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Trifft mit Real im Champions-League-Halbfinale auf den BVB: Startrainer Mourinho © getty

Reals Startrainer spioniert in der fränkischen Fußball-Provinz. Der Respekt vor Borussia Dortmund scheint riesengroß zu sein.

Von Tom Vaagt

München/Fürth - Helmut Hack hatte die beste Sicht.

Auf das eher freudlose Gekicke seiner Spielvereinung. Vor allem aber auf die eigentliche Attraktion dieses Samstagnachmittags: Auf Jose Mourinho.

Der Startrainer von Real Madrid hatte sich auf der Tribüne direkt vor Fürths Präsidenten platziert. Kaum eine Armlänge entfernt.

Mourinho wollte spionieren, den künftigen Champions-League-Gegner aus Dortmund ganz genau unter die Lupe nehmen. Dafür reist man schon mal in die fränkische Fußball-Provinz.

"The Special One" in der Trolli Arena. Das klingt ein wenig wie Robbie Williams auf dem Biberacher Schützenfest. Oder so ähnlich.

"Super, Sachen gibt's"

"Bruce Willis kommt aus Idar-Oberstein, und Jose Mourinho war in Fürth. Super, Sachen gibt's", kommentierte BVB-Trainer Jürgen Klopp diese bizarre Gemengelage und den eher ungewöhnlichen Besuch.

Den Dortmunder Profis war all der Rummel um den prominenten Zuschauer eh egal.

Mit 6:1 (5:0) (Bericht) fegte die Borussia den überforderten Tabellenletzten vom Platz.

Mourinho hatte schon nach 66 Minuten genug gesehen. Er ließ seinen Klappsitz Klappsitz sein und machte sich auf die Heimreise. (702249DIASHOW: Der 29. Spieltag)

Ob er angesichts des Klassenunterschiedes der beteiligten Teams wirkliche Erkenntnisse für das Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse am 24. April gewinnen konnte, scheint allerdings fraglich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kein Anruf bei Klopp

"Dass wir eine relativ gute Fußballmannschaft sind - das hätte ich ihm auch so sagen können, wenn er mich angerufen hätte", sagte Klopp bei Liga total!:

"Aber wenn er hier aufschlägt, merkt man ja auch, dass er den Wettbewerb durchaus ernst nimmt."

Nicht nur den Wettbewerb im Allgemeinen. Vor allem den BVB im Besonderen.

Die Erinnerungen an die Vorrunde der laufenden Champions-League-Saison scheinen beim spanischen Rekordmeister jedenfalls noch frisch:

Einem 1:2 in Dortmund folgte ein mühsames 2:2 im Rückspiel.

Sollten sich diese Resultate in der Vorschlussrunde wiederholen, wäre Real ausgeschieden. Und Mourinho müsste sich im Sommer wohl ohne Pauken und Trompeten aus Madrid verabschieden.

Mourinho als Schweiger

Entsprechend ernsthaft verfolgte der Portugiese die Partie. Autogramme gab es kaum. Antworten auf Reporterfragen gar nicht.

Einzig mit seinem Tribünennachbarn und Co-Trainer Jose Morais gab es immer wieder kurze Gespräche.

Eine knifflige Aufgabe für Lippenleser. War das jetzt ein "Si"? Oder eher ein "No"? Man weiß es nicht.

Klopp wollte es auch gar nicht wissen. Er wird vor dem Gigantenduell in eineinhalb Wochen andere Quellen anzapfen.

"Wir bereiten uns auf dieses Spiel super-seriös vor", sagte der BVB-Trainer und berichtete, dass er auf einen Trip zu Reals Punktspiel am Sonntag bei Athletic Bilbao verzichten werde.

Dennoch nehme er das bevorstehende Duell natürlich "nicht minder ernst" als sein Real-Kollege.

Götze und Gündogan mit Doppelpack

Und überhaupt: Durch seine verfrühte Abreise habe Mourinho schließlich das Entscheidende verpasst. "Er ist beim 5:0 gegangen und hat unsere Schwächen nicht gesehen", scherzte Klopp.

In der 71. Minute gelang Edgar Prib der einzige Fürther Treffer. Nicht mehr als eine kosmetische Veränderung des Ergebnisses.

Zuvor hatten die BVB-Stars Mario Götze (12. und 45.), Ilkay Gündogan (15. und 33.) sowie Jakub Blaszczykowski (29.) bereits für klare Verhältnisse gesorgt.

Vier Tage nach dem hochemotionalen Sieg gegen den FC Malaga war der Schlusspunkt dann Robert Lewandowski vorbehalten (80.).

"Einfach nur geil"

Der Pole traf damit im elften Ligaspiel nacheinander.

"Das war einfach nur geil", kommentierte Lewandowski die Gala seines Teams, das nebenbei auch seinen Rekord für den höchsten Bundesliga-Auswärtssieg einstellte.

"In der ersten Halbzeit sind wir nach allen Regeln der Kunst vermöbelt worden", gab Fürths Trainer Frank Kramer zu.

Dortmunds 6:1 war dann doch ein Schützenfest. Nicht in Biberach. Aber in der Trolli Arena. Mourinho wird es nicht so schnell vergessen.

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