Im Volkswagen Doppelpass erklärt Matthias Sammer die Blitzmeisterschaft der Bayern, denkt aber schon an Juve.

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Von Mike Lukanz

München - Während aus der gesamten Sportwelt die Glückwünsche Richtung München eintrudelten, blieb sich Bayern Münchens Sportdirektor Matthias Sammer in der Stunde des großen Triumphs treu: Sachlichkeit statt Euphorie.

Denn nicht die überragende Saison oder die unzähligen Rekorde, die der neue Deutsche Meister bis zu diesem Zeitpunkt schon erreicht hat, bewiesen die Stärke des Rekordmeisters. (Sonderseite: Alles zu Bayerns 23. Meistertitel)

Nein, jetzt auf die große Feier verzichten zu können, "das macht Champions aus", sagte Sammer am Morgen nach dem 23. Titelgewinn im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 mit Blick auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League bei Juventus Turin am Mittwoch.

"Die ganze Situation wird überbewertet. Wir haben darauf hingewiesen, eine gewisse Sachlichkeit zu bewahren", erklärte der Sportchef: "Feiern kann man verlegen, aber unser Spiel gegen Juventus nicht. Dort brauchen wir die volle Kraft, geistig und körperlich."

Titel fühlt sich "richtig gut" an

Dennoch, Genugtuung und Erleichterung sprachen aus Sammers Worten und in seinem Gesicht war hier und da sogar ein erlöstes Lächeln zu erkennen, als er über die Gründe des Erfolgs sprach. Die frühe Meisterschaft fühle sich "nicht komisch, sondern richtig gut" an.

"Der Kader wurde breiter aufgestellt, um Qualität dazuzugewinnen und Formschwankungen ausgleichen zu können", sagte Sammer weiter, "damit wurde auch intern der Druck erhöht. Durch die Rotation haben wir unsere wichtigen Spieler auch jetzt noch frisch zur Verfügung."

Trainer Jupp Heynckes habe "die Mannschaft klar geführt und taktisch wichtige Veränderungen vorgenommen, beispielsweise in der Arbeit gegen den Ball".

"Herausragend, beeindruckend, außergewöhnlich"

So nüchtern und fokussiert Sammer auch blieb, die Reaktionen auf den schnellsten Titelgewinn der Bundesliga-Geschichte unterstreichen die Dimension des Münchner Erfolgs.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach "zieht den Hut", Generalsekretär Helmut Sandrock sprach von einer "sensationellen Saison" und einer "herausragenden Leistung." Aus Übersee schickte Deutschlands Basketball-Star Dirk Nowitzki via Twitter seine Grüße: "Gratulation an den FC Bayern. Überragende Saison gespielt"

Leichtathletik-Superstar Usain Bolt sprach von einer "beeindruckenden" und "außergewöhnlichen" Leistung.

Sogar von der Bundesregierung aus Berlin kamen lobende Worte: " Glückwunsch dem FC Bayern zur dt. Fußballmeisterschaft. Hut ab vor einer überragenden Leistung vom 1. Spieltag bis heute", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Auch Klopp zollt Respekt

Schon am Samstag hatte Jürgen Klopp, Trainer des entthronten Meisters Borussia Dortmund, seiner Bewunderung entsprechend Ausdruck verliehen: "Das ist eine unglaubliche Saison. Möglicherweise wird's die unglaublichste in der Geschichte des Fußballs", sagte Klopp bei LIGA total!.

Doch der Sammer'sche Pragmatismus scheint sich auf die Anhänger des Rekordmeisters übertragen zu haben. Denn bis auf wenige Fans und einige Autos, die am Samstag kurz nach Abpfiff des 1:0-Auswärtssieges bei Eintracht Frankfurt mit rot-weißen Fahnen durch die Münchner Innenstadt zogen, war in der bayerischen Landeshauptstadt von überschwänglicher Freude wenig zu sehen.

Zu lange stand der Titelgewinn in der Liga wohl faktisch fest, zu überlegen spielte die Mannschaft seit dem ersten Spieltag.

Sammer blickt schon auf Juve

Und die Bayern sind wie ihre Fans noch lange nicht satt, der Titelgewinn in der Liga soll nur die Ouvertüre eines historischen Sommers sein. "Wir wollen aus einer super Saison noch eine Super-Super-Saison machen", sagte Präsident Uli Hoeneß, der dennoch warnte, "diese Meisterschaft klein zu reden."

Mund abwischen, weitermachen. Es ist dieser unbändige Hunger auf Erfolg, der die Rekord-Bayern so stark gemacht hat. Sollten sich zur Schale noch der ein oder andere Pokal hinzugesellen, wird auch Sammer nichts gegen eine ordentliche Feier haben.

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