SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold gratuliert dem FCB zur Meisterschaft und sieht nur einen Klub auf Augenhöhe mit Bayern.

Hallo Fußball-Freunde,

Der FC Bayern hat in dieser Saison ganz großen Sport betrieben und steht hochverdient bereits jetzt als Meister fest. Trainer, Trainerstab, den Spielern und allen Beteiligten kann man zu dieser Leistung nur herzlichst gratulieren.

Aufgrund des Terminkalenders und des anstehenden Rückspiels in Turin konnte die Meisterschaft nicht richtig gefeiert werden. Aber die Spieler verstehen das. Feiern kann man immer noch, zumal die Schale ja erst beim letzten Heimspiel übergeben wird.

Die Bayern sollten das Rückspiel gegen Juventus nämlich keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Die Turiner werden versuchen, sich so teuer wie möglich zu verkaufen. Man hat gegen Arsenal gesehen, was trotz eines 3:1-Sieges im Hinspiel passieren kann.

Juventus wird sich mit Sicherheit taktisch anders präsentieren. Ich war schon verwundert, dass sie die Außenbahnen nicht so zugemacht haben, wie man das gegen Bayern tun muss. Franck Ribery, Arjen Robben, Philipp Lahm oder David Alaba sind eigentlich in ganz Europa bekannt.

Mich hat überrascht, dass Juventus nicht auf ein 4-4-2 umgestellt hat. Mit drei Abwehrspielern bringt es nichts, gegen eine Spitze zu spielen.

Auch das hohe Tempo der Bayern ist Juve nicht gewohnt. In der Serie A wird nicht mehr so schnell gespielt wie früher, dazu hatte Gianluigi Buffon einen rabenschwarzen Tag erwischt. Diese zwei Tore kassiert er normalerweise nicht.

Trotzdem war es eine der besten Leistungen der Bayern in dieser Saison. Bayern bleibt für mich nach Barcelona der Topfavorit auf den Gewinn der Champions League.

In der Bundesliga werden die Münchner weiter Rekorde jagen. Der Zeitpunkt der Meisterschaft spricht klar für die Mannschaft, allerdings ist die Dominanz der Bayern auch der schwachen Liga geschuldet.

Mannschaften wie Freiburg, Frankfurt oder Mainz sind oben dabei, was daran liegt, dass viele andere Vereine Probleme haben und nicht konstant sind. Ob es nun HSV, Werder Bremen oder der VfB Stuttgart, diese Vereine müssten eigentlich da oben mitspielen.

Ich denke, man muss sich darauf einstellen, dass es in den nächsten Jahren auf Bayern und Dortmund hinausläuft. Dann muss sich allerdings zeigen, ob die anderen Vereine trotzdem international mitspielen können.

Ein Aufreger des Spieltags war das vermeintliche Handspiel von Bayerns Dante in Frankfurts Strafraum. Ich finde, dass man bei so etwas nicht so kleinlich sein sollte.

Dantes Arm war hinter dem Körper, er hatte Kontakt mit seinem Gegenspieler. Es ist aus der Bewegung passiert, irgendwo muss der Arm ja hin.

Es gibt Schiedsrichter, die so etwas pfeifen. Es gibt Gott sei Dank aber auch welche, die das nicht pfeifen.

Vielleicht ist das eine Regel, die man mal ändern sollte. Wenn nicht bewusst mit der Hand zum Ball gegangen wird, um einen Torschuss zu verhindern, sollte es keinen Elfmeter geben.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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