist natürlich sehr bitter, auch weil in den nächsten zwei Monaten viele Entscheidungen fallen werden. Toni ist ein ganz wichtiger Spieler für uns", sagte der Bayern-Trainer zur Verletzung seines offensiven Mittelfeldspielers.

Schlüsselspieler des FC Bayern

Wie wichtig Kroos für die Münchner ist, machen ein paar Zahlen deutlich.

In der Bundesliga gelangen Kroos in 24 Einsätzen sechs Treffer und acht Vorlagen, in der Champions League steuerte er drei weitere Treffer bei.

"Das ist natürlich ein Verlust. Jeder Spieler, der sich verletzt, ist ein Verlust", sagte auch Abwehrchef Dante bei SPORT1 zum Ausfall seines Kollegen. (696376DIASHOW: Die Einzelkritik)

Nun stellt sich die spannende Frage, wie der FC Bayern den Blondschopf, der in 34 von bisher 40 Pflichtspielen in der Münchner Startelf stand, ersetzen wird.

Robbens Chancen steigen

Dass Heynckes wegen des Ausfalls seiner Zehn sein auserkorenes 4-2-3-1-System ändern wird, ist ausgeschlossen.

Stattdessen bieten sich den Bayern aufgrund der hochwertigen Breite im Kader andere Optionen.

Arjen Robben stellte in dieser Saison bereits mehrfach Ansprüche auf einen Stammplatz, musste aber meistens auch nach starken Auftritten, wie zuletzt beim 9:2 gegen den Hamburger SV, zurück ins zweite Glied rücken.

Dass der Bayern-Motor auch mit dem Niederländer wie geschmiert läuft, bewies nicht nur das HSV-Spiel, sondern auch sein Auftritt gegen Juve.

Comeback von "Robbery"?

Robben ersetzte Kroos ab der 16. Minute und stellte die Turiner Abwehr mit gefährlichen Dribblings ein ums andere Mal vor Probleme.

"Wir spielen eine super Saison und sind fußballerisch wirklich stark. Heute waren wir auch wieder die bessere Mannschaft", verzichtete Robben nach dem Spiel auf etwaige Forderungen, ist aber der erste Kandidat als Kroos-Ersatz.

Die berühmte "Robbery"-Flügelzange wurde in der Vergangenheit schon so manchem Gegner zum Verhängnis.

Thomas Müller, sonst auf Robbens bevorzugter rechter Außenbahn zu Hause, könnte dann wie zu Beginn seines kometenhaften Bayern-Aufstiegs 2009/2010 in die Mitte rücken.

Verlässt Robben die Bayern?

Zwar ist Müller nicht der strategische Passgeber wie Kroos, macht das aber mit seinen Überraschungseffekten und seiner Torgefährlichkeit wett.

Auch das klappte gegen die Italiener in der Königsklasse, Müller garnierte seinen Auftritt mit dem 2:0. (696266DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Robben könnte sich zudem mit starken Einsätzen im Saisonendspurt nachhaltig empfehlen, denn Gerüchte um seinen Abschied zu Saisonende halten sich weiterhin hartnäckig.

Neue Power mit Shaqiri?

Eine weitere Variante wäre der kleine Schweizer Xherdan Shaqiri, der sowohl direkt als Kroos-Ersatz in der Mitte spielen könnte und zudem auf beiden Außenpositionen einsetzbar ist.

Seine Präferenz liegt aber direkt hinter den Spitzen, wie er am Donnerstag klar machte: "Ich fühle mich auf der Zehn sehr wohl, spiele aber auch gerne auf den Außenpositionen. Sicherlich habe ich auf der Zehn mehr Freiheiten für die Offensive."

Besonders bei seinen Joker-Einsätzen zeigte Shaqiri bisher seine Offensivstärke.

In Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League hat er jeweils mindestens einen Treffer und eine Vorlage auf seinem Konto.

Hitzfeld: "Shaq hat nie Angst"

Der Ex-Bayern-Trainer und aktuelle Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld prophezeite seinem Nati-Schützling bereits eine goldene Zukunft.

"Xherdan hat Klasse, Instinkt und Ruhe am Ball", sagte Hitzfeld im "Blick" über den Techniker:

"Egal, wie groß der Name des Gegners ist, er hat nie Angst. Er ruft sein Potenzial meistens ab. Er besitzt eine Mentalität, mit der er sich überall anpassen kann."

Der 64-Jährige sieht in dem Schweizer gar die Idealbesetzung unter dem künftigen FCB-Trainer Pep Guardiola und attestierte ihm das "Barca-Gen".

Kroos: Stammplatz futsch?

Durch Kroos' Ausfall bekommen sowohl Robben als auch Shaqiri in der Schlussphase der Saison garantiert mehr Einsatzzeiten.

Der immense Konkurrenzkampf und die Breite des Bayern-Kaders - eine der großen Stärken der Münchner in dieser Saison - wird dadurch hingegen etwas geschwächt.

Beide werden allerdings alles geben, um den Spielmacher im Eiltempo vergessen zu machen.

Sollte einer der beiden auftrumpfen und sich unentbehrlich machen, droht Kroos durch seine Verletzung in eine doppelte Verlierer-Rolle zu rutschen.

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