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Jens Keller übernahm den FC Schalke im Dezember 2012 © getty

Ein Wutausbruch des Trainers weckt bis dahin lethargische Schalker gegen Bremen auf. Nun darf S04 sogar wieder von der direkten CL-Quali träumen.

Gelsenkirchen - Jens Keller muss wie Rumpelstilzchen getobt haben. (697885DIASHOW: Der 28. Spieltag)

Erst mit seiner Wutrede in der Halbzeit weckte der Trainer von Schalke 04 seine Spieler aus der Lethargie. "Ich will nicht sagen, dass ich die Nerven verloren habe, aber es sind deutliche Worte gefallen", sagte Keller nach dem etwas glücklichen 2:0 (0:0) bei Werder Bremen (Bericht):

"Ich bin froh, dass das gefruchtet hat, aber es sollte nicht so oft vorkommen. Das Team hat dann Charakter gezeigt, aber so eine Leistung wie in Durchgang eins will ich nicht noch einmal sehen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Heldt von Kellers Standpauke beeindruckt

Sportvorstand Horst Heldt war von Kellers Weckruf in der Halbzeitpause angetan. "Da war ordentlich Ramba Zamba drin", sagte er voller Anerkennung über Kellers Standpauke, "das konnte man ja fast bis auf die Tribüne hören."

Der anfangs so phlegmatische Trainer, dem nach dem Amtsantritt kurz vor Weihnachten viel Skepsis entgegenschlug, ist inzwischen immer selbstbewusster geworden.

Nach dem fünften Sieg in den letzten sechs Spielen ist er mit Schalke nicht nur auf Champions-League-Kurs, sondern darf sich auch immer mehr Hoffnungen auf einen Verbleib über den Sommer hinaus machen.

Keine Vorentscheidung

In Bremen profitierten die Königsblauen bei ihren Toren von Julian Draxler (51.) und Ciprian Marica (69.) von zwei haarsträubenden Fehlern von Werders Innenverteidiger Assani Lukimya.

Heldt wollte trotz drei Punkten Vorsprung auf den SC Freiburg und Eintracht Frankfurt von einer Vorentscheidung im Rennen um die Königsklasse allerdings noch nichts wissen.

"Das ist noch lange nicht vorbei", sagte Heldt, der trotz aller Freude über den Sieg auch kritische Worte fand: "Niemand hat in Hälfte eins auch nur annähernd Normalform erreicht." Vor der Pause lautete die Torschussbilanz 7:2 für Bremen, danach 16:3 für Schalke.

Die Schalker konnten am Ende gar nicht richtig glauben, was ihnen da widerfahren war. Schließlich dominierten die Hanseaten zunächst die Partie, brachen dann aber völlig ein.

Wichtiges Spiel gegen Leverkusen

Die drei Punkte wurden den Gelsenkirchenern quasi auf dem Silbertablett präsentiert. Torhüter Timo Hildebrand schüttelte den Kopf. `Werder hat uns ein Geschenk gemacht", sagte er und hätte es auch auf sich beziehen können. Der Keeper freute sich einen Tag nach seinem 34. Geburtstag sichtlich über die Siegprämie.

Ob nun glücklich oder nicht: Fakt ist, dass es mittlerweilwieder zu den Schalker Stärken gehört, die Schwächen des Gegners eiskalt auszunutzen. "Jeder hat noch einmal eine Schippe draufgelegt", sagte Kapitän Benedikt Höwedes, der nicht einen Zweikampf verlor, und richtete den Blick sofort nach vorn:

"Jetzt müssen wir gegen Leverkusen nachlegen." Mit einem Sieg gegen Bayer könnten die Königsblauen am kommenden Samstag bis auf einen Punkt an den Tabellendritten heranrücken. "Aber dann müssen wir wieder ein ganz anderes Gesicht zeigen", meinte Hildebrand.

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