vergrößernverkleinern
Sebastian Rode wechselte 2010 von Kickers Offenbach zur Eintracht © getty

Frankfurts Mittelfeldmotor steht bei vielen Klubs auf der Wunschliste, die Eintracht kämpft um ihn. Gegen München hat er Großes vor.

Von Frank Hellmann

Frankfurt - So schnell verblassen die Erinnerungen nicht. Sebastian Rode weiß noch zu gut, wie alles war, als er im Mittelpunkt der Glückwünsche und Gratulationen stand.

"Es gab Freistoß, der Ball wurde abgewehrt, ich habe ihn dann direkt genommen."

Der Jubel kannte an diesem 23. April 2011 keine Grenzen; es war schließlich das 1:0 gegen den FC Bayern und das erste Bundesligator des beim Lokalrivalen Kickers Offenbach ausgebildeten Mittelfeldspielers.

Tor gegen Bayern reicht nicht

Der Leistungsträger der Frankfurter Eintracht hat das dieser Tage bei einem Sponsorentermin in der Frankfurter Arena erzählt und dann direkt auf die Nordwestkurve gezeigt, wo die Eintracht-Ultras sich nach diesem Volltreffer in den Armen lagen.

"Leider hat Gekas nicht das 2:0 geschossen", ergänzt Rode und erzählt damit den unerfreulichen Teil der Geschichte. Die vom Griechen verpasste Riesenchance mündete schlussendlich darin, dass die Bayern noch zum 1:1-Ausgleich kamen.

Und am Ende fehlten den Frankfurtern genau diese Punkte, um in der Saison 2010/2011 unter Christoph Daum den Abstieg zu vermeiden.

Kein Grund zur Ehrfurcht

Wenn der 22-jährige Rode an das nächste Aufeinandertreffen mit den Bayern am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) blickt, dann spricht aus ihm viel Selbstvertrauen.

"Alle sagen wir verlieren - ich sehe das nicht so!"

Auch wenn sein wichtiger Nebenmann, Kapitän Pirmin Schwegler und der erfolgreichste Torschütze Alex Meier fehlen, besteht kein Grund in Ehrfurcht zu erstarren. Dafür spielt die Eintracht eine zu starke Saison, dafür hat sich ihr Antreiber zu gut entwickelt.

Mittelfeldmotor und Herz der Mannschaft

Rode stellte vor allem in der Hinrunde das Herz dieser Mannschaft; lauf- und zweikampfstark, beinahe besessen eroberte der eher schmächtig wirkende Blondschopf - 67 Kilo bei 1,79 Meter Körpergröße - zumeist die Hoheit im zentralen Bereich.

"Rode hat einen großen Wert für uns. Jedes Tor entsteht doch irgendwie über ihn", lobte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen damals.

Halbe Liga jagt den U-21-Nationalspieler

Und weil der Mittelfeldmotor auch in der U-21-Nationalmannschaft heiß lief, blieb sein Aufstieg anderen Klubs nicht verborgen.

Die halbe Liga ist angeblich hinter ihm her, seitdem sich Spieler und Berater hartnäckig weigerten, den 2014 auslaufenden Vertrag zu verlängern.

"Selbst unsere Zuschauer-, Marketing- und Fernseherlöse reichen nicht aus, um einen Spieler wie Sebastian Rode zu halten", rief Bruchhagen verärgert im Februar bei einem Kongress ins Plenum.

"Ich höre mir alles an"

Auch der kommende Gegner FC Bayern soll zu den betuchten Interessenten gehören - das Faible von Sportchef Matthias Sammer für deutsche Junioren-Nationalspieler ist verbürgt.

In diesem Sommer kommt bereits der Mainzer Defensivallrounder Jan Kirchhoff. Für den nächsten Sommer mutmaßen Branchenkenner, dass die Münchner Macher eine Vereinbarung mit Rode für einen (offiziell) ablösefreien Transfer getroffen haben.

"Davon weiß ich nichts. Aber ich höre mir alles an", sagt Rode auf SPORT1-Nachfrage.

Sportchef Hübner hofft auf Rode und Jung

Sportchef Bruno Hübner geht fest davon aus, dass das einst nur 300.000 Euro teure Schnäppchen zumindest nächste Saison noch am Main bleibt.

Um Rode und Sebastian Jung, der auch seine Zukunft noch nicht geklärt hat, soll eigentlich die neue Mannschaft gruppiert werden.

"Seppl" Rode und "Sebi" Jung gelten als Identifikationsfiguren. Doch woanders lockt das große Geld. Und deshalb klingt Rodes Statement in dieser Causa wie auswendig gelernt:

"Ich habe noch bis 2014 Vertrag, das ist eine lange Zeit. Der nächste Schritt will wohlüberlegt sein."

"Rode bleibt. Punkt aus"

Die Rode-Seite weiß, dass Bruchhagen unmissverständlich festgelegt hat: kein Verkauf für kein Geld dieser Welt in diesem Sommer.

"Rode bleibt. Punkt aus. Dann geht er 2014 eben ablösefrei", stellte der Klubchef mehrfach fest und erinnerte an das Beispiel Marco Reus, dessen Verkauf sich für Borussia Mönchengladbach durch das Verpassen der Champions League nicht gerechnet habe.

Offensichtlich ist diese Haltung bei dem Mann mit der Trikotnummer Nummer 20 angekommen.

Rodes Manko: kaum torgefährlich

"Wir wollen einen internationalen Platz erreichen. Es wäre ein richtig geiles Erlebnis mit der Eintracht durch Europa zu reisen", rief der Rohdiamant Anfang der Woche aus.

Dafür sind auch Klasseleistungen von ihm notwendig: In der Rückrunde lief der bereits von einem Kreuzbandriss im linken und einen Knorpelschaden im rechten Knie geplagte Antreiber teils merkwürdig unrund; viele Fehlpässe prägten seine Auftritte.

Und noch ein Manko gibt es für einen Spieler seiner Qualität: Er schießt zu wenig Tore. Vier sind es erst in 70 Erst- und Zweitliga-Spielen für die Eintracht. Und dieser Spielzeit noch keines.

Vielleicht helfen ja die lebendigen Erinnerungen an den Husarenstreich gegen die Bayern vor fast genau zwei Jahren.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel