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Per Nilsson wechselte 2010 von 1899 Hoffenheim zum 1. FC Nürnberg © getty

Nürnberg ist nach dem Sieg gegen Mainz das viertbeste Team der Rückrunde und glänzt durch Standards. Sogar der Europacup noch drin.

Nürnberg/München - Thomas Tuchel nahm das große Blatt, das vor ihm lag, hob es leicht an, las die Zahlen, die darauf standen, las sie noch einmal - und schüttelte den Kopf. "Es gibt keine Kategorie...", begann der Trainer von Mainz 05 den Satz, vollendete ihn aber nicht.

Torschüsse, Ballbesitz, Zweikämpfe gewonnen, Ecken - in all' diesen Kategorien war die Mannschaft von Tuchel besser. Nur in einer nicht, der entscheidenden. Bei "Tore" hieß es: 1. FC Nürnberg "2" - 1. FSV Mainz 05 "1". Halbzeit 0:0 (Bericht).

Mainz dominiert, Nürnberg gewinnt

"So ein Spiel kannst du nur im Fußball verlieren", sagte Tuchel, und Michael Wiesinger, der Kollege vom Club, tat beinahe, als müsse er um Verzeihung bitten für einen Sieg. "Mainz hat das gut gemacht, richtig gut. Die Mainzer waren besser, das weiß jeder, der das Spiel gesehen hat", sagte er.

Stimmt: Mainz dominierte Nürnberg, und ganz besonders in der ersten Halbzeit. Aber richtig gut ist eben relativ. Adam Szalai etwa verschoss einen Elfmeter (28.), hätte er getroffen, wäre wohl alles ganz anders gekommen (697885DIASHOW: Der 28. Spieltag).

So aber hat der 1. FC Nürnberg eine ganze Reihe von Tatsachen geschaffen. Er ist seit jetzt neun Spielen unbesiegt, so gut war er zuletzt im Kalenderjahr 2006, als er saisonübergreifend zwölfmal in Serie und zwölfmal nacheinander zu Hause nicht verlor.

Gefährlich bei Standards

Der Club ist damit die viertbeste Mannschaft der Rückrunde, unter Wiesinger holte er in elf Spielen 18 Punkte. Vier Zähler sind es noch zu Rang sechs und zur Europa League. Der Trainer aber bleibt reserviert: "Unser Ziel sind 40 Punkte, dann kann man schauen, was noch möglich ist."

Der Club hat nun 38 Punkte, und möglich scheint noch einiges, so lange er zumindest sein Standard-Werk beherrscht, wenn sonst nichts geht. "Das ist eine Waffe", betont Wiesinger. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

17 der 33 Nürnberger Saisontore fielen nach ruhenden Bällen, gegen Mainz gelangen so das 1:0 (54.) und, nach 1:1 durch Nicolai Müller (64.), das 2:1 (69.).

Nilsson Top-Torjäger des FCN

Beide Male traf der Schwede Per Nilsson, den sie im Training in Anlehnung an Nationalmannschafts-Kollege Ibrahimovic "Zlatan" rufen. Mit fünf Treffern ist der Verteidiger nun Top-Torjäger des Clubs.

"Wir haben Killerinstinkt bei den Standardsituationen gezeigt", stellte Wiesinger zufrieden fest. Mindestens einmal pro Woche wird der Torerfolg nach einem ruhenden Ball beim Club geübt.

Europa League noch kein Thema

An 11 dieser mittlerweile 17 formvollendeten Standard-Werke war Hiroshi Kiyotake als Vorbereiter direkt beteiligt, der Japaner, sagt sein Trainer, "bringt den Ball halt auch genau dahin, wo er ihn hinhaben will".

Kiyotake war erst eine Art Lebensversicherung, als die Nürnberger in der Abstiegszone festhingen, und jetzt ist vielleicht sogar mehr drin.

Wiesinger will von der Europa League lieber nicht reden. "Wir müssen", mahnt er allzu Euphorische, "jeden Sieg hart erkämpfen und auch mal das Glück strapazieren." Das allerdings gelingt gerade ganz gut.

Bester Trainerstart seit 1981

Wiesinger hat sogar den besten Start eines Club-Trainers seit 1981 hingelegt. Damals gelangen in den ersten elf Spielen unter Udo Klug ebenfalls (umgerechnet) 18 Punkte.

Klug nannte seine zunächst erfolgreiche Punkte-Sammel-Taktik damals tatsächlich die "Eichhörnchen"-Methode. Die reichte am Ende immerhin zum halbwegs souveränen Klassenerhalt. Mehr wollte bislang auch Wiesinger nicht. Bislang.

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