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Marko Arnautovic (r.) steht bei Werder noch bis Juni 2014 unter Vertrag © getty

Vor dem "Abstiegsendspiel" in Düsseldorf macht Bremens Sportchef Druck auf die Profis. Im Sommer droht Werder der Ausverkauf.

Von Jan Reinold

München/Bremen - Im beschaulichen Bremen rühmt sich der ortsansässige Sport-Verein Werder ja gerne seiner Andersartigkeit. Wenn andere Klubs ihre Trainer feuern, in Panik verfallen oder ihre Profis anzählen, hat man derlei Maßnahmen in Bremen häufig als Aktionismus abgetan.

Spätestens aber nach dem 0:2 gegen Schalke 04 (Bremer Volksseele kocht) ist auch bei den Hanseaten vieles anders, das seit sieben Spielen sieglose Werder droht vom Abstiegssog erfasst zu werden.

Und daher greifen jetzt auch in Bremen mehr und mehr die branchenüblichen Mechanismen.

Eichin macht Druck

Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Thomas Eichin packten daher diese Woche Zuckerbrot und Peitsche aus. Zunächst gab es am Montag noch ein gemeinsames Mannschafts-Frühstück nach einer lockeren Radtour, am Mittwoch erhöhte Eichin dann den Druck auf seine Profis.

"In den kommenden Spielen werden wir sehen, wer die richtigen Charaktereigenschaften besitzt", drohte der 46-Jährige via "Sport Bild" und ließ Indirekt durchblicken, dass offenbar im aktuellen Werder-Kader nicht jeder Spieler damit ausgestattet ist.

"Bei der Verpflichtung von Spielern", kündigte Eichin noch an, "lege ich großen Wert auf Charaktereigenschaften wie Teamgeist und bedingungslosen Siegeswillen."

Ausverkauf droht

Gut möglich also, dass bei Werder demnächst einige Plätze frei werden.

Der Tabellen-14. wird, das kann man wohl vor dem wegweisenden Kellerduell am Samstag beim Viertletzten Fortuna Düsseldorf (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) festhalten, die Europapokal-Plätze wieder verpassen. Und das hat Folgen, auch und vor allem für die Personalpolitik.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir haben Einkäufe getätigt, die ein gewisses Volumen hatten. Da muss man abwarten, wie sich die Spieler entwickeln, und zur Not müssen wir da ein paar Sachen korrigieren", hatte Eichin bereits im SPORT1-Doppelpass angekündigt.

Satte 17 Millionen Euro Verlust machte Werder in der vergangenen Saison, auch für diese Spielzeit wird ein Minus erwartet. Das lässt wenig Spielraum.

Ladenhüter Elia?

Einer der ersten Streichkandidaten dürfte Eljero Elia sein. Der Niederländer kam vor der Saison für immerhin 5,5 Millionen Euro von Juventus Turin, enttäuschte bislang aber.

Bei Marko Arnautovic scheiterte ein Wechsel im Winter zu Dynamo Kiew, nun soll der VfL Wolfsburg und Ex-Werder-Manager Klaus Allofs ihre Fühler nach dem exzentrischen Österreicher (Vertrag bis 2014) ausgestreckt haben.

Auch Abwehrchef Sokratis, einer der wenigen Lichtblicke, trägt sich mit Wechselabsichten. Angeblich sei ihm noch von Allofs zugesichert worden, bei einem lukrativen Angebot gehen zu dürfen.

Eichin erteilte einem Wechsel aber eine deutliche Absage. "Das ist hier kein Wunschkonzert. Er hat bei uns einen Vertrag bis 2016, und wir hätten ihn sehr gerne hier", stellte Eichin via "Kreiszeitung" klar.

Schlechte Karten bei De Bruyne

Gleiches darf man auch bei Kevin De Bruyne vermuten. Die Leihgabe des FC Chelsea, die bei den Londonern noch bis 2017 unter Vertrag steht, soll laut "Bild-Zeitung" im Zuge eines Tauschgeschäfts mit Leverkusens Andre Schürrle von Chelsea zu Bayer weitergereicht werden.

Der 21-Jährige Belgier sagte, er wisse von nichts. Bei Werder allerdings macht sich wohl langsam die Erkenntnis breit, dass De Bruyne nicht zu halten sein wird.

"Meine Planungen für die kommende Saison sind sicherlich nicht auf Kevin de Bruyne aufgebaut", sagte Eichin im SPORT1-Doppelpass.

Vor zehn Monaten habe niemand den quirligen Mittelfeldspieler auf dem Zettel gehabt. Und jetzt? "Jetzt will ihn jeder haben, und er ist in aller Munde", seufzte Eichin: "Die halbe Bundesliga jagt ihn."

Petersen soll bleiben

Schließlich wäre da noch Bayern-Leihgabe Nils Petersen. Der 24-Jährige hat seit sechs Spielen nicht mehr getroffen und klagte zuletzt, er vermisse ein klares Bekenntis der Weder-Verantwortlichen.

Das folgte inzwischen. Werder habe "signalisiert, dass man sich einen Verbleib "vorstellen könne", erzählte der Stürmer von einem Gespräch zwischen seinem Berater Lars-Wilhelm Baumgarten und Eichin.

Petersens Marktwert dürfte bei fünf, sechs Millionen Euro liegen, abwarten, ob das klamme Bremen so viel Ablöse aufbringen könnte oder die Bayern sich auf ein erneutes Leihgeschäft einlassen.

Immerhin aber ist Petersen einer (der offenbar wenigen), der bleiben darf - und das auch möchte.

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