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Andre Schürrle und Bayer spielten gegen Wolfsburg zum siebten Mal remis © getty

Nach dem Remis gegen Wolfsburg gerät die Königsklasse für Leverkusen in Gefahr. Die "Wölfe" richten den Blick schon nach München.

Leverkusen - Seit Wochen versuchen sie bei Bayer Leverkusen, die leidige Diskussion über die "Pärchen-Krise" der beiden Trainer einzudämmen.

Am Wochenende ist es Bayer gelungen, aber keineswegs so wie geplant: Nach dem mageren 1:1 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg (Bericht) überlagern nämlich plötzlich sportliche Sorgen die Personaldiskussionen.

Bayer droht das sicher geglaubte Direkt-Ticket für die Champions League noch aus den Händen zu gleiten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nur noch vier Punkte Vorsprung hat Bayer vor dem direkten Duell am Samstag auf Schalke 04.

"Jetzt stehen wir richtig unter Druck, das hätte nicht sein müssen", sagte Stürmer Stefan Kießling ernüchtert.

Zweckoptimismus bei den Bayer-Bossen

Die sportliche Führung trug derweil Optimismus zur Schau.

"Wir fürchten gar nichts, sondern wir sind gallig drauf, was zu erreichen", sagte Trainer Sascha Lewandowski, der allen Ausflüchten zum Trotz im kommenden Jahr wahrscheinlich kein Team mehr mit Sami Hyypiä bilden wird.

Und Sportchef Rudi Völler erklärte: "Wir liegen immer noch vier Punkte vor, wir haben es immer noch in der eigenen Hand, und wir werden uns das nicht mehr nehmen lassen."

Kießling von Schalker Aufholjagd überrascht

Doch nicht nur Kießling zeigte sich überrascht darüber, den Atem der Schalker plötzlich so dicht im Nacken zu spüren: "Dass sie nach der Situation, die sie hatten, nochmal so einen Lauf kriegen würden, hätte ich nicht gedacht."

Bei Lewandowski klang aber die Angst durch, am Ende mit einer übertrieben kritischen Bilanz in den Jugendbereich zurückkehren zu müssen.

Das Ziel sei angesichts des Umbruchs und des kleinen Kaders ja eigentlich "nur" der internationale Wettbewerb gewesen.

"Mit der beeindruckenden Hinrunde haben wir uns selbst überholt und eine Erwartungshaltung geschaffen, die nun einmal da ist", sagte der 41-Jährige: "Wenn wir noch mehr erreichen wollen als ursprünglich geplant, muss alles passen."

Kjaer macht Fehler wieder gut

Gegen harmlose "Wölfe" verschenkte Bayer aber zwei wichtige Punkte.

Ausgerechnet der Däne Simon Kjaer glich nach seinem fatalen Schnitzer vor dem 1:0 von Andre Schürrle (12.) für den VfL aus (70.), nachdem Bayer zuvor einige Chancen vergeben hatte (697885DIASHOW: Der 28. Spieltag).

"Wir müssen uns an die eigene Nase packen, denn wir hatten mehr Chancen als beim 4:1 in Düsseldorf", meinte Völler.

"Wir haben den Sack nicht zugemacht und dann ein richtiges Scheiß-Teil gefangen", schimpfte Lars Bender.

Königsklasse als Argument im Transferpoker

Die Champions League ist aber ein wichtiges Argument für den durchaus reizvollen Deal, den Bayer mit dem FC Chelsea anstrebt.

Dem erneuten Werben des noch amtierenden Champions-League-Siegers um Schürrle wird Bayer wohl nachgeben, wenn es dafür den derzeit in Bremen spielenden Belgier Kevin de Bruyne und zusätzlich eine zweistellige Millionen-Einnahme erhält.

"Es gibt immer wieder Anfragen, da ist Andre nicht der Einzige im Klub. Dass man dann überlegt, gehört zum Geschäft", sagte Völler 671744(DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt).

Lewandowski ist Diskussionen leid

Über die Zukunft der Trainer wollte am Samstag unter dem Bayer-Kreuz niemand mehr reden.

"Dazu ist in letzter Zeit eher zu viel als zu wenig gesagt worden", meinte Lewandowski: "Wir wären gut beraten, wenn wir uns jetzt ausschließlich auf das Endphase der Meisterschaft konzentrieren."

Dies könnte man durchaus als leise Kritik am Geschäftsführer und Lewandowski-Befürworter Wolfgang Holzhäuser verstehen, der unter der Woche erklärt hatte, es gebe beim Trainer "eine Tendenz, zur Jugend zurückzukehren".

"Wölfe" richten Blick nach München

Wolfsburg steht nach dem Punktgewinn derweil im Niemandsland der Tabelle.

"Wir werden die Saison aber nicht auslaufen lassen", versprach Geschäftsführer Klaus Allofs: "Wenn alles optimal läuft und alle für uns spielen, können wir vielleicht noch mal oben reinstoßen. Und wer vergisst, den Blick nach unten zu richten, handelt fahrlässig. Es sieht ein bisschen besser aus, aber es ist noch nicht ausgestanden."

Das wichtigste Spiel für die "Wölfe" wird aber zweifelsohne das Pokal-Halbfinale beim neuen Deutschen Meister Bayern München.

"Das läuft dann unter dem Motto: das Unmögliche möglich machen", meinte Allofs.

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