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Gibt seit dieser Woche bei der TSG die Richtung vor: Markus Gisdol © getty

Gegen Düsseldorf will 1899 im ersten Spiel von Trainer Markus Gisdol die dünne Chance auf den Klassenerhalt wahren. Ex-Keeper Haas leidet mit..

Von Reinhard Franke

München - Wieder mal ist von einem Neuanfang die Rede. Dieser Neuanfang beginnt aber ausgerechnet mit einer letzten Chance.

Bei 1899 Hoffenheim hat nach der Entlassung von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller in dieser Woche das große Aufräumen begonnen.

Wieder mal soll endlich alles besser werden, es wurde komplett der Reset-Knopf gedrückt.

Auf den neuen Trainer Markus Gisdol und den neuen Leiter Profifußball Alexander Rosen wartet ein schwieriger Balance-Akt:

Auf der einen Seite soll im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) Fortuna die hauchdünne Chance auf den Klassenerhalt gewahrt werden, auf der anderen sollen sie auch die Weichen für die Zukunft stellen - unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hopp will altes Hoffenheim zurück

Der milliardenschwere Klub-Mäzen Dietmar Hopp hat nur einen Wunsch. "Dietmar Hopp hat zu mir gesagt, dass er gerne sein altes Hoffenheim zurück hätte", sagte Gisdol kurz nach seiner Amtsübernahme auf SPORT1-Nachfrage. (BERICHT: Hopps Lebenswerk bröckelt)

Das alte Hoffenheim machte viel Freude. Die Kraichgauer kletterten einst unter Ex-Trainer Ralf Rangnick von der Regionalliga in die Bundesliga und wurden nach dem Erstliga-Aufstieg 2008 gar Herbstmeister.

Haas leidet mit

Damals im Tor: Daniel Haas, heute in Diensten von Union Berlin. Der 29-Jährige spielte zwischen 2005 und 2012 für 1899 und schaut besorgt auf seinen früheren Verein.

"Das, was ich so mitbekomme, ist schon schockierend. Es ist traurig zu sehen, wie der Verein sportlich da steht. Ich drücke ihnen alle Daumen, dass sie die Kurve noch bekommen", sagte Haas im Gespräch mit SPORT1 und nennt einen Hauptgrund für die Misere:

"Es ist bis heute in allen Bereichen eine hohe Fluktuation gewesen und da ist es klar, dass mit vielen personellen Wechseln keine einheitliche Schiene gefahren werden kann." Man habe wirtschaftlich gedacht, so Haas weiter, "es wurden Spieler für Riesensummen verkauft, die wichtig waren für den Verein, wie ein Carlos Eduardo, Vedad Ibisevic, Demba Ba oder Luiz Gustavo."

"Denkbar ungünstige Situation"

Haas hat die guten, alten Zeiten mit diesen Spielern miterlebt und hat seinen Ex-Verein aber nie aus den Augen verloren. "Die tabellarische Situation ist natürlich denkbar ungünstig", weiß Haas, "die Mannschaft und der Verein haben das Potenzial, das Ruder noch rumzureißen. Dann darf man sich nicht mehr viele Fehler erlauben."

Der Unterfranke traut dem neuen Chefcoach einiges zu: "Ich kenne Gisdol noch als U-23-Trainer von Hoffenheim und die Spieler damals haben alle positiv über ihn gesprochen. Er ist mittlerweile kein Unbekannter mehr und kann das Ganze sportlich auf den richtigen Weg führen."

Zurück zu den Wurzeln

Dieser richtige Weg soll nun zurück zu den Wurzeln führen. Hopp hat den Klassenerhalt offenbar nicht mehr als oberstes Ziel auf dem Zettel und "unabhängig vom Ausgang der Saison" klarer Vorstellungen von der Zukunft.

"Wir wollen Talente integrieren, unseren Fans wieder attraktiven Fußball bieten, neue Zuschauer gewinnen und auf dem bewährten Weg wieder nach vorne kommen", sagte Hopp kürzlich. Gisdol spricht davon, dass man in Hoffenheim wieder etwas "demütiger" werden müsse.

Man müsse bescheidener werden, meint auch Haas: "Im Moment sehe ich die Glaubwürdigkeit in Gefahr. Viel Gutes gab es in diesem Jahr nicht. Man muss jetzt endlich Ruhe einkehren lassen, um wieder positive Schlagzeilen zu schreiben. Ich hoffe, dass das jetzt noch in geregelte Bahnen läuft."

Internationaler Anspruch

Vor dieser Saison wollte der Verein ins internationale Geschäft, doch das ging gründlich in die Hose. "Der Anspruch des Vereins, über kurz oder lang international zu spielen, war schon immer da und dafür hat man viel investiert. Leider hat es sich bisher noch nicht ausgezahlt und jetzt ist man hingefallen", sagt Haas SPORT1, sieht den Neustart aber auch als ein "zweischneidiges Schwert":

"Natürlich definiert sich so ein Klub über den Erfolg, aber wenn Du jetzt alles zurückschaltest und eine junge, unerfahrene Mannschaft aufbauen willst, dann musst du auch mal Rückschläge in Kauf nehmen."

Und er fügt hinzu: "Vielleicht ist so ein Abstieg gar nicht verkehrt, weil man dann einen Neuanfang machen kann. In der Bundesliga wird es schwer für den Verein."

Haas nimmt Hopp in Schutz

Hopp, der immer stärker in der Kritik steht, wird von Haas derweil in Schutz genommen:

"Hopp hat nicht nur in den Profibereich Geld investiert hat, sondern in die ganzen Strukturen des gesamten Vereins, auch in die Nachwuchsarbeit. Hopp hat Bedingungen geschaffen, von denen die ganze Region profitiert. Die Frage ist, wie geht es weiter, wenn er aufhören würde."

Damit beschäftigt sich in Hoffenheim derzeit aber noch keiner. Erstmal geht es ins Spiel der vielleicht letzten Chance für diese Saison gegen Düsseldorf.

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