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Marcell Jansen (l.) spielt seit 2008 beim Hamburger SV © getty

Der Hamburger SV steht nach der historischen Pleite beim FC Bayern unter Druck. Arnesen und Fink wollen dennoch nach Europa.

Hamburg - Heung-Min Son? Das Sturmjuwel aus Südkorea drosch die Bälle in schöner Regelmäßigkeit weit über oder neben das Tor.

Und Artjoms Rudnevs? Auch der Lette traf bei den Torschussübungen im Training am Donnerstag selbst aus zwei Metern nicht ins Schwarze.

Und Thorsten Fink? Der Trainer des Hamburger SV schimpfte nicht, er nahm seine nach der Schmach von München völlig verunsicherten Spieler in den Arm, tröstete sie und versuchte ihnen Selbstvertrauen einzureden.

"Egal, am Samstag gehen die Dinger rein", sagte Fink vor dem ersten Spiel nach dem historischen 2:9 beim FC Bayern gegen den SC Freiburg (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER ).

"Weckruf für die Zukunft"

Gegen Freiburg soll, muss ein Sieg her, um sich mit den aufgebrachten Fans zu versöhnen und sich doch noch irgendwie in die Europa League zu schummeln.

"Wir haben Tacheles geredet und die Mannschaft hat es kapiert", sagte ein sichtlich angespannter Fink, der auf Nachfragen zu seinem Krisenmanagement barsch reagierte.

"Ich gehe den Weg, den ich für richtig halte. Wir können es nicht rückgängig machen und wollen aus dem Spiel lernen, etwas Neues, Besseres mitnehmen."

Dann könne das Debakel zu einem "Weckruf für die Zukunft werden."

Arnesen hält nichts von Strafen

Der HSV war und ist nach der Pleite um Normalität bemüht. Die Spieler wurden nach der Blamage zur Überraschung vieler Experten in der Öffentlichkeit geschont.

Fink kramte die Medizinbälle nicht heraus und setzte auch keine Strafläufe durch die Hamburger Wälder an.

"An dieses 2:9 werden wir uns unser Leben lang erinnern. Aber Strafen bringen uns gar nichts", sagte Spordirektor Frank Arnesen, "und wir dürfen die Jungs jetzt nicht schlachten." "695459(DIASHOW: Die großen Schützenfeste).

Jansen appelliert an die Jungen

Es gelte aus der Pleite die richtigen Schlüsse zu ziehen. Marcell Jansen bestätigte aber, dass intern ein "schärferer Ton" angeschlagen wurde.

"Mir musste früher keiner erklären, dass ich als junger Spieler Gas gebe und einfach mal die Fresse halte. Die Älteren können den anderen nicht immer den Arsch pudern oder in den Arsch treten - das muss von ihnen kommen."

"Wir haben noch sieben Spiele, in denen wir die Saison positiv gestalten können", sagte Fink.

Ohne Europa droht der Ausverkauf

Trotz oder gerade wegen des Debakels von München (höchste Bundesliga-Niederlage seit 1970) haben die Hamburger den Rest der Saison zur Charakterfrage erklärt und den Kampf um Europa ausgerufen.

"Wir liegen einen Punkt zurück. Die Chancen haben wir. Wir sind gefordert, Flagge zu zeigen und Platz sechs zu erreichen", sagte Klub-Chef Carl-Edgar Jarchow. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Ein sportlich wie finanziell wichtiges Ziel. Den klammen Hanseaten droht im laufenden Geschäftsjahr ein Minus in zweistelliger Millionenhöhe, der kostspielige Kader wäre ohne Zusatzeinnahmen wohl nicht weiter zu finanzieren.

"Müssen sich den Hintern aufreißen"

Das Gesicht der Mannschaft wird sich im Sommer wohl ohnehin wieder einmal verändern.

Dem Kader fehlen echte Führungspersönlichkeiten, die in kritischen Situationen das Kommando übernehmen.

Auch am nötigen Willen der Akteure zweifeln die Verantwortlichen.

"Einigen unserer jüngeren Spieler scheint es nicht klar zu sein, was es bedeutet, für den HSV zu spielen", sagte Aufsichtsrats-Chef Manfred Ertel und kündigte Konsequenzen an:

"Wenn sie bei uns spielen, sind sie Hamburger Jungs und müssen sich für uns den Hintern aufreißen. Wollen sie das nicht, gehören sie nicht hierher."

Fink sitzt fest im Sattel

Trainer Fink steht trotz einer durchwachsenen Bilanz dagegen (noch) nicht zur Disposition.

"Wir sind mit der Arbeit von Thorsten Fink zufrieden. Er hat noch bis 2014 einen Vertrag. Und wir hoffen sehr, dass es mit ihm über die Vertragslaufzeit hinaus weitergeht", sagte Jarchow.

Gegen Freiburg wieder mit Raute

Derweil wird Fink seine Mannschaft gegen Freiburg ordentlich durchmischen.

Jeffrey Bruma, Milan Badelj und Tomas Rincon sitzen wohl auf der Bank, die Doppelsechs im Mittelfeld wird aufgelöst und durch eine Raute ersetzt.

Im Sturm wird Fink wieder auf zwei Angreifer setzen: Rudnevs und Son. Am Samstag sollen die Dinger dann reingehen - hofft sicher nicht nur Fink.

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