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Teemu Pukki (M.) kam 2011 aus Helsinki zum FC Schalke 04 © getty

Leverkusen gibt ein 2:0 aus der Hand und kann sich nicht weiter von Schalke absetzen. Ein Bayer-Tor sorgt für Zündstoff.

Gelsenkirchen - Nach der erfolgreichen Aufholjagd schnaufte Jens Keller tief durch.

Nur zu gern hätte er jeden seiner Spieler einzeln umarmt. "Wenn man sieht, wie die Mannschaft nach dem 0:2 gefightet hat und immer probiert hat, das Spiel noch zu drehen: Da kann ich schon stolz sein auf die Jungs", sagte der Trainer von Schalke 04 nach dem 2:2 (0:1) im "Millionenspiel" gegen Bayer Leverkusen bei "Liga total!".

Die direkte Qualifikation für die Champions League ist für die Gelsenkirchener weiter in Reichweite. Auch nach dem Unentschieden gegen den direkten Rivalen.

Bayer mit besseren Karten

Leverkusen hat im Rennen um die Königsklasse allerdings weiter vier Punkte Vorsprung auf die Schalker und damit die besseren Karten. (702249DIASHOW: Der 29. Spieltag)

Mit einer Energieleistung in der Schlussphase wendete S04 die drohende Niederlage noch ab. Der eingewechselte Finne Teemu Pukki (71.) und Raffael (87., Foulelfmeter) erzielten die Treffer für das Team von Keller und glichen den 0:2-Rückstand noch aus. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dem 2:2 ging ein Foul von Ömer Toprak gegen Pukki im Strafraum voraus. Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte dem türkischen Nationalspieler (86.) die Rote Karte - eine vertretbare Entscheidung.

Strittiges Bayer-Tor

Simon Rolfes (39.) und Michal Kadlec (58.) hatten Bayer mit ihren Toren am 53. Geburtstag ihres Sportchefs Rudi Völler in Führung geschossen. Am Ende konnten die Schalker nach zuletzt fünf Siegen in sechs Spielen mit dem Remis gut leben. "Unentschieden geht in Ordnung, wir haben gute Moral gezeigt", bilanzierte Benedikt Höwedes.

Das Leverkusener Führungstor sorgte für Aufregung: Als Rolfes eine Flanke von Lars Bender ins Tor köpfte, lag der Schalker Ciprian Marica nach einem Zusammenprall mit Stefan Kießling verletzt im Strafraum.

Die Gäste spielten den Ball nicht ins Aus, sondern setzten ihren Angriff fort, der insgesamt schwache Gräfe unterbrach die Partie nicht. Die Königsblauen protestierten vehement.

Unterschiedliche Auffassung

"Der Schiedsrichter hat gesagt, dass es Leverkusens Entscheidung war, den Ball rauszuspielen. Und die haben es nicht gemacht", sagte S04-Keeper Timo Hildebrand.

Höwedes bewertete die Situation anders: "Die Schiedsrichter sieht einen Spieler lange im Strafraum liegen. Das ist eine Situation, die man abpfeifen muss."

Der beteiligte Marica fand gegenüber SPORT1 klare Worte: "Ja, in dieser Situation muss der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen. Und weiter: "Es wäre Fairplay gewesen, den Ball ins Aus zu spielen."

Langsamer Auftakt

Die Gelsenkirchener begannen sehr verhalten. Leverkusen dominierte die Anfangsphase und hatte auch die erste Großchance: Andre Schürrle scheiterte allerdings nach Doppelpass mit Rolfes am glänzend reagierenden Hildebrand (8.).

Ein erstes Schalker Lebenszeichen gab Jungstar Julian Draxler, der mit einer sehenswerten Einzelaktion Bayer-Keeper Bernd Leno zu einer Glanzparade zwang (11.). In der Folge prägten Ballverluste auf beiden Seiten das Spiel, Kombinationen über mehr als drei, vier Stationen hatten Seltenheitswert.

"Schalke hat Dampf gemacht"

Nach der Pause bemühten sich die Schalker um mehr Struktur in ihrem Spiel. Die große Chance zum Ausgleich vergab Draxler, als er aus 15 Metern über das Tor schoss (57.). Im Gegenzug fiel das 0:2 - Kadlec schlug eine Freistoßflanke aus 30 Metern an Freund und Feind vorbei ins lange Eck.

"In den ersten 60 Minuten war es eine gute Leistung von uns. Wir hatten eine gute Struktur im Spiel, haben gut als Mannschaft verteidigt und flüssig nach vorne gespielt. Nach dem 2:0 hat Schalke den Druck enorm erhöht und richtig Dampf gemacht. Dann ist in so einer Schlussphase alles drin", analysierte Bayer-Trainer Sascha Lewandowski.

Schalkes Coach Keller bilanzierte: "Aufgrund der zweiten Halbzeit war es ein gerechtes Unentschieden. Zur Szene vor dem 0:1 und ob Leverkusen den Ball hätte ins Aus spielen müssen, möchte ich mich nicht äußern."

Schalke mit Personalproblemen

Schalke trat mit einer Notelf an. Neben den Langzeitverletzten Ibrahim Afellay, Klaas-Jan-Huntelaar, Kyriakos Papadopoulos fehlten von den Stammspielern auch Jefferson Farfan (muskuläre Probleme), Roman Neustädter (Gelbsperre) und Jermaine Jones (Fleischwunde am Knöchel).

So rückte Draxler auf die linke Seite, Michel Bastos nach rechts, und Winter-Zugang Raffael kam erstmals seit rund zwei Monaten wieder zu einem Einsatz in der Startelf. Im defensiven Mittelfeld spielte Christoph Moritz erstmals in diesem Jahr.

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