vergrößernverkleinern
SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp fungiert als Mäzen bei 1899 Hoffenheim © getty

Die Sinnkrise bei Hoffenheim fällt direkt in das Zuständigkeitsgebiet von Hopp. Der Mäzen führt den Verein eher widersprüchlich.

Von Frank Hellmann

Sinsheim - Wenn Dietmar Hopp Interviews gibt, dann menschelt es meist.

Vor dem vergangenen Weihnachtsfest hat der Milliardär in der "Rheinischen Post" verraten, dass es für ihn eines der größten Geschenke sei, dass er barfuß über die Wiese zu der Familie seines Sohnes gehen könne.

Wenn dann der Enkel mit ihm spiele, sei das eine besondere Erfüllung. Und einmal in Plauderlaune schwärmte der Mäzen der TSG Hoffenheim auch gleich von der Unternehmenskultur seiner Softwarefirma SAP.

Er gehe respektvoll mit Menschen um. "Ich hasse es, Leuten Angst zu machen, weil Angst lähmt." Im Leben könne man nur weiterkommen, "wenn man ein vernünftiges Miteinander pflegt".

Sehnsucht nach dem alten Hoffenheim

Das hat sich wirklich alles gut angehört, und doch fragen sich mittlerweile aktuelle und ehemalige Weggefährten im Umfeld des bis in die Bundesliga gehievten Dorfvereins, warum sich das nicht auf das Fußball-Business übertragen lässt.

Die Hopp'sche Philosophie, die Hopp'schen Werte werden oft nur unzureichend bis gar nicht gelebt.

Der neue Trainer Markus Gisdol berichtete auf SPORT1-Nachfrage von einem Telefonat mit dem Mäzen: "Dietmar Hopp hat zu mir gesagt, dass er gerne sein altes Hoffenheim zurück hätte."

Das Hoffenheim, das im Herbst 2008 bis zur Bundesliga-Herbstmeisterschaft stürmte.

Schlechtes Image

Seitdem ging es bergab.

Derzeit hat das Kunstgebilde mit dem Namenszusatz 1899 so schlechte Imagewerte wie nie zuvor.

Kaum jemand würde Hoffenheim mittlerweile in der ersten Liga vermissen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und im Grunde muss Hopp aus seinem Domizil in Südfrankreich doch mitbekommen haben, wie schlecht es wirkte, wenn Geschäftsführer Frank Briel und Vereinspräsident Peter Hofmann am Dienstag wie Trauerklöße bei einer Pressekonferenz im Trainingszentrum in Zuzenhausen hockten und die Trennung von Manager Andreas Müller und Trainer Marco Kurz (Bericht) zu verkünden hatten, die doch ursächlich darauf zurückzuführen war, dass Hopp den Daumen senkte.

Talente ohne Chance

"Wir wollen Talente integrieren, unseren Fans wieder attraktiven Fußball bieten, neue Zuschauer gewinnen und auf dem bewährten Weg wieder nach vorne kommen", ließ der Strippenzieher lediglich via dünner Pressemitteilung wissen und verlangte eine "Rückbesinnung" unter dem Gesichtspunkt des Financial Fairplay.

Allmählich dämmert dem 72-Jährigen, dass die mindestens 250 Millionen Euro, die er mitsamt dem Bau einer Arena in Sinsheim an der A6 bereits in diesen Klub pumpte, vielleicht doch nicht die allerbeste Investition gewesen sind.

Noch immer ist der Betrieb des Bundesligisten ein Zuschussgeschäft.

Dass das Projekt Rendite abwirft, erscheint illusorisch, wenn es seit Jahren nicht einmal gelungen ist, Nachwuchsspieler im Profiteam zu integrieren. Da funktioniert Elementares nicht.

[kaltura id="0_7zpl34c8" class="full_size" title="Chaos Tag in Hoffenheim"]

Gisdol muss handeln

Der neue Trainer Markus Gisdol, der am Freitag im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf sein Debüt gibt, soll der Prämisse folgen, junge, unverbrauchte, möglichst deutsche Spieler aufzubauen. (BERICHT: Gisdol will jeden Stein umdrehen)

Und deshalb rückt auch der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Alexander Rosen, zum neuen Leiter Profifußball auf.

Aber die Jugendwelle wollten sie im Kraichgau schon so oft reiten; erst Marco Pezzaiuoli vor zwei Jahren als Trainer und auch Ernst Tanner als Manager sind vor allem deshalb eingestellt worden, um sie dann doch mit der nächsten Krise wieder vom Hoffenheimer Hof zu jagen. Kontinuität geht anders.

Hopp vertraut Wittmann

Konzepte haben es vielleicht deshalb auch so schwer, weil niemand genau weiß, wem Hopp, hinter dem sich immer noch ein riesiges Machtvakuum aufbaut, wirklich vertraut. Und wem er zuhört.

Auf alle Fälle ist er häufiger mit Roger Wittmann, dem Geschäftsführer der Spielerberateragentur Rogon, anzutreffen.

Wittmann hatte einst bereits zahlreiche Spieler beim FC Schalke und 1. FC Kaiserslautern, nun stehen einige seiner Klienten - wie der zwischenzeitlich vereinsintern geschasste Torwart Tim Wiese - in Hoffenheim unter Vertrag.

Dass die Bande zwischen Hopp und Wittmann eng sind, wird auch dadurch belegt, dass beide erst im November vergangenen Jahres bei einem Treffen mit Fanklub-Vertretern gemeinsam auftraten.

In einem Hörsaal des SAP-Unternehmens spielten sich beide die Bälle zu - mehrfach rechtfertige Hopp dabei das Vorgehen von Wittmann.

Hopp unterstützt Region

Unbestritten ist sicherlich, wie aufrichtig und umfassend Hopp etwa seiner gesellschaftlichen Verantwortung in der Region nachgeht.

Ob ihm der gutmütige Charakter im geldgetriebenen und oft schwer durchschaubaren Fußballgeschäft hilft, erscheint zumindest zweifelhaft.

Für den Zick-Zack-Kurs ist letztendlich er verantwortlich.

Abstieg kein Problem für Hopp

Immerhin: Auch im Abstiegsfall soll die TSG Hoffenheim nicht darben.

"Wer weiß, was in Hoffenheim entstanden ist, kann gar nicht auf solch abstruse Ideen kommen. Selbst wenn Hoffenheim absteigt, wird es mit großem Elan und Begeisterung weitergehen - auch andere sind schon ab- und wieder aufgestiegen", stellte der Geldgeber erst im Februar klar:

"Mein Engagement wird ungebrochen bleiben."

Mehr denn je stellt sich indes die Frage, ob die Lösung der vielen Probleme nicht anders aussehen müsste.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel