Die HSV-Pleitenserie hat Konsequenzen: Westermann wird abgesägt und durch van der Vaart ersetzt. Doch die Probleme bleiben.

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Von Paul Willmann

Hamburg/München ? Sportlich aufsehenerregende Meldungen rund um HSV-Star Rafael van der Vaart waren zuletzt eher dünn gesät.

Dafür füllte er die Klatschspalten: Ehe-Zoff mit Gattin Sylvie, neue Liebelei mit deren Busenfreundin Sabia. Immerhin wird also privat wieder gekuschelt. Im Job läuft es hingegen alles andere als rund. Auch van der Vaart konnte die Krise der Hamburger nicht verhindern.

Am Dienstag gab es dennoch eine Beförderung: Wie der HSV mitteilte, beerbt der 30-Jährige Heiko Westermann als Kapitän der Hanseaten.

"Er muss Vorbild sein"

"Ich musste ihn dazu nicht überreden", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink: "Ich möchte ihn noch mehr in die Verantwortung bringen. Er muss auf dem Platz Vorbild sein und die Mannschaft führen.

Westermann habe gegen die Entscheidung nicht protestiert. Für den Nationalspieler sei es momentan "ein bisschen zu viel" Verantwortung, erklärte der Trainer.

Sylvie hin, Sabia her - "Das Wichtigste ist doch, dass er auf dem Platz gute Leistungen bringt", meinte Hamburgs Coach..

Doch da haperte es bei van der Vaart und seinen Kollegen zuletzt gewaltig. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sprachlose Idole

Selbst so manchem Klub-Idol verschlägt es aufgrund der prekären Situation derzeit die Sprache. So fällt es HSV-Legende Horst Hrubesch in diesen Tagen schwer, sich zu seiner alten Liebe zu äußern.

"Natürlich tut das gerade einfach weh", sagte das einstige "Kopfballungeheuer" im Gespräch mit SPORT1 und fordert Veränderungen. Allerdings ohne konkret Namen zu benennen:

"Gewisse Leute müssen die Stellschrauben irgendwann drehen, in welcher Form auch immer, wenn man seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden will."

Schneller Stimmungswandel

Diesen hinkt man weit hinterher. Mit 38 Punkten verharrt der Liga-Dino nach der Niederlage gegen Freiburg (697885DIASHOW: Der 28. Spieltag) auf Platz elf. Das klingt mittelmäßig und ist es auch - selbst wenn die heiß begehrten internationalen Ränge zumindest beim Blick auf die Zähler noch nicht außer Reichweite sind.

Die Ansprüche des HSV wechseln scheinbar monatlich. Noch vor vier Wochen, nach dem Auswärtserfolg in Stuttgart, sprachen Leistungsträger wie Torhüter Rene Adler und van der Vaart offen von der Europa League ? Platz sechs gab ihnen damals Recht.

Es folgte eine peinliche Pleite gegen Augsburg, die 2:9-Abreibung der Bayern und eben die jüngste Schlappe gegen Freiburg.

Fink nimmt Spieler in die Pflicht

Für Hrubesch kommt die aktuelle Entwicklung nicht überraschend: "Im letzten Jahr hat man lange gekämpft, um die Klasse zu halten. Man hat auch am Anfang der Saison gesehen, wie schleppend der Start war", sagt der Ex-Nationalspieler.

Trainer Fink findet noch drastischere Worte für den sportlichen Niedergang seiner Mannschaft:

"Jeder steht unter genauer Beobachtung. Wer nicht mehr bereit ist, für den HSV Gras zu fressen, der wird nicht mehr zum Einsatz kommen", sagte der Coach der "Hamburger Morgenpost".

Zerstrittenes Team

Eine Einheit ist das Team jedenfalls nicht. Nach der Heimpleite gegen Freiburg soll Adler auf die Nachfrage, wo man die Probleme beim HSV suchen müsse, im Vorbeigehen genuschelt haben:

"Fragt doch mal die Jüngeren!" Harmonie klingt anders.

Auch Marcell Jansen befeuerte die Spekulationen um eine Kluft im Team, indem er im NDR Sportclub den von Adler organisierten Versöhnungsabend nach der 2:9-Pleite gegen die Bayern scharf kritisierte: "Da brauche ich kein Grillen. Das braucht kein Mensch."

Profis nur noch "Würstchen"

Die Hamburger Fanseele ist von den jüngsten Demütigungen schwer getroffen.

Die Anhänger des HSV machten ihrem Unmut am Trainingsgelände Luft und würdigten die vermeintlichen kulinarischen Verlockungen der HSV-Spieler mit einem Banner. Aufschrift: "Stellt euren Grill lieber kalt! Asche in der Tasche statt auf dem Grill, ihr Würstchen!"

Arnesen in der Kritik

Auch der Gegenwind für die Verantwortlichen wird immer stärker, vor allem Sportchef Frank Arnesen bekommt ihn zu spüren. Ein roter Faden in seiner Arbeit ist nur schwer zu erkennen.

Auch Hrubesch sieht bei den Klubbossen Handlungsbedarf: "Die zuständigen Leute müssen sich fragen: Was kann man machen? Was kann ich verändern? Was ist der entscheidende Faktor?"

Entlassungen unbezahlbar

Die Vereinsführung befindet sich in einer Zwickmühle. Der finanziell angeschlagene Verein könnte sich eine Entlassung von Trainer und Manager kaum leisten. Beide sind noch bis 2014 gebunden.

Gereizte Stimmung im Team, kaum finanzielle Mittel dazu eine schwächelnde Nachwuchsabteilung: Die harten Fakten lassen mittelfristig keine Besserung erwarten.

Auch Altmeister Hrubesch gehen die Ratschläge aus: "Das ist eben so eine Sache in einer Krise. Wenn es dann wieder läuft und Ergebnisse eingefahren werden, dann wird vieles auch wieder leichter. Um die Zukunft zu planen musst du die Vergangenheit aufarbeiten."

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