vergrößernverkleinern
Heurelho Gomes wurde im Januar von Tottenham Hotspur an Hoffenheim ausgeliehen © imago

Sportlich schöpft Hoffenheim nach dem Gisdol-Debüt neue Hoffnung. Gomes' Verletzung rückt Wiese wieder in den Mittelpunkt.

Sinsheim - Die Premiere ist gelungen, doch am Morgen danach gab es bei 1899 Hoffenheim nicht nur fröhliche Gesichter.

Als erster Trainer seit Ralf Rangnick hat Markus Gisdol durch das 3:0 (1:0) gegen Fortuna Düsseldorf sein erstes Spiel mit den Kraichgauern gewonnen. (697885DIASHOW: Der 28. Spieltag)

Doch die schlechten Nachrichten aus der medizinischen Abteilung warfen einen Schatten auf den Erfolg.

Torhüter Heurelho Gomes zog sich gegen die Fortuna einen Mittelhandbruch zu und fällt nach SPORT1-Informationen für den Rest der Saison aus.

Und schon rückte einmal mehr die Personalie in den Mittelpunkt, die Hoffenheim schon in der gesamten Saison begleitet: Tim Wiese.

Kein Platz für Wiese

Trotz des Ausfalls von Gomes wird es für den ehemaligen Nationaltorhüter Tim Wiese nämlich vorerst keinen Platz im Kader der Kraichgauer geben. Stattdessen soll Koen Casteels den verletzten Brasilianer weiterhin ersetzen und der 24 Jahre alte Amateur-Torwart Jens Grahl auf der Ersatzbank Platz nehmen.

"Das ist ein Stück weit auch ein Zeichen für unsere Zukunft", sagte Gisdol nach dem Training am Samstag: "Wir wollen die Talente fördern, und Casteels ist ein unglaublich großes Talent. Das passt einfach für die momentane Konstellation."

Ob Wiese, der am Freitag erneut nicht im Kader stand, noch einmal im Tor der Hoffenheimer stehen wird, ließ Gisdol offen. "Es wird die Zeit zeigen. Jetzt ist Casteels unsere Nummer eins", sagte er und betonte: "Tim hat das fantastisch aufgefasst."

Erinnerungen an die Ära Ragnick

Sportlich war der Freitagabend für die TSG endlich mal wieder ein Befreiungsschlag. Mäzen Dietmar Hopp fiel nach dem Schlusspfiff erst einmal seiner Sitznachbarin um den Hals. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das erfolgreiche Debüt des neuen Trainers schuf nicht nur neue Hoffnung im Abstiegskampf - die Vorstellung des Tabellenvorletzten weckte vor allem in den Anfangsminuten wie von Hopp erhofft auch Erinnerungen an das "alte" Hoffenheim der Ära Ralf Rangnick.

Viel Lob für Gisdol

Der Coach schlug dennoch leise Töne an. "Wir haben versucht, mit kleinen Schritten weiter zu kommen und uns den Sieg mit unglaublicher Leistungsbereitschaft verdient. Wir wollen das Ergebnis aber jetzt nicht überbewerten und versuchen, uns Schritt für Schritt weiter zu entwickeln", sagte Gisdol.

Zu Beginn der ersten und zweiten Halbzeit war drei Tage nach der Amtsübernahme des 43-Jährigen bereits dessen Handschrift zu erkennen.

Die Hoffenheimer zeigten aggressives Pressing und ließen den Gegner nicht zur Entfaltung kommen. Das dürfte auch Hopp gefreut haben. Auch die Spieler wie Jannik Vestergaard betonten, dass der neue Coach die Mannschaft "perfekt eingestellt" hatte.

Dass Gisdol ebenfalls den von Hopp geforderten "Rangnick-Fußball" präferiert, war indes schon vor dem Spiel klar. Von 2009 bis 2011 hatte Gisdol in der Amtszeit seines Förderers die U23 betreut und war Rangnick danach als Assistent zu Schalke 04 gefolgt.

Sieg "eigentlich zu hoch"

Spielerisch funktionierte noch nicht alles in Sinsheim. In beiden Halbzeiten gaben die Kraichgauer die Zügel leichtfertig aus der Hand.

Eine andere Mannschaft als die im Torabschluss harmlosen Düsseldorfer hätte die Nachlässigkeiten schonungslos bestraft. Der Sieg, den Roberto Firmino (11.), ein Eigentor von Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz (75.) sowie Kevin Volland (90.+4) besiegelten, sei laut Gisdol "eigentlich zu hoch" ausgefallen.

Nicht nur deswegen setzt Gisdol auch in den kommenden Wochen auf die Politik der kleinen Schritte: "Wir wollen den Druck von den Spielern nehmen und nicht immer vom Abstiegskampf oder Ergebnissen reden. Wir müssen bescheidener und auch ein Stück weit sympathischer werden. Das ist der richtige Weg."

Zumindest der erste Schritt ist getan.

Düsseldorf muss wieder zittern

Während die Hoffenheimer wieder vom Klassenerhalt träumen dürfen, müssen die Düsseldorfer, die nun seit elf Auswärtsspielen auf einen Sieg warten, mehr denn je zittern.

In Hoffenheim wie zuletzt gegen Leverkusen unter Wert geschlagen, spüren die Rheinländer immer mehr den Atem des derzeit auf dem Relegationsplatz liegenden FC Augsburg.

"Hoffenheim hat uns vorgemacht, wie man dagegen hält. Wir haben es verbockt und hätten mehr einfach nicht verdient gehabt. Das ist sehr enttäuschend", sagte ein sichtlich niedergeschlagener Oliver Fink.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel