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Strecken nach der Rettung: Norbert Meier trainiert seit 2008 Fortuna Düsseldorf © getty

Vor dem Krisen-Duell gegen Werder Bremen liegen bei Düsseldorf die Nerven blank. Norbert Meier bleibt bei SPORT1 noch gelassen.

Von Reinhard Franke

München - Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.

So geschehen bei Fortuna Düsseldorf, die als Fünfzehnter mit fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in der Tabelle immer näher Richtung Abstiegszone rutschen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Nerven liegen blank, wie jetzt ein Trainings-Vorfall zwischen Mittelfeldspieler Ken Ilsö und Stürmer Dani Schahin zeigte. Was war passiert? Die zwei Spieler rasselten bei einer Rudel-Bildung heftig aneinander.

Ilsö flippte plötzlich aus und wollte Schahin mit der Faust ins Gesicht schlagen. Entsetzen bei den Kiebitzen, doch einem gefiel die Keilerei offenbar.

Trainings-Zoff: Boss bleibt cool

"Eine richtige Suppe schmeckt nur mit dem nötigen Salz und Pfeffer drin", sagte Fortuna-Boss Peter Frymuth zu "Bild" und ergänzte: "Es ist gut, wenn es im Training rund geht - solange es nicht zu Ausschreitungen kommt."

Das Klima ist jedenfalls aufgeheizt vor dem Heimspiel am Samstag gegen Werder Bremen (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), doch auch Düsseldorfs Trainer Norbert Meier will den Streit nicht überbewerten.

Meier spielt Vorfall runter

"Die Stimmung ist gut und von Zoff kann keine Rede sein", sagt Meier zu SPORT1.

"Im Trainingsalltag herrscht nicht nur heile Welt und wenn sich Meinungsverschiedenheiten in lauteren Tönen bemerkbar machen, dann zeigt dies doch nur, dass die Mannschaft reflektiert und sich ihrer Situation bewusst ist."

Das ist auch notwendig, denn der Trend der letzten Wochen geht eindeutig abwärts. Von den letzten zehn Spielen konnten die Düsseldorfer nur zwei gewinnen.

Erneute Ergebnis-Krise

Eine ähnliche Ergebnis-Krise musste die Fortuna in der Hinrunde schon mal überstehen. Damals gewann die Meier-Elf zwischen dem siebten und 16. Spieltag nur zwei Mal.

"Wir galten vor Beginn der Spielzeit als ausgemachter Absteiger. Uns war durchaus klar, dass wir die Bundesliga nicht aus den Angeln heben und dass wir am Ende der Saison mehr Niederlagen als Siege einfahren würden", erklärt Meier.

Und er fügt hinzu: "Aber bis zum jetzigen Zeitpunkt haben wir eine gute Bilanz aufzuweisen, die uns weiterhin optimistisch stimmt - auch wenn wir wissen, dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt."

Wiedersehen mit Bremer Vergangenheit

Ausgerechnet das Duell gegen die Bremer wird nun zum Krisen-Gipfel für die Rheinländer. Meier trifft auf seine Werderaner, für die er zwischen 1980 und 1990 als Spieler 281 Bundes- und Zweitligaligaspiele absolvierte.

Ein besonders Spiel also? Davon will der 54-jährige Coach nichts wissen und wiegelt ab: "Wenn man dieses Spiel auf mich fokussieren will, so ist dies irrelevant. Ich hatte eine schöne Zeit bei Werder, sicherlich, aber jetzt geht es um Fortuna."

Ein Dreier gegen seinen früheren Kollegen Thomas Schaaf, der an der Weser seit Wochen gehörigen Gegenwind spürt, würde Meier trotz seiner grün-weißen Vergangenheit keine schlaflosen Nächte bereiten, denn Platz für Sentimentalitäten gibt es beim gebürtigen Reinbeker in der aktuell brisanten Situation kaum.

Meier verzweifelt nicht

Andererseits lässt Meier die Tabellen-Konstellation mit fünf Zählern vor den Augsburgern auch noch nicht verzweifeln.

"Dieser Vorsprung bedeutet, dass wir es selbst in der Hand haben, Dinge weiter positiv zu gestalten."

Für Meier kommt die Situation jedenfalls nicht überraschend: "Ich bin schon viele Jahrzehnte dabei und kenne die Mechanismen, die den Fußball und insbesondere unsere Liga ausmachen."

Mangelnde Qualität?

Gegen den Vorwurf der mangelnden Qualität in seinem Team wehrt sich Meier vehement: "Wir haben in etlichen Spielen in dieser Saison unsere Qualität unterstrichen, sonst hätten wir kaum 29 Punkte sammeln können und die Übermannschaft dieser Saison, den FC Bayern, an den Rand einer Niederlage gebracht."

Und weiter: "Wie schon angedeutet, wird es wichtig sein, dass sich jeder von uns der aktuellen Lage bewusst ist und wir uns selber belohnen, indem wir in den letzten Partien noch möglichst so viele Punkte holen."

Bremen mit Personalsorgen

Die seit sieben Spielen sieglosen Bremer sind nicht nur sportlich arg gebeutelt, sie reisen auch mit großen Personalsorgen an.

Im Schaaf-Team fällt nun auch noch Ex-Nationalspieler Aaron Hunt aus. Den Mittelfeldakteur plagt starkes Fieber.

Mannschaftskapitän Clemens Fritz, Lukas Schmitz, Mehmet Ekici, Tom Trybull, Sokratis und Aleksandar Ignjovski stehen dem Tabellen-14. verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.

"Diese Ausfälle machen sich schon bemerkbar, sie nehmen uns die Vielfältigkeit im Kader", sagt Schaaf. Im Falle einer erneuten Niederlage würde Werder mit Fortuna die Plätze tauschen.

Keine Frage, Meier kann seinen alten Kumpel Schaaf so richtig in die Krise stürzen.

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