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Christian Wetklo (r.) wechselte 2000 aus Essen nach Mainz © imago

Nach der Pleite in Nürnberg ärgern sich die Mainzer über den Schiedsrichter. Wiesinger freut sich über die "eiskalten Standards".

Nürnberg - Torhüter Christian Wetklo schimpfte wie ein Rohrspatz, Torschütze Nicolai Müller haderte mit dem Schiedsrichter:

Ein Doppelpack von Per Nilsson und die daraus resultierende 1:2 (0:0)-Niederlage (Bericht) beim 1. FC Nürnberg hatte den Spielern des FSV Mainz 05 die Laune gründlich verdorben.

"Das Glück scheint uns nicht gerade ins Gesicht", sagte ein sichtlich enttäuschter Trainer Thomas Tuchel. Durch die erste Niederlage nach sieben Spielen verpassten die Mainzer den Sprung auf Platz fünf und erlitten im Kampf um die Europa-League-Qualifikation einen Dämpfer.

Für Gesprächsstoff sorgte eine Szene aus der 28. Minute, als Müller von Javier Pinola im Strafraum umgerissen wurde.

Müller wertet das Fouls als Platzverweis

"Ich hatte den Eindruck, dass ich den Ball nur reinschieben muss. Für mich war es eine klare Rote Karte", sagte Müller.

Schiedsrichter Tobias Stieler gab nicht einmal Gelb, den Foulelfmeter setzte Adam Szalai am von ihm aus gesehen linken Torpfosten vorbei (697885DIASHOW: Der 28. Spieltag).

Tuchel fragt nach

Auch Tuchel fand die Situation bei LIGA total! zumindest diskussionswürdig. "Ich habe keine Rote Karte gefordert, sondern mich lediglich beim vierten Offiziellen informiert, ob das nicht zwingend Gelb nach sich ziehen muss. Ich habe dann erfahren, dass dies nicht der Fall ist", stellte der Mainzer klar.

Pechvogel Szalai entschuldigte sich nach dem Fehlschuss bei seinen Kollegen: "Es tut mir leid, dass ich der Mannschaft geschadet habe."

Während der Mainzer Stürmer traurig vom Platz schlich, ließ sich Nilsson für seine Treffer (54. und 69.) nach Standardsituationen feiern.

Beide Male hatte Hiroshi Kiyotake mit einem ruhenden Ball die Vorarbeit geleistet.

Historisch guter Start von Wiesinger

"Natürlich macht das Spaß", sagte Innenverteidiger Nilsson, der mit fünf Toren nun bester Nürnberger Schütze ist.

Der erstmals seit der Saison 2006/07 seit neun Spielen ungeschlagene Club träumt bei vier Punkten Rückstand auf Rang sechs nun sogar von Europa, auch wenn der Sieg glücklich war.

"Wenn wir in Rückstand geraten wären, wäre es nicht einfacher geworden. In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut im Spiel. Da waren wir zu fehlerhaft. In der zweiten Halbzeit haben wir gut gearbeitet. Bei den Standards waren wir eiskalt", sagte Michael Wiesinger, dem der beste Start eines Club-Trainers seit 1981 gelang.

Mainz liegt nur noch einen Zähler vor dem Club. Tuchel trauerte der Chance nach, wieder auf einen Europa-League-Platz vorzurücken (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Tuchel wurmen die Gegentore

"Die Gegentore wurmen mich", meinte Tuchel, der sich trotz fast doppelt so viel Ballbesitz wie der Gegner nur über den zwischenzeitlichen Ausgleich von Müller freuen konnte (60.).

Das Spiel war lange Zeit von Taktik geprägt. Mainz war optisch überlegen, nutzte aber die wenigen sich bietenden Räume nicht konsequent genug aus. Der Club stand hinten gut, fand nach vorne aber nicht statt, weil auch Mainz sehr geschickt und konsequent verteidigte. Letztlich sollten zwei Standards zum Sieg des FCN genügen.

"Nicht sexy, aber erfolgreich"

"Wir sind uns natürlich bewusst, dass wir eine enorme Kopfballstärke verfügen", erklärte Wiesinger bei LIGA total!: "Dazu bringt Kiyotake den Ball immer auf den Punkt. Das ist momentan das ganze Geheimnis."

Sechs Spieltage vor dem Saisonende hat Wiesingers Team die Parole "Nicht sexy, aber erfolgreich" etabliert und kann sich in der aktuellen Form berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Europa League machen.

Der Club musste sich in der Rückrunde nur Dortmund geschlagen geben und hat abgesehen von den Duellen mit Meister Bayern München (29. Spieltag) und Bayer Leverkusen absolut machbare Aufgaben vor der Brust.

Fürth, Hoffenheim, Düsseldorf und Bremen stehen bei den Franken noch auf dem Programm.

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