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Marko Arnautovic (l.) und Werder kassierten bereits die 13. Saison-Niederlage © getty

Nach der Pleite gegen Schalke werden Werders Profis gnadenlos ausgepfiffen. Werder-Coach Thomas Schaaf bleibt dennoch gelassen.

Bremen - Thomas Schaaf versuchte, in der Krise noch irgendwie Gelassenheit auszustrahlen.

Während die Volksseele in Bremen kochte und die Mannschaft nach dem bitteren 0:2 (0:0) gegen Schalke (Bericht) gnadenlos ausgepfiffen wurde, blieb der gewohnt knurrige Werder-Trainer betont ruhig.

Schaaf verteilte eifrig Streicheleinheiten an seine Spieler, die in der zweiten Hälfte das Fußballspielen verlernt zu haben schienen und flüchtete sich in Durchhalteparolen.

"Die Situation hat sich nicht verändert, sie hat sich nicht verbessert. Gegen Düsseldorf wollen wir uns steigern, wir brauchen die Punkte", sagte der 51-Jährige, nachdem sein Team gegen Schalke in der ersten Halbzeit zunächst dominiert, dann aber einen rätselhaften Einbruch erlitten hatte.

Schlechteste Bilanz in der Ära Schaaf

Nach den Gegentoren von Julian Draxler (51.) und Ciprian Marica (69.), denen zwei haarsträubende Fehler von Werders Innenverteidiger Assani Lukimya vorausgingen, sind die Hanseaten nun schon seit sieben Bundesligaspielen ohne Sieg.

Mit 31 Punkten nach 28 Spielen legt Werder die schwächste Bilanz in der Ära Schaaf hin.

Nächste Woche reist der Tabellen-14. zur einen Rang schlechter platzierten Fortuna (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Hunt: "Mannschaft ist sehr verunsichert"

"Wir müssen da schleunigst rauskommen. Gut, dass Augsburg auch verloren hat", sagte ein fast schon verzweifelter Sebastian Prödl mit Blick auf die Konkurrenz.

Da die Schwaben gegen Borussia Dortmund (2:4) keine Punkte holten, bleibt der Abstand auf den Relegationsplatz immerhin konstant bei sieben Punkten.

Doch das war für die Grün-Weißen am Ende eines ernüchternden Tages kein Trost.

"Wir mussten für unsere Fehler teuer bezahlen", sagte Sokratis. Und Aaron Hunt meinte: "Die Mannschaft ist sehr verunsichert."

Schalker bedanken sich für Geschenke

Auch die Schalker verstanden gar nicht richtig, was ihnen da in Bremen widerfahren war. Die drei Punkte wurden ihnen quasi auf dem Silbertablett präsentiert.

Torhüter Timo Hildebrand schüttelte nur mit dem Kopf. "Werder hat uns ein Geschenk gemacht", sagte der 34-Jährige.

Nach nun fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen festigten die Königsblauen Rang vier und stürmen wieder in Richtung Champions League.

Doch nicht die eigene Stärke, sondern die Schwäche der Bremer führten zum Triumph.

Vor der Pause lautete die Torschussbilanz aus Bremer Sicht 7:2, danach 3:16.

"Ramba Zamba" in der Kabine

Erst nach einer Standpauke von Trainer Jens Keller in der Halbzeit legten die Gäste ihre Lethargie ab (697885DIASHOW: Der 28. Spieltag).

"Da war ordentlich Ramba Zamba drin", sagte Sportdirektor Horst Heldt, der trotz nun drei Punkten Vorsprung auf Eintracht Frankfurt von einer Vorentscheidung im Rennen um die Königsklasse nichts wissen wollte: "Das ist noch lange nicht vorbei."

Schaaf trotz Pfiffen gelassen

Während sich Keller nach den zuletzt guten Ergebnissen aber immer mehr Hoffnungen auf einen neuen Vertrag auf Schalke machen kann, dürfte die Kritik an Werder-Urgestein Schaaf immer lauter werden.

Zwar ist es unwahrscheinlich, dass er wirklich um seinen Job fürchten muss - nach 14 Jahren im Amt ist Schaaf ist so etwas wie der fünfte Stadtmusikant in Bremen.

Doch Pfiffe gegen den einstigen Volkstribun waren lange so unvorstellbar wie eine Frau als Papst.

"Wenn man nicht gewinnt, wenn man dem Gegner solche Tore auflegt, kann man keinen Applaus erwarten", sagte Schaaf - betont gelassen.

Werder als Schießbude der Liga

Der Trainer arbeitet weiter vergeblich an der richtigen Balance bei den Grün-Weißen.

Kein Team kassiert mehr Gegentore (54). Gegen Schalke leitete Lukimya mit seinen Aussetzern die Pleite ein.

Schon in der Vorwoche hatte der Deutsch-Kongolese bei Mainz 05 (1:1) gepatzt.

"Wir sind alle aufgefordert, ihm zu helfen. Fehler passieren", sagte Schaaf. Und Sokratis forderte: "Wir müssen eine Familie sein."

Doch davon sind sie in Bremen im Moment weit entfernt. Die Volksseele kocht.

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