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Andreas Müller war von 1988 bis 2000 als Spieler auf Schalke aktiv © getty

Der Manager ist mit seinem Plan, wie Schalke durch die Wirtschaftskrise kommt, auf Zustimmung gestoßen. Er scheint dennoch auf der Kippe.

Von Martin van de Flierdt

München - Seit dem vergangenen Wochenende gilt das anstehende Revierderby als sein Rettungsanker.

Nur ein Erfolg gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund am Freitag (20 Uhr LIVE) könne die wackelige Position von Schalkes umstrittenem Manager Andreas Müller wieder festigen, lautet die vorherrschende Meinung im königsblauen Fanlager.

Dazu hat die blutarme Darbietung der Gelsenkirchener am Samstag bei der 1:2-Niederlage im "kleinen Derby" in Bochum ihren Teil beigetragen.

Eine Vorstellung, die den Manager von seinem üblichen Kurs abbrachte, Trainer und Mannschaft gegen die reichlich und berechtigerweise von außen einprasselnde Kritik in Schutz zu nehmen.

"Ich weiß, welches Image ich habe: Müller, der Phrasendrescher, der Schönredner", meinte er im "Express". Und: "Ich werfe die Spieler nicht zum Fraß vor."

Aber am Sonntag schlug er nicht nur intern eine klare Sprache an, sondern setzte die Profis nun auch öffentlich unter Druck: "Die Spieler sind jetzt in der Pflicht, etwas zurückzugeben. Nicht mir, aber dem Verein und den Fans."

Rafinhas Geldstrafe als Exempel

Um zu unterstreichen, dass es ihm mit dem strafferen Führungsstil ernst ist, belegte er den in Bochum erneut negativ auffällig gewordenen Rafinha mit einer Geldstrafe für seinen überflüssigen Ellbogencheck.

Flucht nach vorne mögen viele diesen plötzlichen Paradigmenwechsel in Müllers Handlungsweise nun nennen. Eine Offensive, der zu spät kommt?

Schließlich hatte sich Schalkes Aufsichtsratschef Clemens am Wochenende ein Bekenntnis zu Müller nicht abringen können und durchblicken lassen, dass man "im Fall der Fälle nicht alternativlos" sei. Sprich: Ein Nachfolger für Müller stünde schon Gewehr bei Fuß.

Rückendeckung durch Schnusenberg

Doch Schalkes Vorstandsvorsitzender Josef Schnusenberg hegt keinerlei Absichten, Müller zu entbehren. "Trainer Fred Rutten und Manager Andreas Müller sind auch nächste Saison noch auf Schalke im Amt", wird er in der "Sport-Bild" zitiert. Müller glaubt zu wissen, warum das so ist.

In "enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat" habe er in den letzten Tagen mit der Führungscrew ein Konzept ausgearbeitet, um den Klub "auf die Wirtschaftskrise vorzubereiten".

"Ich habe unser Konzept mit allen Details auf einer Klausurtagung vorgestellt", berichtet der Manager. "Der Aufsichtsrat hat einstimmig geurteilt: So machen wir das." Es gehe darum, Lohnkosten zu senken, ohne Qualität einzubüßen.

Zehn Millionen Euro eingespart

"Durch die Abgänge im Winter haben wir allein für die Rückrunde mehr als vier Millionen Euro eingespart, dazu kommen die rund drei Millionen Euro Ablöse für Fabian Ernst", rechnet Müller vor. Auf lange Sicht würden diese Transfers dem Klub über zehn Millionen Euro an Ersparnissen einbringen.

Geld, das Schalke in diesen unsicheren Zeiten gut zu Gesicht steht. Bei künftigen Investitionen in Beine will Müller verstärkt auf die eigene Nachwuchsarbeit setzen: "Jungs wie Manuel Neuer und Benedikt Höwedes besitzen Identifikation und Siegermentalität", meint der Manager. (zur Vereinsseite)

Dazu sollen Spieler wie der tschechische U-21-Nationalspieler Jan Moravek (Bohemians Prag) kommen, die über den nötigen Erfolgshunger verfügen. Das klingt alles in der Theorie gar nicht übel.

Derbysieg tut Not

Sollte am Freitag allerdings auch das "große Derby" unter für den Schalker Aufsichtsrat inakzeptablen Umständen verlorengehen, dürfte Müller auch Schnusenbergs Rückendeckung wenig nutzen.

"Wenn die Erfolge ausbleiben, gerät man irgendwann unter Zugzwang", sagte Tönnies. Müllers Pläne wird dann womöglich ein anderer umsetzen.

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