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Unfassbare Freude: Christian Streich ist seit Dezember 2011 Cheftrainer beim SC Freiburg © Getty Images

Die Breisgauer halten Kurs auf Europa und peilen nun das Pokalfinale an. Der Erfolg verblüfft auch den Trainer des Sportclubs.

Freiburg/München - Als Christian Streich auf seinen Freud'schen Versprecher hingewiesen wurde, entfuhr dem entgeisterten Erfolgstrainer des SC Freiburg ein seufzendes "Um Himmels Willen".

Der unerwartete Höhenflug der Breisgauer, der den Bundesligisten nach dem 3:1 gegen Hannover 96 (Bericht) fünf Spieltage vor Saisonende sogar von der Champions League träumen lässt, verwirrt offenbar auch Streich. (702249DIASHOW: Der 29. Spieltag)

Sein Ausblick auf das Halbfinale im DFB-Pokal am Mittwoch beim VfB Stuttgart ging im ersten Anlauf jedenfalls völlig daneben: "Wir stehen zum ersten Mal im Pokal-FINALE".

Als sich Streich gesammelt hatte, gelang dem Coach eine korrekte Vorschau auf das baden-württembergische Derby. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Nochmal: Wir stehen erstmals im Pokal-Halbfinale. Das ist ein außergewöhnliches Ereignis für uns", sagte der 47-Jährige, der als Trainer der Freiburger A-Junioren dreimal den Pokal gewonnen hat.

"Für uns geht es aber nur darum, dass wir so spielen, um hinterher sagen zu können, wir haben unser Niveau abgerufen. Wenn wir dann verloren haben, ist trotzdem alles in Ordnung."

Streich bleibt völlig gelassen

Dass Streich ("Es ist toll, dass sich tausende Menschen auf den Weg über den Schwarzwald in unsere Landeshauptstadt machen") die Partie im Gegensatz zu den Fans völlig gelassen angeht, kommt nicht von ungefähr.

Schließlich braucht der SC den Einzug ins Pokalfinale wohl gar nicht, um zum ersten Mal nach zwölf Jahren wieder im Europacup dabei zu sein.

Nach dem dritten Sieg in Folge wird die Qualifikation über die Liga immer wahrscheinlicher. Der sportliche Erfolg übertüncht sogar die ersten Risse in der heilen Freiburger Welt, die durch den drohenden Ausverkauf der Mannschaft entstanden sind.

"Keine Differenzen" erkennbar

"Ich sehe keine Differenzen", kommentierte Klubchef Fritz Keller einen Bericht, wonach das Verhältnis von Streich und Manager Dirk Dufner aufgrund der Abgänge gestört sei.

"Ich kann es keinem Spieler verübeln, wenn er dorthin geht, wo er das Fünf- oder Sechsfache verdient", sagte Keller: "Es war schon immer so, dass wir der Durchlauferhitzer sind. Wir sind ein Ausbildungsverein. Das ist eine Gesetzmäßigkeit - die tut manchmal weh."

Die Unruhe durch die feststehenden Abgänge von Jan Rosenthal (Eintracht Frankfurt) und Max Kruse (Borussia Mönchengladbach) sowie die bevorstehenden Transfers von Daniel Caligiuri (VfL Wolfsburg) und Johannes Flum (Frankfurt) kann Keller nicht nachvollziehen.

"Alles richtig gemacht"

"So lange unsere Spieler die Begehrlichkeiten anderer wecken, haben wir alles richtig gemacht. Schlimm wird es erst, wenn kein anderer Verein unsere Spieler mehr haben will", äußerte der 55-Jährige.

Der Präsident kündigte an, nichts an der Philopsophie des Klubs ändern zu wollen.

"Wir werden auch zukünftig unseren finanziellen Rahmen nicht sprengen. Diesem SC-Vorsatz bleiben wir treu. Wir sind kein großer Verein, dessen sind wir uns bewusst", sagte Keller - der dennoch am Mittwoch einen Großen ärgern will.

Großer Traum ist Berlin

"Für uns ist es schon großartig, zum ersten Mal im Halbfinale zu stehen. Aber der große Traum ist natürlich Berlin. Die Atmosphäre dort ist großartig, das würden wir alle nicht vergessen. Die Mannschaft ist gut drauf. Wenn sie so in Stuttgart spielt, ist alles drin", äußerte der Klubchef.

"Wenn wir es in den Europacup schaffen sollten, werden wir es mit Freude aufnehmen und sportlich ernst nehmen."

Was "sportlich ernst" bedeutet, machten die Freiburger am Freitagabend vor 24.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion gegen Hannover deutlich.

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw sorgten Kruse (44.), Jonathan Schmid (73.) und ein Eigentor von Hannovers Christian Schulz (24.) für den hochverdienten Erfolg.

Daran änderte auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Konstantin Rausch (36.) nichts.

Helfen Freiburg und Bayern 96?

96-Trainer Mirko Slomka hat trotz der sportlichen Talfahrt und seines Dauerstreits mit Sportdirektor Jörg Schmadtke die dritte Europa-League-Teilnahme in Folge noch nicht abgehakt.

"Man sollte nie aufgeben, man kann immer eine Serie starten", sagte der Coach nach dem 1:3. Dabei hat Hannover nur eines der zurückliegenden sechs Punktspiele gewonnen.

Slomka räumte zwar ein, "dass die Chancen geringer werden und wir derzeit keine Ansprüche anmelden sollten", dennoch könntenausgerechnet die Freiburger die nötige Schützenhilfe leisten.

Sollte der SC im Derby beim VfB Stuttgart den Einzug ins DFB-Pokalfinale schaffen, könnte der siebte Platz in der Bundesliga für die Teilnahme an der Europa League reichen.

Voraussetzung dafür ist, das auch Meister Bayern München ins Endspiel einzieht und Freiburg bis zum Saisonende unter den ersten Sechs in der Liga bleibt.

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