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Timmy Simons stand in dieser Saison an allen 28 Spieltagen in der Nürnberger Startelf © getty

Timmy Simons marschiert beim 1. FC Nürnberg auch mit 36 Jahren noch vorneweg. Die Vorfreude auf das Derby gegen Bayern ist groß.

Aus Nürnberg berichtet Frank Hellmann

Nürnberg - Die Stimmung unter den Profis des 1. FC Nürnberg ist prächtig. Und das Trainingsspiel intensiv.

Wer dieser Tage auf dem durch ein modernes Funktionsgebäude aufgehübschten Club-Gelände vorbeischaut, merkt schnell, dass sich eine Vorfreude auf das bayerische Derby (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) breit gemacht hat.

"Das wird ein geiles Spiel. Die nächsten Wochen sind ein Traum - erst bei den Bayern, dann das Stadtduell gegen Fürth", sagt Timmy Simons im Gespräch mit SPORT1.

"Wir haben schon zuhause gegen die Bayern einen Punkt geholt, das ist doch schon mal ein guter Ansatz." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Löwe von Flandern

Wenn sich einer nicht verstecken muss, dann der Veteran vom Valznerweiher. Der mit 36 Jahren älteste Feldspieler der Bundesliga dient als heimlicher Kopf dieser gut organisierten Mannschaft.

Der unverwüstliche Belgier, den sie in der Heimat als "de Leeuw de Vlaanderen" - den Löwen von Flandern - titulierten, geht immer noch voran. Mit Worten wie mit Taten.

Wer könnte besser erklären, als der alleinige Herrscher aus dem defensiven Mittelfeld, der im zumeist praktizierten 4-1-4-1-System den einzigen Sechser gibt, warum die Franken in der Rückrunde erst einmal verloren haben und als viertbestes Team in 2013 sogar Tuchfühlung zu den Europapokalplätzen haben.

Das wichtigste Bindeglied

"Wir sind eine Truppe, die sehr ans Kollektiv denkt. Wir sind für jeden Gegner eklig - das ist auch eine Qualität", sagt Simons. Das darf man auch als Warnung an den FC Bayern verstehen. Ohnehin seien die Franken eine Mannschaft für die zweite Saisonhälfte.

"Nur weil anfangs immer vier, fünf neue Spieler einzubauen sind, braucht die Mannschaft ein bisschen Zeit, sich zu finden. Deshalb holen wir in der Rückrunde auch immer mehr Punkte als in der Hinrunde."

Simons spielt seine dritte Saison beim 1. FC Nürnberg, nachdem er zuvor sowohl beim FC Brügge als beim PSV Eindhoven wegen seiner Verlässlichkeit mit Lob überhäuft wurde. Er spielte allerorten das wichtigste Bindeglied ? elementar für den Zusammenhalt auf und neben dem Platz.

"Eine unfassbare Einstellung"

"Wir haben uns damals gefragt, was fehlt unserer jungen Mannschaft noch? Und da wollten wir im zentralen Mittelfeld eine Persönlichkeit haben", erzählt Manager Martin Bader.

Durch einen glücklichen Zufall ("Andreas Ottl hatte uns gerade abgesagt") sei man bei der Fahndung auf den belgischen Alt-Internationalen gestoßen, der sich in einem persönlichen Gespräch überzeugen ließ, im Frankenland als Führungsfigur eine Herausforderung im Spätherbst der Karriere anzunehmen.

Noch immer schauen Mitspieler zu ihm auf. "Er hat eine unfassbare Einstellung zu sich und seinem Körper. Er trotzt allen Widerständen und Wehwehchen", sagt Hanno Balitsch. Die Nürnberger Nummer zwei fehlt nämlich kaum eine Minute.

Einer der lauffreudigsten Spieler

Simons' Wettkampfgewicht liegt noch immer bei 78, 79 Kilo. "Ich habe gar keine Waage daheim. Bei mir reguliert sich das von allein", erklärt Simons. "In meinem Alter weißt du auch, was der Körper braucht, welche Knochen du ein bisschen ölen musst."

Und offenbar läuft es noch immer wie geschmiert: Meist um die zwölf Kilometer legt er Spieltag für Spieltag zurück. Vergangene Spielzeit hat er als einziger Bundesligaprofi über 400 Kilometer abgespult.

Seinen Spielstil erklärt er so: "Ich definiere mich über das Läuferische, es ist meine Aufgabe dort zu sein, wo es brennt. Deshalb halte ich ständig Kontakt mit den Innenverteidigern. Wir kommunizieren fast blind. Dazu gehört absolutes Vertrauen."

Zusammen mit van Buyten zur WM

Der Führungsanspruch ergibt sich für den zweifachen Familienvater - seine Töchter Laura (neun Jahre) und Lien (sechs) sprechen mittlerweile gut Deutsch - fast automatisch.

"Ich bin nicht derjenige, der in der Kabine rumschreien muss. Ich empfehle den jungen Spieler einfach: Sie sollen die Augen aufmachen. So habe ich das früher auch getan."

Sein Vertrag beim 1. FC Nürnberg läuft noch bis 2014, in dem Sommer möchte er seine zweite WM spielen. Möglichst mit dem Mann, dem er am Samstag in München begegnet: Daniel van Buyten.

"Er macht das mit 35 Jahren auch gut. Wir haben ja bei der WM 2002 schon in der belgischen Nationalelf gespielt, wir kennen alle guten und schlechten Zeiten und Brasilien wäre noch einmal ein Traum."

Für die Zukunft gerüstet

Und für die Zeit danach hat er auch schon vorgesorgt: In Belgien hat er mit einem Geschäftspartner in den vergangenen Jahren ein weit verzweigtes Immobilienunternehmen aufgebaut.

Im Großraum Nürnberg lässt Simons' Firma bald einen Seniorenpark mit mehreren Dutzend Häuser und über 150 Wohnungen entstehen.

"Ich will später nicht mehr vom Fußball abhängig sein."

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